Meilenstein für den Kiez und Baustein für einen weiteren Neuköllner Campus: Familienzentrum Droryplatz eröffnet

awo-familienzentrum droryplatz_neuköllnNiedrigschwellig ist anders. Bis in die 3. Etage eines alten Backsteinhauses muss steigen, wer die Angebote des AWO-Fami- lienzentrums Droryplatz wahrnehmen will. Eigentlich eine Lage, von der abgeraten werden würde. Zumal, wenn das Konzept auf Mütter und Väter ausgerichtet ist, die Oberhäupter von Multiproblemfamilien sind und häufig doch eher dazu neigen, Hilfe nicht aktiv zu suchen. „Wir erreichen die Eltern, die wir erreichen wollen, trotzdem“, sagt Tanja Neumann, die Leiterin des Familienzentrums. Letzen Freitag wurde es im Beisein von Neuköllns Noch-Schul- und Bildungsstadträtin Dr. Franziska Giffey (SPD) und Falko Liecke (CDU), Jugend- und Gesundheitsstadtrat sowie stellvertretender eröffnung awo-familienzentrum droryplatz_neuköllnBezirksbürgermeister, offiziell eröffnet.

Es ist das erste Familienzentrum der AWO in Neukölln und das dritte im Norden des Bezirks, das durch das Senats-Programm Berliner Familienzentren finanziert wird. „Lieber hätten wir ein Familienzentrum in einem Gebiet eingerichtet, das noch nicht ganz so schlimm ist“, räumt Liecke ein. Die Gropiusstadt schwebte ihm vor. Doch das vereitelten die Förderrichtlinien, die die Verortung in einer Brennpunkt-löwenzahn-grundschule neuköllnGegend vorschreiben – und als eine solche gilt die Gropius- stadt nicht, wohl aber der Richardkiez. Vor allem der so genannte Droryplatz, zugleich Pausenhof der Löwenzahn-Grundschule und öffentlicher Durchgang zwischen Böhmische- und Braunschweiger Straße, galt lange als Synonym für soziale Spannungen. Unvereinbar prallten die Bedürf- nisse aufeinander: Auf der einen Seite das vieler Kinder, hier in Ruhe spielen zu können, dem gegenüber die öffentliche Nutzung. „Da hatte der Architekt nicht mit der Neuköllner Lebenswirklichkeit gerechnet“, bildung in bewegung_neuköllnattestiert Franziska Giffey. Inzwischen konnte die Situation zwar durch das Engagement der Akteure des Netzwerks Wir am Droryplatz – Bildung in Bewegung, die, so eine Sprecherin, „mit der Vision eines Wohnzimmers für den Kiez gemeinsam Verantwortung für den Platz übernommen haben“, die Öffnungszeiten reglemen- tiert und der Platz mit Soziale Stadt-Geldern des Quartiersmanagements Richardplatz Süd umgestaltet wurde, entschärft werden. Deutlich wurde aber auch, dass in der infrastrukturellen Landschaft awo-kita du und ich_kita böhmische straße_neuköllnzwischen Kitas, der Löwenzahn-Schule und ihrem Hort etwas wichtiges fehlt: eine Anlaufstelle für Eltern von Babys und Kleinkindern.

Diese Lücke schließt nun das Familien-zentrum Droryplatz, das ins Gebäude der AWO-Kita Du und ich zog und von Quar- tiersmanagerin Anja Bederke bereits jetzt als „Meilenstein für den Kiez“ bezeichnet wird. Falko Liecke indes will die Einrichtung darüber hinaus als Botschaft an die Bevöl- kerung verstanden wissen, „dass wir uns hier das Futter aus dem Ärmel gerissen haben, um so etwas entstehen zu lassen, und sich Gutes entwickelt, wenn alle zusammenarbeiten“. Das interdisziplinäre Miteinander hebt auch AWO-Geschäfts- ahrens_giffey_liecke_eröffnung awo-familienzentrum droryplatz neuköllnführer Jens Ahrens (l., neben Franziska Giffey und Falko Liecke) hervor: „Das Familienzentrum ist ein großes Koopera- tionsthema, weil hier vorhandene Res- sourcen verknüpft werden.“

Die nicht nur auf dem Papier stehende, sondern gelebte Vernetzung der Einrich- tungen um den Droryplatz beeindruckte tanja neumann_awo-familienzentrum droryplatz_neuköllnauch Tanja Neumann (r.) sofort. Ihr Büro richtete die Diplom-Psycho- login im Kita-Bereich statt oben unter dem Dach in den Räumen des Familienzentrums ein: „So gab es von Anfang an Kontakt zu den Familien und eine intensive awo-kita du und ich_neuköllnElternarbeit.“ Praktisch wird diese durch Honorar-kräfte unterstützt, die offene und geschlossene Spielgruppen, einen Bas- telkurs, eine Still- und Krabbelgruppe, Bilderbuchkino-Stunden und Märchen- frühstücke mit deutschen und arabischen Geschichten anbieten. Die Kommunikation unter den Eltern fördert das Elterncafé Luftabon; bei offenen wöchentlichen Sprech- bewegungsraum hüpfquak_awo-familienzentrum droryplatz_neuköllnstunden erhalten Mütter und Väter Beratung rund um die Erziehung ihrer Kinder, die derweil durch das Bällebad Hüpfquak toben können. Schon jetzt, so Neumann, funktioniere die Aktivierung der Eltern so gut, dass Müttern spontan Hilfe für das Catering des Eröffnungsfest anboten und sich eine Gruppe von Vätern bereiterklärte, im Frühjahr Hochbeete für den Hof hinter dem Backsteinbau in der Kanner Straße zu bauen.

Man werde also belohnt, wenn der Aufstieg in die 3. Etage geschafft ist, stellte die designierte Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey fest, die schon bald nach dem Beginn ihrer Amtszeit als Stadträtin mit dem Wunsch konfrontiert wurde, am Droryplatz ein Familienzentrum einzurichten, um so einen wichtigen Baustein zur Realisierung eines Campus zu setzen, der den Übergang von der Kita zur Schule ebnet. „Hier“, sagt sie, „steht jetzt zwar nicht Campus drauf, aber es ist Campus drin.“Dem kann Tanja Neumann nur zustimmen.

=ensa=

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