Nicht allein Geld und Integrationsprojekte sind gefragt

(v. l: Bezirksverordnetenvorsteher Jürgen Koglin, Kulturmittlerin Elvira Ajvazi, Ausstellungs-Kuratorin Gordana Herold, Bezirksstadträtin Dr. Franziska Giffey)

(v. l: Bezirksverordnetenvorsteher Jürgen Koglin, Kulturmittlerin Elvira Ajvazi, Ausstellungs-Kuratorin Gordana Herold, Bezirksstadträtin Dr. Franziska Giffey)

Eine beachtenswerte Ausstellung der Initiative Romane Romnja (Sinti- und Roma-Frauen) ist bis Januar 2015 im Rathaus Neukölln zu sehen: Bezirks-verordnetenvorsteher Jürgen Koglin und Bildungsstadträtin Dr. Franziska Giffey baten Mittwochnachmittag im Rathaus Neukölln vor Beginn der monatlichen Bezirksverordnetenver- sammlung die Kommunalpolitiker aller Parteien ins Foyer im zweiten Stock, um die Wanderausstellung „Die Viel- falt der Sinti und Roma in Deutsch- land“ zu eröffnen.

Wie wichtig und unverzichtbar positive Aufklärungsarbeit ist, um vor dem Hintergrund der dunklen deutschen Geschichte gegenseitige Missverständnisse abzubauen, betonte Vernissage Die Vielfalt der Sinti und Roma in Deutschland_Rathaus NeuköllnBezirksverordnetenvorsteher Koglin in sei- ner Ansprache mit Nachdruck. Bezirksstadträtin Dr. Giffey wies auf  bezirkliche Erfolge bei der täglichen Integration zugezogener Roma aus Südost-Europa hin. Sie äußerte die Hoffnung, dass es gelingen möge, Stadtteilmütter mit Roma-Hintergrund dauer- haft in Arbeit zu bringen und forderte eine größere finanzielle Unterstützung vom Bund für ihre Integra- tionsarbeit ein.

Dass nicht allein Geld und Integrationsprojekte gefragt sind, sondern Aussöhnung unverzichtbar ist, war bei der Eröffnung allerdings kaum zu übersehen. Eine Tafel der Ausstellung erinnert daran , dass erst 1982 der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt den Völkermord an Sinti und Roma aus rassischen Gründen während der NS-Diktatur im Namen der Bundesrepublik Deutschland eingestand und im Oktober 2012 ein Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas fertiggestellt wurde. „Sinti sind alteinge- sessene Deutsche wie die Bio-Deutschen“, Ausstellung Die Vielfalt der Sinti und Roma in Deutschland_Elvira Ajvazi_Rathaus Neuköllnhob deshalb Ausstellungs-Kuratorin Gordana Herold in ihrer Rede entschieden hervor.

Heute leben rund 60.000 Sinti und 10.000 Roma als deutsche Staatsangehörige in Deutschland. Fünf Biographien verschiedener Frauen, die als Designe- rin, Sozialarbeiterin, Friseurmeisterin, Kulturmittlerin und Reinigungskraft arbeiten, machen die Vielfalt des Lebens der Sinti und Roma in Deutschland besonders anschaulich. Kulturmittlerin Elvira Ajvazi, deren Biographie auf einer der Schautafeln dar- gestellt ist, berichtete über ihre Erfahrungen in Münster, wo sie Roma-Flüchtlingen hilft und die Elternarbeit in Schulen unterstützt. „Um in Roma-Familien Hilfe zur Selbsthilfe zu ermöglichen, müssen wir  vor allem die Roma-Frauen in ihrem Selbstbild stärken“, lautete ihr Credo. Kulturmittlerin Ajvazi schult außerdem Mitarbeiter des Jobcenters, damit diese Vorurteile erkennen Ausstellung Die Vielfalt der Sinti und Roma in Deutschland_Rathaus Neuköllnund abbauen, um besser Zugang zu arbeitssuchenden Roma zu finden.

Auch die Neuköllner EU-Beauftragte Cordula Simon war zur Ausstellungs-eröffnung gekommen. Sie moderiert im Bezirk die AG Roma, ein Netzwerk, in dem Verwaltung, Polizei, freie Träger und Multiplikatoren einmal im Quartal zusam- menkommen, um Erfahrungen auszutau- schen und gegenseitige Missverständ- nisse aus dem Weg zu räumen. Obwohl die Situation in Neukölln nicht immer einfach ist – die bemerkenswerte Einzelinitiative einer Schülerin, die gängige Klischees infrage stellt, war am Mittwochnachmittag bereits zu melden: Rebeca Stavaracke, die sich an der Rütli-Schule auf ihr Abitur vorbereitet, hilft nebenbei anderen Schülerinnen und Schülern mit einem Deutschkurs.

Die Ausstellung „Die Vielfalt der Sinti und Roma in Deutschland“ kann noch bis zum 9. Januar während der Rathaus-Öffnungszeiten (Mo. – Fr. 8 – 20 Uhr) besichtigt werden.

=Christian Kölling=

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