Oben hui: Photovoltaik-Anlage auf der Neuköllner Heinrich-Mann-Schule eingeweiht

franziska giffey_heinrich-mann-schule neuköllnTrotz vieler neuer Termine ließ es sich die designierte Bezirksbürgermeisterin und schei- dende Schulstadträtin Dr. Franziska Giffey am Donnerstag nicht nehmen, zusammen mit Schulleiter Rudolf Kemmer die Photovoltaik-Anlage der Heinrich-Mann-Oberschule einzu- weihen. Auch die Bezirksverordneten Cordula Klein und Wolfgang Hecht, beide SPD, waren zur Feier in den Physikraum gekommen.

Verstecken muss sich die Sekundarschule im Süden Neuköllns, nahe an der Stadtgrenze zu Großziethen, sicher nicht: Sie ist die einzige Schule des Bezirkes, die bereits vier Mal mit dem Gütesiegel „Berliner Klima Schule“ ausgezeichnet wurde. Bei mehreren Wettbewerben für Umwelt- und Klimaschutz gewann sie in den letzten Jahren insgesamt 18.000 Euro. Diese Preis- gelder wurden für die Anschaffung des Sonnenkraftwerkes mit verwendet. Insgesamt betrugen die Kosten der aus dem Schulsanierungsprogramm der Senatsbildungs- verwaltung finanzierten Solaranlage auf dem Dach des Gebäudes rund 43.000 Euro.

„Bevor Herr Kemmer als Schulleiter anfing“, erinnerte sich Dr. Giffey an den Beginn ihrer politischen Arbeit in Neukölln, „war das nicht die beste Zeit: Es gab Brandbriefe. Die Schulleitung fehlte, aber es ist kein Rütli-Skandal geworden.“ Inzwischen habe die vielfach ausgezeichnete Schule jedoch das Potenzial erworben, ein Aushänge- schild für den Bezirk zu werden. Um so bedauerlicher, dass die baulichen Mängel in der Schule, in der es „im Sommer heiß wie in einem Brutkasten und im Winter kalt wie in einem Eiswürfel“ sei, noch immer nicht beseitigt seien. „Es wird einer Klimaschule gerecht, wenn das Gebäude bald so ist, wie es sein sollte“, merkte Giffey im Hinblick auf die fast abgeschlossene energetische Gebäudesanierung an.

Axel Westphal, Energiebeauftragter des Bezirkes Neukölln, stellte in seinem Kurz- vortrag die technischen Details der fast 90 Quadratmeter großen Anlage vor, die die erste Solaranlage auf einer Liegenschaft des Bezirkes ist. Sie würde voraus- sichtlich 9,7 Prozent des Stromverbrauches der Schule decken und über 8.000 Kilogramm CO2 pro Jahr einsparen. Aus der Senatsverwaltung für Bildung war Harry Funk, zuständig für die Bereiche Klima und Bildung für nachhaltige Entwicklung, zur Einweihung gekommen. Er bedauerte in seinem Grußwort, dass es in Berlin nur 25 Klima-Schulen gäbe. Der Klimaschutz müsse wie selbstverständlich in jeder der über 500 Berliner Schulen auf dem Lehrplan stehen: „Ohne unsere Umwelt, was wären wir da noch?“, fragte Funk. Spandau, Steglitz-Zehlendorf und Pankow seien Bezirke, die mit jeweils fünf Klima-Schule „positiv nach oben ausscheren“. In Neukölln sei mit der vorbildlichen Arbeit der Heinrich-Mann-Oberschule immerhin ein rudolf kremmer_ralf brickl_heinrich-mann-schule neuköllnAnfang für den Umwelt- und Klimaschutz gemacht, denn es gebe andere Bezirke, die überhaupt keine Klima-Schule haben.

Wie wirksam Schulleiter Rudolf Kemmer (r.), sein Stellvertreter Ralf Brickl (l.) und das Kollegium den Umwelt- und Klimaschutz schon in den Unterricht integriert haben, bewiesen vier Beiträge von Schülerinnen und Schülern, die zwischen den Festreden der Erwachsenen ihre Projektarbeiten über die Einrichtung einer Klima-Caféteria, Solar- autos und ein Schulhausmodell vorstellten. Drei Jugendliche aus der 7. Klasse stellten zudem in einem Rechenbeispiel vor, dass einweihung photovoltaikanlage heinrich-mann-oberschule neukölln88 Notebooks für Schüler und Lehrer ihrer Jahr- gangsstufe knapp 1.600 kW/h pro Jahr verbrau- chen, um die Leistung der Solaranlage zu veranschaulichen.

Schulleiter Rudolf Kemmer versprach, das En- gagement für nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz auszuweiten. Im wieder eröffneten Schulgarten wurden gerade vier Bäume gepflanzt. Gesunde Ernährung und nachhaltiger Konsum stehen in der 7. und 10. Klasse auf dem Lehrplan. In der 8. und 9. Klasse werden die Themen Rohstoffe und Recycling behandelt. Immer werde nachhaltige Entwicklung fächerübergreifend gelehrt und gelernt: Erlöse, die beispielsweise im Ethik-Unterricht bei einem Pfandflaschen-Projekt mit dem Flaschensammeln erzielt wurden, spendete die Schule zur Hälfte für ein Wasser-Projekt in Afrika. Der Rest blieb in der Schule am Buckower Feld zur Finanzierung der eigenen Arbeit.

Der Berliner Senat hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Stadt bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu machen, d. h. der CO2-Ausstoss soll um 80 bis 95 Prozent im Vergleich zum Basisjahr 1990 reduziert werden. Damt die globale Erderwärmung einweihung photovoltaikanlage heinrich-mann-oberschule neukoellnnicht um mehr als 2 ° Celsius steigt, muss der Verbrauch von Erdöl, Kohle und Erdgas drastisch verringert werden. Die Heinrich-Mann-Oberschule, deren Schülerinnen und Schüler 2050 altersmäßig zwischen Ende 40 und Anfang 50 sein werden, kann als vielfach ausgezeichnete „Umweltschule in Europa – Internationale Agenda 21-Schule“ für dieses Einsparungsziel jetzt endlich auch einen praktischen Beitrag leisten, der an der gelben Anzeigetafel im Physikraum täglich abzulesen ist.

=Christian Kölling=

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