Zwei Schwestern und ihr Zuckerbaby

richardplatz_zuckerbaby neuköllnDie Idee zur Eröffnung eines gemeinsamen Cafés bestand bei Jill und Tanya Hennicke schon seit gut 10 Jahren. Doch damals wäre sie unmöglich zu verwirklichen gewesen, denn Jill Hennicke lebte zwar schon in Neukölln, Tanya jedoch noch in den USA. Nun ist auch sie hier, und die Schwestern setzten ihren eröffnungsschild_zuckerbaby neuköllnPlan in die Tat um und nannten ihn Zuckerbaby – Café & Deli.

Der Name spiele mit ihrer deutsch-ameri- kanischen Identität, begründen sie, und, ja, den gleichnamigen Film mit der wunderbaren Marianne Sägebrecht kennen sie natürlich ebenfalls. Mit Deli sind Delikatessen gemeint, und was für Delikatessen angeboten werden, hat mit der Biographie von Jill und Tanya Hennicke zu tun. Ihr deutscher Vater, der zum Studieren nach Amerika gegangen war, erzählen sie, verliebte sich dort in eine Amerikanerin, die er heiratete, um mit ihr eine backwaren-angebot_zuckerbaby neuköllnFamilie zu gründen. Das hatte nicht nur zur Folge, dass die Schwestern beide Sprachen perfekt beherrschen, sondern auch die kuli- narischen Besonderheiten der amerikani- schen Küche abseits des Fastfoods kennen lernten.

Die Palette der angebotenen Köstlichkeiten ist reichhaltig: Es gibt Kuchen wie den leckeren Hummingbird Cake, Cinnamon Rolls (Zimtschnecken) und Apple Crumble, aber auch die bei uns mittlerweile bekannten Cookies und Brownies sowie Popcorn und selbstgemachte Marsh- mellows. Dazu für Freunde des Herzhafteren French Toast, Quiches, Sandwiches und Tante Libby’s Käseplätzchen. Und wer all das vielleicht schon kennt, der könnte spätestens bei Chilli Corn Chowder und Fudge neugierig werden, was sich hinter diesen Namen verbirgt. Ein typisch amerikanisches Frühstück steht selbstver- ständlich auch neben anderen Varianten auf der Karte. Die Biobutter, erklärten mir die Schwestern, komme von Kühen, die das ganze Jahr über auf der Weide leben können: „Das war uns wichtig.“ Den Bio-Fairtrade-Kaffee für ihre Kaffeespezialitäten beziehen die Hennickes von der Friedrichshainer Kaffeerösterei Tres Cabezas. Ansonsten gibt es Tee, Chai, Kakao und Säfte, aber auch Alkoholisches in Form von Wein, Bier, Likören und einer kleinen Auswahl an Drinks. Nach Coca Cola wird man interieur_zuckerbaby neuköllnjedoch vergeblich im Zuckerbaby fragen: „Von der Marke halten wir uns fern, auch wenn wir Amis sind.“

Mit viel handwerklichem Geschick und Enga- gement haben Jill und Tanya Hennicke in den letzten acht Monaten die Räume an der Ecke Richardplatz/Zwiestädter Straße restau- riert, die zuletzt ein Bio-Bistro beherbergten. Die Theke ist selber gebaut, und mit dem Mobiliar aus dunklem Holz sowie liebevoll ausgewählten Accessoires haben sie eine gemütliche, familiäre Atmosphäre geschaffen. Nachdem noch eine Wand entfernt außenansicht_zuckerbaby neuköllnwurde, bietet das Zuckerbaby nun an neun Ti- schen  Platz für 35 Gäste.

Über ihr Zielpublikum sind sich beide auch schon im Klaren. An erster Stelle wollen sie die Be- wohner des Richardkiezes mit ihren Gaumenfreu- den ansprechen, die preislich zwischen 1,50 und 10 Euro rangieren. Außerdem hoffen die Schwes- tern, von denen eine gleich um die Ecke und die andere im benachbarten Körnerkiez wohnt, dass in Berlin lebende Amerikaner und Engländer gerne zu ihnen kommen, um Heimatliches zu genießen.

Beim Pre-Opening, zu dem die beiden sehr sympathischen, fröhlichen Frauen am letzten Sonntag Freunde, Kieznachbarn und Medienvertreter ins Zuckerbaby einge- laden hatten, waren auch ihre Eltern zu Gast, die in der Nähe der Westküste der USA jill und tanya hennicke+eltern_zuckerbaby neuköllnleben. Einen eingeschränkten Thekenver- kauf hatte es bereits während des Rix- dorfer Weihnachtsmarkts gegeben. Dass ihnen diese Chance ermöglicht wurde, sei besonders dem Neuköllner Bezirks- amt zu verdanken gewesen, das sie tatkräftig unterstützte, loben Tanya (r.) und Jill Hennicke. Offiziell wird ihr neues Café am Richardplatz aber erst am kommen- den Samstag um 10 Uhr eröffnet.

Den Hennicke-Sisters ist gleichermaßen good luck und viel Glück für ihren Quer- einstieg in die Gastronomie zu wünschen. Meiner Meinung nach hat jedenfalls direkt am Richardplatz, der an den Wochenenden auch häufig von Touristen und Nicht-Neuköllnern erkundet wird, ein gemütliches Café bisher gefehlt.

Vorerst ist das Zuckerbaby werktags von 8 bis 18 und samstags und sonn- tags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Am Montag ist Ruhetag.

=Reinhold Steinle=

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