Frischer Wind für sieben Neuköllner Wochenmärkte

schillermarkt neuköllnNicht jede Veränderung macht sich sofort und auf den ersten Blick bemerkbar. So verhält es sich auch bei den Neuköllner Wochenmärkten, die seit Jahresbeginn unter der Regie einer neuen Marktverwal- tung stehen. Wobei es genau genommen nur sieben der insgesamt 11 Märkte sind: Denn der Schillermarkt (r.) am Herrfurthplatz, der Neuköllner Stoff-Markt am Maybachufer, Die Dicke Linda in Neubritz und der Wochenmarkt auf dem Lipschitzplatz in der Gropiusstadt gehören nicht zum Märkte-Paket, das vom Bezirksamt Neukölln im neuköllner stoff-markt, maybachufer neukölln, blumen weyervergangenen Herbst turnusmäßig neu aus- geschrieben wurde.

Seit 2004 oblag die Organisation und Durch- führung aller anderen Märkte der Marktver- waltung Perske, nun hat Nikolaus Finks Firma diemarktplaner die Aufgabe übertra- gen bekommen. „Was der Bezirk Neukölln für den Bestand seiner Märkte tut, ist einzigartig“, lobt Fink. Normalerweise laufe der Betrieb von Wochenmärkten über Sondernutzungsgenehmigungen für die benötigten Flächen. Einen Vertrag für fünf Jahre abzuschließen, wie in Neukölln üblich, das sei eine komplett andere Hausnummer: „Dabei ist eine solche Planungs- sicherheit nicht nur immens wichtig, wenn es zum Beispiel um größere Investitionen der Händler in Verkaufswagen oder ähnliches geht.“ Für Finks Unternehmen spielt es zweifellos ebenfalls eine Rolle, ob das Zeitfenster, in dem sich Anschaffungen amortisiert haben sollten, groß wie eine Katzenklappe oder wie ein Scheunentor ist. Nicht minder relevant ist für den 47-Jährigen aber die, was sich in fünf Jahren praktisch wuppen lässt. Die Theorie hat er in Form eines Konzepts als Bewerbung eingereicht. „Es ist ein Maßnahmenkatalog, der meine Pläne für die Entwicklung der sieben Märkte fixiert“, umreißt er und ergänzt, dass an diesem Papier seine Arbeit neuköllner stoff_maybachufer neuköllngemessen werden soll. „Das langfristige Ziel ist, alle durch professionelles Marketing nach vorne zu bringen.“

Den Besuchern und Kunden der Märkte wird das Einsetzen des neuen, vor Ideen und Dynamik strotzenden Marktbetreibers aktuell noch nicht auffallen. Erst ab März würden für sie erste Anzeichen sichtbar und die Neuerungen offensiv beworben werden. Bis dahin steht noch viel Vorbereitung im auf zehn Mitarbeiter angewachsenen Team um Nikolaus Fink an. Die Ist-Analyse der Märkte sei fast abgeschlossen und habe wichtige Erkenntnisse über Möglichkeiten und Versäumnisse aber auch Alar- mierendes ergeben: „Zwei der sieben Märkte sind existenziell extrem gefährdet. Bei dem in der Parchimer Allee haben wir als Sofortmaßnahme vorläufig die Standgebühr massiv reduziert.“ Das allein werde aber nicht reichen, um den jeden Freitag geöffneten Wochenmarkt im Ortsteil Britz, in dem Fink „ein Entwicklungs- potenzial sondergleichen“ erkennt, auf stabile Füße zu stellen. Um die vielen Doppelverdiener-Familien, die ins Einzugsgebiet zogen, als Kunden zu gewinnen, sei es dringend nötig, die jetzt mittags endende Marktzeit bis zum Abend auszudehnen. Dafür müssen allerdings alle Händler mitziehen, und daran scheiterte bereits vor einigen Jahren der Versuch eines Umbruchs. Durch Offenheit, Transparenz und „Konzepttreue mit einer gewissen Kompromissfähigkeit“ will der diemarktplaner- Chef einen neuen Anlauf wagen und ihnen klarmachen, dass es perspektivisch zu steigenden Umsätzen führen wird, wenn alle auf eine Linie kommen. „Ich sehe mich in der Zusammenarbeit mit den Händlern auch als Initiator, Motivator und Moderator, also als eine Art Markttrainer“, skizziert Nikolaus Fink die Situation. Das bisherige Manko sei eben gewesen, dass diese Leitung fehlte.

„Endlich frischer Wind!“, freut sich Gerold Zink, der auf zwei Neuköllner Märkten vorrangig Käse und Honig(-produkte) verkauft: samstags beim Schillermarkt und freitags an der Parchimer Allee. Letzterer habe wegen seiner arbeitnehmer- unfreundlichen Öffnungszeiten den Ruf als Rentner- und Hausfrauen-Markt weg, bestätigt er, ahnt aber, dass mancher alteingesessene Markthändler Reformplänen skeptisch bis ablehnend gegenüber stehen wird. „Für fünf Stunden einen Stand alleine zu machen, ist kein Problem. Aber wenn es von 8 bis 18 Uhr geht, muss man zu zweit sein“, gibt Zink zu bedenken. Das sei jedoch für Umsatzschwächere schwierig, weil die Ertragslage für Markthändler eben nicht nur von den Produkten, schillermarkt bei sturmwarnung_neuköllnsondern außerdem stark vom Wetter ab- hänge. Entsprechend wächst das Risiko, dass es auf Marktplätzen mehr Lücken als Stände gibt, wenn die meteorologischen Prognosen ein Kundentief vermuten lassen. Auch auf dem Schillermarkt, der zudem auf der zugigsten Seite des Herrfurthplatzes steht, ist das immer wieder zu erleben.

Nicht mal der am stärksten frequentierte Neuköllner Wochenmarkt am Maybachufer ist dagegen gefeit. „Hinten, im Bereich der Ecke Schinkestraße, war neulich mal alles leer, weil keiner der Schönwetterhändler seinen Standplatz bezogen hatte“, echauffiert sich Nikolaus Fink. Das gehe gar nicht und müsse geändert werden. „Die kommen in Zukunft mitten rein in die Standreihe, damit es nicht auffällt, wenn sie mal fehlen“, hat er beschlossen. Geänderte Aufstellungen seien ferner für die Märkte in Britz-Süd und Rudow zu erwarten. Spätestens in der zweiten Jahreshälfte werde das realisiert, ebenso das Bestücken sämtlicher Märkte mit neuen, einheitlichen Buden und Planen. Schon vorher, im Frühjahr, will der diplomierte Landschaftsplaner eine Neuerung für ebenfalls alle Märkte umsetzen: Mit Tischen und Bänken inmitten der Stände soll das Verweilen angenehmer und der Treffpunkt-Charakter betont werden.

Die augenfälligsten Veränderungen plant Fink aber für den Wochenmarkt am Hermannplatz: „Dort wird es vom dritten Quartal an einmal wöchentlich eine Markt- bühne geben, um zur Ergänzung des Markttreibens ein Kulturprogramm zu prä- sentieren.“ Den Beginn der Umwälzungen hat bereits der mittwochs und samstags auf dem Karl-Marx-Platz stattfindende Markt durch ein dezentes Novum erfahren: Er ist jetzt nicht mehr nach dem Namen des Standorts benannt, sondern heißt Rixdorfer wochenmarkt karl-marx-platz neuköllnMarkt (r.). „Bei dem kommt aber noch mehr Neues“, kündigt der neue Betreiber an, dem u. a. im Nachbarbezirk Kreuzberg der Markt am Südstern zu verdanken ist. In Rixdorf gelte es insbesondere zwei Probleme zu lösen, um eine Zukunftsfähigkeit zu erreichen: „Eines ist, dass es viel zu viel Fläche für viel zu wenig Anfrage gibt, das andere, dass sich das Umfeld schneller als der Markt entwickelt hat.“ Es wird nicht nur ein mobiler Barista sein, mit dem auf den Struk- turwandel im Einzugsgebiet reagiert und die Attraktivität des Marktes für Händler und Kunden gesteigert werden soll. Nicht neu sind indes die Möglichkeiten, die Neuköllns Wochenmärkte für Vereine und Initiativen bieten: Dass sie kostenlos Stände anmieten können, gab es schon während der Marktverwaltung Perske-Ära. Leider wusste kaum jemand davon, weil es nicht offensiv beworben wurde. „Das will ich stärker propagieren, weil es für die Zukunft der Märkte äußerst wichtig ist, dass Institutionen aus der Nach- barschaft sie mitgestalten und Ideen einbringen.“ Nur dann, ist Fink überzeugt, kann es gelingen, die traditionelle Ambition von Wochenmärkten, Treffpunkte wie einst die Dorflinde zu sein, mit einer modernisierten Vision des Grund- und Nahversorgungs-standort zu verbinden: „Wir wollen sie  zu Kiez-Linden machen.“

Morgen stellt Nikolaus Fink das diemarktplaner-Konzept für die Neuköllner Märkte mit einer etwa halbstündigen Power Point-Präsentation den Mitgliedern des Wirtschaftsausschusses vor. Die Sitzung im Puschkin-Zimmer des Rathauses, die um 17 Uhr beginnt, ist öffentlich.

=ensa=

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