Mode, Kultur und „Dinge, die das Leben schöner machen“ in einer ehemaligen Polizeiwache in Neukölln

bridge markland_thatchers salon_berlin-neuköllnDiesmal war es die Performerin Bridge Markland. Beim nächsten Mal ist es vielleicht ein Schriftsteller oder Tänzer, vielleicht aber auch eine Sängerin oder Schauspielerin. Bei der Premiere im Januar wurde eine Schau- fensterpuppe versteigert. „Wer zu Thatchers Salon kommt, soll etwas Überraschendes 1_thatchers fashion manufactory_berlin-neuköllnerleben“, sagt Thomas Mro- zek, der Chef des Modelabels Thatchers, das seit über zwei Jahren seinen Sitz in der Nogatstraße 28 hat. Hier, im Parterre des 1919 gebauten Hauses, wo nun Thatchers-Fashion hergestellt wird, war erst eine Poli- zeistation und danach ein Uhrengroßhandel: Die Ausnüchterungszellen der Wache, die nach wie vor erhalten sind, sind jetzt Lager. Den vorderen Ladenraum teilen sich die Produktion und der Neukölln Style Store von Thatchers, der im Dezember eröffnet wurde. „Bis dahin“, erklärt der 53-Jährige, „haben wir immer nur einmal im Monat eine Art Werksverkauf gemacht.“ Seitdem können von montags bis sonnabends an den 5_thatchers fashion manufactory_berlin-neuköllnNachmittagen Kreationen des Labels anprobiert und gekauft werden.

Bridge Markland hat sich in das Modell Charlotte geworfen, ein tiefgraues Kleid mit schmalem Oberteil, weiß blitzenden Details und fließendem, ausgestelltem bridge markland_thatchers salon_berlin-neukoellnRock, der jede noch so exzes- sive Bewegung mitmacht. Wer beschließt, Charlotte auch haben zu wollen, bekommt das Kleid, dessen Material es nicht verübelt, im berstend vollen Koffer zu reisen, zum Thatchers Salon-Spezialpreis für 50 statt 349 Euro. Die in Neukölln lebende Künstlerin, die ihrem – nicht angeborenen – Vornamen auf Bühnen sonst alle Ehre macht und Brücken zwischen klassischen Literaten und Pop- musik oder bei Transgender-Performances zwischen Frau und Mann schlägt, bleibt in Charlotte ganz auf der femininen Seite. Nur die Schuhe brechen das Klischee, das bridge markland_thomas mrozek_thatchers salon_berlin-neuköllndie vor gut 20 Jahren für 26 Dollar erstandene Echt- haarperücke perfekt unterstreicht.

„Bridge kenn ich schon, seit ich nach Berlin gekommen bin“, erzählt Thomas Mrozek (l.). Damals sei sie mit ihrer Tanzgruppe als Vorprogramm einer Theatergruppe auf- getreten, für die er die Kostüme und die Maske gemacht habe. Als ihm die Idee kam, den Thatchers Salon ins sale_thatchers fashion manufactory_berlin-neuköllnLeben zu rufen, um das Publikum bei einem Kul- turprogramm „in ange- nehmer Atmosphäre Mode erleben zu lassen“, fiel ihm als erstes Bridge Markland ein. „Außerdem geht es uns bei den Salon-nachmittagen aber auch darum, dass sich die Gäste mit denen unterhalten können, die die Mode ma- 7_thatchers fashion manufactory_berlin-neuköllnchen“, ergänzt Mrozek. Dazu werden Sekt, Softdrinks, Kaffee und Tee gereicht.

Die Mode à la Thatchers ist eine, die vom Top über Blusen, Hosen, Röcke und Kleider bis zum Mantel reicht und in Stückzahlen unter 50 in den Größen S bis XL produziert wird. Sie ist weiblich und für alle Situationen des Alltags, setzt auf Passform, Haptik und die Liaison von klaren Linien und dem gewissen 2_thatchers fashion manufactory_berlin-neuköllnEtwas. Das kommt an, zumal sich die Preise anlässlich des Salons im zweistelligen Bereich – oder sogar darunter – bewegen: Die einzige Anprobekabine ist so gut wie dauerfrequentiert. „Was den typischen Thatchers-Look sicher auch ausmacht, ist, dass wir gegen den Saisontrend arbeiten“, konstatiert der Labelgründer. Selbst wenn demnächst die Frühjahr-/ Sommerkollektion auf die Bügel im Neukölln Style 8_thatchers fashion manufactory_berlin-neuköllnStore kommt, werden bereits erhältliche Teile nicht zu ollen Kamellen degradiert. Viel Neues, das, so Thomas Mrozek, „lang, locker und flatterig“ sein wird und mit „cremigen Farben von Eisblau über Fuchsia bis hin zu einem 3_thatchers fashion manufactory_berlin-neuköllnwarmen Oliv“ den Ton angibt, wird sich mit vielem, das schon oder noch da ist, kombinieren lassen.

Doch ein Anlaufpunkt nur für Frauen, die Designer-Fashion mögen, ist der Laden in einer Seitenstraße der Hermannstraße längst nicht mehr. Vor einem Jahr wurde das Sortiment durch eine Accessoires-Linie ergänzt, die auch Kleinigkeiten für Männer bereithält. „Grundsätzlich sind es Dinge, die das Leben schöner machen“, beschreibt Mrozek die Ausrichtung: Ta- schen, Shirts mit stilisierten Berlin-Motiven, Schmuck, Kladden und Etuis. Die 4_thatchers fashion manufactory_berlin-neuköllnmeisten Produkte, so auch die Wärmflasche zum Umbinden, sind made by Thatchers – und Thatchers ist eng mit Neukölln verknüpft, da der Label-Chef im Gegensatz zu anderen Designern schon hier lebte, bevor er das Mitmischen im Modezirkus begann. 6_thatchers fashion manufactory_berlin-neuköllnFolglich ist wahrscheinlich, dass es in naher oder fernerer Zukunft auch Shirts mit Neukölln-Impressionen geben wird. „Aber ich mach lieber langsam und dann Sachen, die mir wirklich gefallen“, fasst Thomas Mrozek seine Philosophie zusammen. Und die Reso- nanz seiner Kundschaft unterstützt ihn auf diesem Weg: Dass sich jemand dafür bedankt, „dass es hier so ein Geschäft gibt, das die Fahrt nach Mitte erspart“, ist kein Einzelfall.

Thatchers Neukölln Style Store (Nogatstr. 28) hat von montags bis samstags zwischen 12 und 18 Uhr geöffnet.
Der nächste Thatchers Salon ist am 6. März von 14 bis 20 Uhr; Eintritt frei. Per E-Mail an ilovestyle[at]thatchers.de kann man sich in den Newsletter-Verteiler eintragen lassen, um Informationen über die Events zu erhalten.

=ensa=

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