Lob für die Grundbildungs- und Alphabetisierungsarbeit in Neukölln

werkstatt_lesen und schreiben ev neuköllnJedes Jahr am 8. September ist der Weltalphabetisierungs-Tag. Der Verein Lesen und Schreiben (LuS) lud letzten Freitag zum Tag der offenen Tür ein, um daran zu erinnern. In der LuS-Werkstatt hängt ein gelb lackiertes Fahrrad unter der Decke. Am Rad ist ein Schild an- gebracht. Darauf steht, dass es 28.000 An-Alphabeten in Neukölln gibt. Auf dem Hof gab es Bratwurst, Hamburger, Salate und Kuchen zu essen. Und es gab Säfte, Brause sowie Kaffee zu trinken. Die Besucher sprachen viel miteinander darüber, wie alle Menschen das Lesen und bernd nowak_lesen und schreiben ev neukoellnSchreiben lernen können.

Bernd Nowak, der im Vorstand des Vereins ist, kennt den Verein im Herrnhuter Weg schon seit 31 Jahren. Er begrüßte alle Gäste und dankte herzlich für ihren Besuch. Ganz besonders begrüßte er Staats-Sekretär urda thiessen_mark rackles_lus ev neuköllnMark Rackles (r.), der in der Berliner Bildungs-Verwaltung bei Sena- torin Sandra Scheeres arbeitet. Bernd Nowak sagte an Rackles ge- richtet: „Ich würde die Mitarbeiter von Lesen und Schreiben sehr gerne fest beschäftigen und nicht immer nur befristet arbeiten lassen.“ Auch Staats-Sekretär Rackles hielt eine kurze Rede. Er wies auf das neue Grund-Bildungs-Zentrum (GBZ) Berlin hin. Die Senats-Verwaltung für Bildung finanziert das GBZ seit Mai 2014 bis Dezember 2015. Das Grund-Bildungs-Zentrum soll Betroffene, Presse, Unternehmen, Lehrer und Erzieher sowie alle anderen über Grundbildung informieren. Staats-Sekretär Rackles bedank- lesen und schreiben ev_neuköllnte sich, dass der Arbeitskreis Orientierungs- und Bildungshilfe (AOB) und der LuS e. V. gemein- sam Träger des neuen Zentrums sind. Er lobte die Arbeit beider Vereine und sagte, dass in Neukölln sehr gute Arbeit für Grundbildung und Alphabetisierung geleistet wird. Der Bezirk kön- ne für andere Bezirke ein Vorbild sein. Wörtlich sagte Rackles: „Neukölln sollte überall sein!“. Nach seiner Rede zeigte Urda Thiessen vom LuS dem Staats-Sekretär die Räume alphabetisierungs-infos_lus neuköllndes Vereins im Herrnhuter Weg 16.

In einem Raum im ersten Stock lagen Bücher und Broschüren, die in einfacher Sprache geschrie- ben sind – wie auch dieser Beitrag. Für Geschichte, Sozialkunde, Geographie und Biologie, also für wichtige Themen der Grundbildung, gibt es inzwi- schen leicht verständliche Texte. Auch die Bundes-Regierung hat auf ihrer Internet-Seite ihre Arbeit und Aufgaben in Texte in Leichte Sprache übersetzt; die Bundeszentrale für  politische Bildung hat das Heft „Leichte und Einfache Sprache“ erstellt, das die alfred henkel_lus ev_neuköllnUnterschiede und Hintergründe deutlich macht. Alfred Henkel (l.), der bei LuS unterrichtet, erklärte: „Die Silben sind das Fundament für das sinn- entnehmende Lesen.“ Er zeigte mit prakti- schen Beispielen auch, wie Erwachsene die Beugung der Verben ebenso wie die Groß- und Kleinschreibung gut selber lernen können. Im peggy gaedeckem_kay golz-schmidt_abc berlinRaum neben- an stellte sich die Selbsthilfegruppe ABC Berlin vor: „Wir treffen uns einmal im Monat und sprechen über Presse. Wir machen Interviews für Radio-Auftritte und Fernseh-Aufnahmen“, sagte Peggy Gaedecke. Kay Golz-Schmidt (r.) von der Selbsthilfegruppe ergänzte: „Wir haben jetzt eine Facebook-Seite aufgemacht.“ An einem anderen Tisch erklärte Birgit Jadla-Brzezinski vom Büro Klar übersetzt den Unter- schied zwischen einfacher und leichter Sprache: „Bei Leichter Sprache gibt es feste Regeln. Schwierige Wörter werden erklärt. Der Text wird zusätzlich mit Zeichnungen veranschaulicht. Dage- infostand alphabetisierung_lus neuköllngen darf bei einfacher Sprache, die auch ver- ständliche Sprache genannt wird, der Satz auch schon mal über eine Zeile gehen!“

Das Alpha-Bündnis Neukölln hatte ebenfalls einen Stand mit Informations-Material aufgebaut. Das Bündnis will Verständnis für Menschen schaffen, die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben. Neuköllner Einrichtungen aus den Bereichen Arbeit, Bildung, Gesundheit sowie Sozialberatung können an Schulungen teilnehmen. Geschulte Ein- richtungen erhalten einen Alpha-Aufkleber. Um der Öffentlichkeit ihre Kompetenz zu zeigen, können sie den Aufkleber an die Tür kleben. Zum Bündnis gehören inzwischen über drei Dutzend Einrichtungen. Die Schirmherrschaft hat Dr. Franziska Giffey, Neuköllns Bezirks-Stadt-Rätin für Bildung, Schule, Kultur und Sport, übernommen.

=Christian Kölling=