Temporäre Traumlandschaft auf dem Tempelhofer Feld

ovids traum_luftgarten tempelhofer feld_berlinWenn andere Theater Sommerpause machen, weil das Publikum nur schwer in geschlossene Räume zu locken ist, hat das Theater Anu Hochsaison. „Wir kommen gerade aus Lauffen am Ne- ckar, wo wir zum 100-jährigen Stadt-jubiläum ‚Im Irrgarten der Geschichte‘ gespielt haben“, berichtet Bille Behr, die zusammen mit ihrem Mann das von ihm gegründete Theater leitet. Die Inszenierung ‚Ovids Traum‘ gastierte zeitgleich in Norddeutschland und kam erst am Wochenende nach Hause zurück, wo sie nun auch zwei Wochen lang bleiben darf, weil ab morgen acht Auf- führungen auf dem Tempelhofer Feld anstehen. Seit gestern wird die etwa 8.000 martin thoms_ovids traum_tempelhofer feld_berlinQuadratmeter große Fläche zwischen dem Bier- garten und dem Eingang am Columbiadamm auf theater anu_ovids traum_tempelhofer feld_berlindas Theater-Ereignis vorbereitet.

„Kurz vor der ersten Vorstellung werden wir fertig sein“, ver- sichert Martin Thoms, ovids traum_tempelhofer feld berlinder Szenograf vom Theater Anu, wäh- rend er Sisalstricke spannt und mit- einander verknüpft. An einem Theater mit einer festen Spielstätte, Bühne, Türen, Zuschauerbestuhlung und Dach über dem Kopf, wäre er Bühnenbildner. Doch all ovids traum_luftgarten_tempelhofer feld_berlinovids traum_tempelhofer feld_berlindas gibt es beim Theater Anu nicht, das sich poeti- schen Inszenierungen im öffentlichen Raum ver- schrieben hat. Abends bei den Aufführungen werde das zwischen den Bäumen ge- spannte, wirre Gebilde, das nur eines von zehn Motiven ist, vollkommen organisch aussehen,  sagt Martin Thoms. Es ist keine Prognose, sondern ein Stück Erinnerung: Denn ‚Ovids Traum‘ war bereits im letzten Sommer auf dem Tempelhofer Feld zu Gast. Rund 1.400 Besucher ließen sich damals durch die theatrale Umsetzung der ovids-traum_theater-anu_brennende-schuheMetamorphosen des römischen Dichters führen und von ihr begeistern, berühren – oder auch irritieren.

Denn bei Inszenierungen des Theaters Anu ist manches anders: Mit Fackeln bestückte Schuhe weisen dem Publikum den Weg und das wiederum erlebt keine Aufführung mit Anfang und Ende, sondern jeder bestimmt sein Programm inmitten von sechs Tänzerinnen und einem Tänzer, Installationen, Lichtobjekten, Toncollagen und Performances selber. „Weil an allen Stationen im Loop gespielt wird, kann man also ovids-traum_theater-anu_eurydice-2auch erst später dazu stoßen oder sich zwischendurch im Luftgarten ein Bier holen gehen, ohne etwas zu verpassen“, erklärt Bille Behr das Prinzip. Andererseits sei es auch möglich, sich Szenen immer wieder anzugucken. Zwischen acht und 12 Minuten dauert jede, empfohlen wird eine Gesamtbesuchszeit von 70 Minuten. „Bei den Motiven und Geschich- ten“, so die Theaterleiterin und Regisseurin, „konzentrieren wir uns ganz auf das Spektrum menschlicher Leidenschaften.“ Mit diesem Fokus wurden 15 der 250 ovids-traum_theater-anu_evaMythen ausgesucht, die Ovid vor über 2.000 Jahren in seinem Gedichtzyklus verfasste. „In Ovids Werk steckt sehr viel Wissen über Menschen, und seine Geschichten sind auch heute noch eine große Bereicherung“, ergänzt Stefan Behr. Wer Latein hatte, kenne das Werk bereits, doch das sei nicht er- forderlich, um das Stück genießen zu kön- nen, weil das Theater Anu mit der Pro- safassung gearbeitet habe. So biete sich mit ‚Ovids Traum‘ eine vollig neue Möglichkeit, die Poesie des Dichters samt seiner Helden neu und in einer sehr ovids traum_theater anubildkräftigen Sprache kennen zu lernen.

Und in einer Umgebung, die das Team um Martin Thoms vor Herausforderungen stellt. „Die ge- samte Installation ist an den Raum angepasst“, sagt Stefan Behr. Die Blickachsen und die Sound-fläche, die das Tempelhofer Feld zur Inszenierung beiträgt, seien das Besondere. „Das Spiel des Winds macht die Sache noch attraktiver.“ Wo- rauf die Behrs und ihr Ensemble allerdings gut verzichten können, ist, dass sich Regen oder Gewitter unter die Statisten mischen. Bisher habe es aber nur wenige wetterdingte Ausfälle gege- ben: „Wir spielen so lange, wie es die Technik und Schauspieler aushalten.“

‚Ovids Traum‘ wird vom 31. Juli bis 3. August und vom 7. bis 10. August jeweils von 22 bis 0.30 Uhr auf dem Tempelhofer Feld aufgeführt.

Die Abendkasse befindet sich am Eingang Columbiadamm; Eintritt: 13 – 15 Euro. Im Vorverkauf sind Karten online über das Reservierungsportal Re- servix zum Preis von 14,50 und 12,50 Euro erhältlich. Darüber hinaus gibt es Karten zum Spezialpreis von 12 bzw. 10 Euro, die heute oder vom 4. bis 6. August im Luftgarten auf dem Tempelhofer Feld erworben werden müssen.

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