Der x-te für Gunter Demnig, der erste in Neukölln: Stolperstein für Cap Arcona-Opfer verlegt

stolperstein fritz bischoff_weisestr 9 neuköllnDass Fritz Bischoff in der Weisestraße 9 gelebt hat, ist belegt. Welche Wohnung aber seine war und von wann bis wann er dort ein und aus ging, das konnten die Mitglieder der Anwohnerini-tiative „Stolpersteine für die Weisestraße“ nicht in Erfahrung bringen. „Was man sicher sagen kann, ist, dass dies Bischoffs letzte Berliner Adresse war, und dass er in Rixdorf geboren wurde“, sagt Volker Banasiak, der Neuköllner Stolpersteine-Koordinator. Dabei gehört Fritz Bischoff zu den Opfern des Nazi-Regimes, über deren Leben vergleichsweise viel bekannt ist.

Auf dem Stolperstein, der gestern von Gunter Demnig in der Weisestraße für ihn verlegt wurde, ist es zusammengefasst mit:  Jg. 1900 | verhaftet 23.9.1934 | Zuchthaus Kassel | 1942 Sachsenhausen | 1944 Neuengamme | ertrunken 3.5.1945 Cap Arcona. Letzteres taugt jedoch auch nicht zur unum- stößlichen Tatsache, da andere Quellen wiederum behaupten, dass Fritz Bischoff gunter demnig_stolperstein fritz bischoff_neuköllnvon der SS erschossen wurde, als er ver- suchte, sich vom nach der Bombardie- rung durch britische Luftstreitkräfte bren- nend sinkenden Dampfer Cap Arcona zu retten. Insgesamt starben an diesem Nachmittag etwa 8.000 Menschen beim Angriff auf die drei in der Lübecker Bucht liegenden Schiffe. Von den rund 5.000 Häftlingen auf der vom Passagier-dampfer zum KZ-Schiff umfunktionierten Cap Arcona überlebten nur circa 350; der  prominenteste war  Erwin Geschonneck, der später in der DDR als Schauspieler Karriere machte. Er habe schon „sehr, sehr viele“ Stolpersteine für Opfer der Cap Arcona-Katastrophe verlegt, sagt Gunter Demnig, in  Neukölln war  es aber  der erste.

Fritz Bischoff war gerade Mitte 40, als sein Leben vorbei war. Schon 19-jährig hatte er als Gründungsmitglied der KPD die Weichen für seine Zukunft gestellt, vier Jahre später seine Parteigenossin Charlotte Wielepp geheiratet. Im September 1934 wurde Bischoff, der u. a. für die KPD in der Region Frankfurt/Main den politischen Wider- stand gegen den Nationalsozialismus organisiert hatte, zu acht Jahren Gefängnis verurteilt. Denen folgte die Internierung in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Hamburg-stolperstein fritz bischoff_weisestr 9 berlin-neuköllnNeuengamme. Ende April 1945 schließlich, nach der Auflösung des KZ Neuengamme, wurde Fritz Bischoff von SS-Wachmannschaften auf die in der Lübecker Bucht ankernde Cap Arcona und somit in den Tod getrieben. Seiner Frau Charlotte gelang es, trotz ihres En- gagements als Widerstandskämpferin, bis zum Ende des 2. Weltkriegs uner- kannt in werkzeug gunter demnig_stolperstein-verlegung neuköllnBerlin zu bleiben. Sie starb erst 1994 im Alter von 93 Jahren. Dass es noch lebende Angehörige der Bischoffs gibt, könne ausgeschlossen werden, meint Volker Bana- siak. Auch die Anwohnerinitiative konnte diesbezüglich nichts herausfinden.

„Wir wollen auf jeden Fall für zwei weitere Stolpersteine in der Weisestraße sammeln“, sagt Julia Hartung vom Aktivenkreis, der sich gegen die soziale Verdrängung im Kiez engagiert und hier seit vielen Jahren ein Nachbar-schaftsfest organisiert. „Mit den Gedenksteinen sollen alle Anwohner an die erinnert werden, die früher in der Straße gelebt haben.“

Gunter Demnig muss weiter zur nächsten Station. „Friedrichshain, Kreuzberg und Pankow sind heute noch dran“, sagt er. Um die 90 Stolpersteine wird er verlegt haben, wenn Samstag sein 3 1/2-tägiger Berlin-Aufenthalt endet. „Das“, findet er, „ist nicht viel.“ Vier der Stolpersteine hat Neukölln bekommen: Schon um 9 Uhr verlegte Demnig drei Messingmahnmale in der Hermannstraße 123, wo Karl und Dorothea Althof ein Geschäft für Damenbekleidung hatten. Das jüdische Ehepaar wurde am 19. Oktober 1942 mit dem gemeinsamen Sohn Arno nach Riga deportiert und dort ermordet.

=ensa=

2 Antworten

  1. „Das jüdische Ehepaar wurde am 19. Oktober 1924 mit dem gemeinsamen Sohn Arno nach Riga deportiert“ ?????

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