Von Hamburg oder München ist Berlin noch weit entfernt

stadt+hund beutelstation neuköllnSehen, dass man nichts sieht, das ist fast die Regel an Neuköllns Hundekot- beutel-Spendern. Meist sind sie leer, was bei Passanten, die die blauen, grauen, grünen, roten oder andersfarbigen Me- tallboxen überhaupt noch wahrnehmen, häufig zu der Frage führt: Weshalb werden sie nicht abgenommen, wenn sie doch nicht mehr bestückt werden? „Ein echtes Problem“, findet auch Rainer Menke von der stadt&hund gGmbH, die über 50 der rund 85 Dogstationen im ge- samten Bezirk, unterhält. Allerdings lasse es sich leicht erklären: Direkt nachdem die Schächte aufgefüllt wurden, was in der Regel zweimal wöchentlich durch ehren- amtliche Paten geschehe, neigten viele Hundebesitzer dazu, sich mit Tüten zu bevorraten, und das führe wiederum berliner klugscheißer-hundekotbeutel_neuköllnleider häufig zu dem Effekt, dass die Spender schon Stunden später wieder leer sind.

„Man kann also wenigstens davon aus- gehen, dass die Hundekotbeutel ihrem Zweck entsprechend verwendet werden“, sagt Menke. Darauf, dass die Spender nicht in der Nähe von Spielplätzen oder Schulen stehen, achte man ohnehin, um einen Missbrauch der meist durch Soziale Stadt-Mittel der Quartiersmanagements finanzierten Tüten so weit wie möglich ausschließen zu können. „Und darauf, dass die Stationen nach dem Ende der Projektlaufzeit wieder eingesammelt werden“, so der stadt&hund-Mitarbeiter, „achten wir auch.“ Schließlich bedeute jeder Beutelspen- der eine Investition von etwa 80 Euro, wobei sich die Totalausfälle durch Van- hundekacke eingetütet_neuköllndalismus glücklicherweise in Grenzen hiel- ten – außer an Silvester. Weitere 400 Euro müsse man jährlich für das kontinuierliche Bestücken einkalkulieren.

„Für eine berlinweite Aktion haben wir im letzten Jahr in Kooperation mit Berliner Klug- scheißer 1 Million ökologisch und sozial kor- rekt produzierte, peppig designte, knallgel- be Kottüten in Umlauf gebracht“, berichtet Rainer Menke. Ein Handeln des Senats hin- sichtlich der Hundekackeproblematik in der Hauptstadt, kritisiert er, bleibe aber trotzdem weiterhin aus. Anders in Hamburg. Dort gebe es ein dichtes Beutelspendernetz, in München indes sei die soziale Kontrolle noch verbreiteter: „Beides führt dazu, dass die innerstädtischen Bereiche wesentlich garten ist kein hunde-klo_neuköllnaufgeräumter aussehen.“

Ambitionen, zu einem sauberen Wohnumfeld beizutragen, ließen sich aber auch in Berlin mehr und mehr erkennen: Die Akzeptanz der Hundekotbeutel sei dort groß, wo es sie gibt und sich Hundehalter gegenseitig zur Benutzung motivieren. „Doch die Erkennt- nis, dass Hundekacke auf Bürgersteigen nicht nur ein optisches sondern in erster Linie ein hygienisches Problem ist, ist leider bei vielen ein langer Prozess“, so Menkes Erfahrung.

Verantwortungsvolle Hundehalter haben da- für immer weniger Verständnis. „Hier gibt es weit und breit keine Dogstation“, hat die Besitzerin einer kniehohen Pro- menadenmischung festgestellt, die am Neuköllner Schiffahrtskanal wohnt. „Deshalb hab ich immer Beutel dabei, wenn ich mit Lucy auf Gassirunde bin.“ Ein Hundehalter aus dem Schillerkiez, wo es schon seit Jahren kein Tütenspender-Projekt mehr gibt, geht noch weiter. Es sei, findet er, ein Unding, dass öffentliche Gelder verbraten werden, elementare Auf- und Ausgaben von Hun- debesitzern zu übernehmen. Wer sich einen Hund anschafft, der müsse auch dafür sorgen, dass dessen Dreck nicht auf dem Bürgersteig liegen bleibt und andere Leute belästigt oder die Gesundheit anderer Hunde gefährdet.

=ensa=

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