Frühstart ins Leben

weltfrühgeborenen-tag_neukölln51 Zentimeter groß, gut sieben Pfund schwer, gesund und munter: Auf ein Baby wie Lia, die am 20. Oktober um 20.47 Uhr im Vivantes Klinikum Neukölln zur Welt kam und dort die 3000. Geburt des laufenden Jahres war, hoffen alle Eltern. geburtsstation_vivantes-klinikum neuköllnUnd für die meisten erfüllt sich auch der Wunsch, nach 40 Wo- chen Schwangerschaft Mutter und Vater eines wonneproppigen Neugeborenen zu werden. Doch: Etwa 60.000 Kinder starten jährlich deutsch- landweit zu früh ins Leben außerhalb der Gebärmutter. „Das sind neun Prozent aller Neugeborenen“, teilte die Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) bei einer Presse-konferenz mit interdisziplinären Experten im Klinikum Neukölln anlässlich des  heutigen Welt-Frühgeborenen-Tages mit. Eine „zunehmende Zahl älterer Mütter, künstliche Befruchtung, aber auch Wohlstandskrankheiten wie Übergewicht und Bluthochdruck“, so die DGKCH, sei immer welt-frühgeborenen-taghäufiger Ursache von Frühgeburten, wobei die Versorgung der zudem immer jüngeren und kleineren Frühchen Eltern und Mediziner vor schwierige Aufgaben stelle.

Als Frühgeborenes gilt ein Baby, das vor der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt kommt. Das Geburtsgewicht liegt oft unter 2.500 Gramm, kann aber bei extrem frühgeborenen Kindern auch nur knapp 500 Gramm betragen. „Die Grenze der Überlebensfähigkeit kleinster Frühgeborener liegt durch den medizinischen Fortschritt in der Neonatologie und der Geburtsmedizin heute unter Schwangerschaftswoche 24″, so Dr. Babett Ramsauer. „Ein gesundes Überleben von Frühgeborenen unter Schwangerschaftswoche 23″, konstatiert die leitende Oberärztin der Geburtsklinik im Vivantes Neukölln, „ist aber auch mit besten neonatologischen Intensivmaßnahmen nur in Ausnahmefällen möglich.“ Zur Vermeidung einer Frühgeburt, die mit einer Quote von 80 Prozent durch eine vorzeitige Wehentätigkeit und/oder einen vorzeitigen Blasensprung ausgelöst werde, sei es von entscheidender Bedeutung, sich die Ursachen vor Augen zu halten und die mutter-kind-zentrum_vivantes-klinikum neuköllnRisikofaktoren zu identifizieren: „Die Prä- vention von Spätaborten und extremen Frühgeburten mit daraus resultierender hoher Morbidität und Mortalität muss eines unserer vorrangigen Ziele sein.“

Je früher ein Kind vor dem errechneten Geburtstermin auf die Welt kommt, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es nicht vollständig entwickelt ist und lebens- wichtige Organe, wie z. B. die Lunge, nicht ausgereift sind. Infolgedessen müssen etwa 10 bis 20 Prozent aller Frühgeborenen im Laufe ihrer ersten Lebenswochen operiert werden. Umso wichtiger sei es, fordert Prof. Dr. Bernd Tillig, Direktor der Klinik für Kinder- und Neugeborenenchirurgie sowie Kinderurologie am Vivantes Klinikum Neukölln, „dass Schwangere bei drohender Frühgeburt oder bei vor der Geburt bereits bekannten Fehlbildungen, ihr Kind in einem spezialisierten Perinatalzentrum bekommen, damit der Transport der empfindlichen Frühge- borenen entfällt. Unser Schwerpunkt liegt darauf, Funktionen wiederherzustellen, beziehungsweise zu bewahren und dem Organismus alles zu geben, um ihn in ein gesundes, möglichst selbstbestimmtes Leben zu entlassen.“ Oft bedeutet das für den Säugling einen Klinikaufenthalt von vielen Tagen oder sogar Monaten. „Die perinatalzentrum_vivantes-klinikum neuköllnsozialmedizinische Nachsorge ist deshalb ein außerordentlich wich- tiger Bestandteil der Behandlung von Frühgeborenen, denn sie si- chert den Erfolg unserer Arbeit in der Klinik“, betont Tillig.

„Die Betreuung von Frühgeborenen darf nicht an der Kliniktür enden“, ist auch die Erfahrung von Petra Grieben. Die Familien seien nach einer frühen Geburt mit einer komplikationsreichen Klinikzeit zum Teil stark traumatisiert, schildert die Case-Managerin des Kindergesund- heitshaus e. V.. Das gesamte Familiengefüge komme in dieser Ausnahmesituation ins Wanken, und „besonders die Geschwisterkinder leiden unter der zeitweisen Trennung von der Mutter, wenn diese im Rooming-in bei dem Frühgeborenem verbringt.“ Die sozialmedizinische, interdisziplinär aufgestellte Nachsorge des Neu- weltfrühgeborenentag_neuköllnköllner Vereins, die Regelleistung der Krankenkassen ist, unterstützt die Fami- lien im Übergang, stellt mit ihnen einen individuellen Hilfeplan auf und baut ihnen das, was Petra Grieben „eine Brücke in die Normalität“ nennt.

Genau die hat auch der Bundesverband Das frühgeborene Kind e. V. im Blick, der die Aktionen zum Welt-Frühgeborenen- Tag in Deutschland koordiniert. Sein primäres Anliegen ist jedoch die Vernetzung des Informations- und Erfah-rungsaustausches zwischen Frühcheneltern, die „meist ziemlich unvorbereitet in ihre neue Rolle stürzen“ und sich nach dem plötzlichen Ende der Schwangerschaft  statt im unbeschwerten Familienglück „in einem alptraumartigen Szenario aus Hygie- nevorschriften, Kabelgewirr und Maschinen“ wiederfinden.

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