Etwas Warmes braucht der Mensch: Mützen und offene Arme für die 4c der Neuköllner Löwenzahn-Schule

uschi glas_brotzeit e.v._löwenzahn-schule neuköllnSchals, sagt Uschi Glas, kriege sie auch hin: „Rechte und linke Maschen kann ich stricken. Aber Mützen …“ Die Schauspielerin, die 1968 durch die Komödie Zur Sache, Schätzchen be- rühmt wurde und zuletzt in Fack ju Göhte eine suizidgefährdete Lehrerin gab, steht vor einem bunten Haufen handgemachter Winteracces- soires, die die Kinder der Neuköllner Löwen- zahn-Schule bekommen sollen. Bei Mützen, gibt pausenhof löwenzahn-schule neuköllnUschi Glas lächelnd zu, wisse sie nicht, wie das mit der Ma- schenabnahme für die Passform funk- tioniere. Ein Machwerk von ihr sei also nicht dabei: „Die Mützen haben Kundinnen und auch Kunden von Kirsten Bürgels Kimoco-Woll- geschäft in Freising gestrickt und gehäkelt, um das Engagement unseres Vereins für benachteiligte Kinder zu unterstützen.“ Das hätten sie auch schon im letzten Jahr brotzeit e.v.-frühstück_löwenzahn-schule neuköllngetan und über 1.000 rot-weiße Mützen und Schals produziert, die an Münchener Schulen ver- teilt wurden.

„Unser Verein“ ist der brotZeit e. V., den Glas 2009 zusammen mit ihrem Mann gründete, um bundes- weit Schülern in sozialschwachen Vierteln regel- mäßig ein gesundes Frühstück anbieten zu können. Inzwischen ist die Zahl der involvierten Schulen auf über 130 angewachsen, 26 davon sind in Berlin – eine davon ist die zwischen Richardplatz und S-Bahn-Ring gelegene Löwen- zahn-Grundschule. Etwa jede zehnte der 350 Kinder nehme an dem Frühstück teil, das von einem Seniorenpaar betreut wird, berichtet Schulleiterin Utta Hoppe. „Dass die Eltern überfordert sind und sich zuhause niemand um ein Frühstück kümmert“, weiß sie, „ist aber nur einer der Gründe. Manchmal genießen die Kinder auch einfach die Atmosphäre und Ruhe, die hier beim Frühstücken herrschen.“ Wenn zuhause franziska giffey_uschi glas_brotzeit e.v._löwenzahn-schule neuköllnmorgens ein halbes Dutzend Geschwister durch eine viel zu enge Wohnung wuseln, falle der Start in den Tag eben zwangsläufig hektisch aus.

Kinder, die mit leerem Magen in die Schule kom- men, sind aber nur ein Problem, das Uschi Glas (l., neben Neuköllns Schulstadträtin Dr. Franziska Giffey) mit ihrem Verein beackert. „Allein an bay- rischen Schulen gibt es durch den gewaltigen Zuzug von Flüchtlingsfamilien einen wahnsinni- gen Bedarf“, erzählt die 70-Jährige. Viele der Flüchtlingskinder würden nicht nur hungrig, son- dern auch frierend in den Klassenzimmern ankommen. Entsprechend begeistert habe sie das Angebot der Kimoco-Chefin angenommen, zusätzlich aus Wollresten franziska giffey_uschi glas_brotzeit e.v._kl. 4c löwenzahn-schule neuköllnangefertigte, warme Wintersachen verteilen zu können. Am Vortag des Nikolaustags kam die Schauspielerin deshalb nach Neukölln.

In seiner 4c, die die brotZeit-Mützen stellver- tretend für die gesamte Schule entgegen- nahm, gebe es zwar keine Flüchtlingskinder und auch keine Kinder, die keine Mütze franziska giffey_uschi glas_brotzeit e.v._kl 4c löwenzahn-schule neuköllnhaben, sagt Klassenlehrer Udo Schopen: „Aber man sieht schon leider oft, dass an der Kleidung gespart wird.“ Die Löwenzahn-Grundschule sei eben franziska giffey_uschi glas_brotzeit e.v._löwenzahn-schule neukoellneine „typi- sche Brennpunkt- schule“ mit einer hohen Quote lern- mittelbefreiter Kinder. Bei etwa 95 Prozent, so Scho- pen, liege ihr Anteil derzeit.

„Darf ich Sie zum Dankesagen umarmen?“, fragt ein Mädchen Uschi Glas, als sich alle Kinder eine Mütze ausgesucht haben und das Gruppenfoto im Kasten ist. „Natürlich!“, antwortet die brotZeit-Initiatorin, für die das soziale Engagement längst mehr als ein Nebenjob neben der Schauspielerei ist, mit ausgebreiteten Armen. Applaus ist etwas fürs Theaterpublikum, aber nicht für glückliche Kinder.

=ensa=

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