31,8 Kilometer und 40 Bahnhöfe: Jubiläum der U7 zwischen Rudow und Spandau

U7 Rathaus Spandau_Hermannplatz NeuköllnPünktlich um 12.10 Uhr startete heute vor 30 Jahren ein U-Bahnzug in Rudow, um offiziell als erster durch den damals längsten Tunnel der Welt bis zur neu errichteten Station U7-Station Rudow_NeuköllnRathaus Span- dau zu fahren: Anlass für den Rudower Hei- matverein, mit U7-Ausstellung_Rudower Heimatvereinseiner 80. Aus- stellung dieses Jubiläums zu gedenken. Eröffnet wurde sie am letzten Sonnabend von Manfred Ziemer (l.), dem Vereinsvorsitzenden, und Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky. In Manfred Ziemer_Heinz Buschkowsky_30 Jahre U7-Ausstellung_Rudower Heimatvereindessen launiger Rede standen allerdings seine Erinnerungen an die Straßenbahn- Linie 47 im Vordergrund. Und seine beiden Privilegien: Er werde in seiner Dienstlimou- sine gefahren und habe eine eigene Toilette im Rathaus, betonte er, bevor die Spandauer ihr Fett abbekamen: Wer Busch- kowsky zuhörte, konnte den Eindruck gewinnen, dass Spandau erst durch die Ehrengäste Bartz Rohe Haß_30 Jahre U7_Rudower HeimatvereinInbe- triebnahme der U7 an die Zivilisation ange- schlossen wurde.

Da Spandaus Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank abgesagt hatte, bestand die Delegation vom anderen Ende der U7 aus Christian Haß (r.), dem Vorsitzenden des Vereins zur Förderung der partnerschaft-lichen und freundschaftlichen Beziehungen Spandaus, der gleichzeitig SPD-Fraktionsvor- sitzender in der Spandauer Bezirksverord- Partnerschaftsurkunde U7netenversammlung ist, sowie seinem Schatzmeister Norbert Rohe. Ein dritter Ehrengast war Manfred Bartz (l.). Er war neben den beiden damaligen Be- zirksbürgermeistern und seinem Spandauer Amtskol- legen derjenige, der am 1. Oktober 1984 die Part- nerschaftsurkunde unterzeichnete, die die unterirdi- sche Verknüpfung beider Bezirke miteinander be- Ausstellung 30 Jahre U7_Alte Dorfschule Rudow_Neuköllnsiegeln sollte.

Die Ausstellung selbst lässt mit ihren Schau- tafeln, Textblättern, his- torischem Bahnsteig- mobiliar, zwei Dioramen, philatelistischen Lecker- Diorama_U7-Ausstellung_Rudower Heimatvereinbissen, alten Netzplänen und unzähligen Zei- tungsausschnitten keine Frage zu dieser U-Bahnlinie Fahrsimulator_U7-Ausstellung_Rudower Heimatvereinoffen. Sogar ein Fahr- standsimulator, mit dem man die ganze Strecke abfahren kann, steht bereit.

Neukölln, erfährt man, bekam am 11. April 1926 seine erste U-Bahnstrecke. Stolze 1.535 Meter führten die Gleise unter der Berliner Straße vom Hermannplatz bis zur Bergstraße (seit 1947 heißen beide Karl-Marx-Straße). Damit war auf der soge- nannten Nordsüdbahn (Streckenbezeichnung C I) eine Fahrt bis zur Weddinger Streckenplan bis 1922Seestraße möglich. Apropos Streckenbezeichnung: Ursprünglich wurden die U-Bahnlinien mit Buch- staben bezeichnet. Die abzweigenden erhielten neben dem Buchstaben eine römische Ziffer, in unseren Fall also C I. C II war der Abzweig vom Bahnhof Mehringdamm in Richtung Tempelhof. Diese Linienverzweigung stellte sich später als problema- Streckenplan 1957tisch heraus, so dass in den 1950er Jahren in den Richtlinien für den Bau von U-Bahnen die Abschaffung der Linienverzweigungen beschlossen wurde. Des- halb sollte der Neuköllner Ast von der Nord-Süd-U-Bahn getrennt und zu einer eigenständigen U-Bahn-Linie umgebaut werden, der Linie H. Allerdings konnten Fahrgäste niemals die Linie H Streckenplan 1963benutzen, weil das Buchstabensystem am 28. Februar 1966, dem Tag der Betriebseröffnung der Strecke zur Möckernbrücke, durch ein System mit arabischen Ziffern ersetzt wurde. Nun hieß die Linie H fortan Linie 7. Ihre Farbe auf den Netzplänen war Grau. Diese wurde 1978 durch ein kräftiges Hellblau ersetzt. 1984, als die BVG auch die West-Berliner S-Bahn über- nahm, wurden – um Verwechslungen auszuschließen – vor die Liniennummer noch Schaubild 0_30jahre u7_rudower heimatvereinein U für U-Bahn beziehungsweise ein S für S-Bahn gesetzt.

Die Strecke der U7 ist 31,8 Kilometer lang und besitzt 40 Bahnhöfe, 13 davon auf Neuköllner Gebiet. Sie beginnt im Rudower Ortszentrum, an der Kreuzung von Groß-Ziethener Chaussee und Waßmannsdorfer Chaussee, der sogenannten Rudower Spinne. Darauf Schaubild 1_30jahre u7_rudower heimatvereinverläuft sie nordwestlich an der Straße Alt-Rudow entlang, bis sie in einer weiten Kurve nach Westen schwenkt. Da in der Gropiusstadt Siedlungs- und U-Bahnbau kombiniert geplant wurden, folgt die U7 hier keinen Straßen. Sie verläuft südlich der Fritz-Erler-Allee und kreuzt dabei die Lipschitzallee und die Johannisthaler Chaussee. Ab dem Bahnhof Britz-Süd folgt die Trasse der Fritz-Reuter-Allee bis zur Blasch- Schaubild 2_30jahre u7_rudower heimatvereinkoallee. Nördlich davon schwenkt sie auf die Busch- krugallee. Dieser folgt sie unter der Stadtautobahn hindurch. Dahinter verläuft die Strecke – wie schon erwähnt – unter der Karl-Marx-Straße (mit der ersten Unterquerung der Ringbahn) bis zum Hermannplatz Schaubild 3_30jahre u7_rudower heimatvereinund verlässt damit Neukölln.

In den Annalen gibt es viel zu lesen. So schreibt eine Berliner Tageszeitung in ihrer Ausgabe vom 1. Oktober 1984: „Der alte Spruch, dass die Spandauer die Brücken über die Havel hochzogen, um fein unter sich zu bleiben, hat keine Gültigkeit mehr. In 55 Minuten Schaubild 4_30jahre u7_rudower heimatvereinFahrzeit gelangt man von Rudow unterirdisch zu ihrem Rathaus Die einzig noch mögliche Sperre liegt unter der Havel, wo mit zwei stählernen Toren bei einem möglichen Wassereinbruch die Schotten dichtge- macht werden.“

Das verdeutlicht aber auch, welche ingenieurmäßigen Kraftakte gerade auf dem letzten Teilstück vollzogen Schaubild 5_30jahre u7_rudower heimatvereinwurden, denn Schwierigkeiten gab es genug. Östlich der Caprivibrücke musste die Spree in Senkkas-tenbauweise unterfahren werden. Vor und hinter dem Bahnhof Mierendorffplatz wurde der Tunnel aus den Kellern bewohnter Häuser, die man vorher abgestützt hatte, herausgebuddelt. Der U-Bahnhof Jungfernheide wurde unter dem Bahndamm des Nordrings gebaut, während oben der S-Bahn-Betrieb weiterging. Die Unterquerung der Havel war nur möglich, weil man hier Senkkastenpfeiler, auf denen die Strecke ruht, bis 25 Meter Eröffnungsdaten_U7-Ausstellung_Rudower Heimatvereinunter den mittleren Wasserstand des Flusses abgesenkt hatte. Überhaupt machte der Bau- grund in der Talsenke des Warschau-Berliner-Urstromtals besondere Techniken notwendig. Weil man z. B. das Grundwasser nicht absenken konnte, ohne die Spandauer Zitadelle und andere Gebäude zu gefährden, wurde der Tunnel in einer Grube erbaut, die vorher mit wasserundurchlässigen Stahlbetonwänden und einer Unterwasserbetonsohle hergestellt wurde.

Das und vieles mehr erfährt man zum 30-jährigen Jubiläum der unterirdischen Ver- kehrsverbindung zwischen Rudow und Spandau.

Die Ausstellung des Rudower Heimatvereins  hat  bis zum 9. Novemver sonnabends und sonntags in der Zeit von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist  frei.
Einen besonderen Leckerbissen für U-Bahnbegeisterte hält der Verein in U7-Sonderfahrten Rudow Spandau_Rudower HeimatvereinZusammenarbeit mit der Arbeitsge- meinschaft Berliner U-Bahn e.V. am 25. Oktober und 1. November bereit: An diesen Tagen gibt es im Rahmenprogramm der „30 Jahre U7 Rudow – Spandau“ Sonder- fahrten mit historischen Zügen auf der Strecke nach Spandau. Weitere Infos und Platzreservierungen in der Ausstellung.

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