Bücher-Verleih statt Backwaren-Verkauf

bgi-bücherstube rollberg_neuköllnAn der Ecke Kopf-/Morusstraße, wo bis vor kurzem noch frische Brote, Schrippen und Kuchen verkauft wurden, wird seit letztem Dienstag nicht mehr ganz so frische geis- romane_bgi-bücherstube rollberg_neuköllntige Nahrung ver- liehen oder auch getauscht. „Neu ist die Bücherstu- be im Rollberg- viertel eigentlich gar nicht“, räumt Projektleiter Mathias Dö- ring ein. „Sie ist jetzt nur an einen Ort mitten im Kiez gezogen und dadurch präsenter.“ Am vorherigen Standort, im Sud- haus auf dem Gelände der ehemaligen Kindl-Brauerei, wo auch der Projektträger, die Berliner Gesellschaft für Integration (BGI), ihre Büros hat, sei es einfach nicht gelun- romane_bgi-bücherstube rollberg_neukoellngen, Bücher und Leser zusammen zu bringen. Dieses Problem gehört in der Morusstraße der Vergangenheit an. Nach nur wenigen Tagen lasse sich eine sehr positive Zwischenbilanz ziehen.

„Wir haben sogar schon Stammgäste“, ist aus dem Kreis der 15 Frauen und Männer zu hören, die als MAE-Kräfte in dem Projekt beschäftigt sind. „Durch das Ausführen sinnvoller Tätig- keiten und den Erwerb sozialer Kompetenzen kinderbücher_ sachbücher_bgi-bücherstube rollberg_neuköllnsollen sie hier“, so Mathias Döring, „auf eine Zukunft im ersten Arbeitsmarkt vorbereitet werden.“ Die Bücher würden von Privatpersonen oder auch Bibliotheken ge- spendet, müssten zunächst auf ihren Zustand hin untersucht und bei geeigneter Qualität anschließend im Computer erfasst und katalogisiert werden. Am Ende des Prozesses landen sie in den wändefüllen- den Regalen, um von Bedürftigen, d. h. Hartz IV-Emp- fängern oder Geringverdienern, entdeckt und ausge- comics_bgi-bücherstube rollberg_neuköllnliehen zu werden.

Anders als in öffentli- chen Bibliotheken laufe alles sehr unbürokratisch. Vertrauensbasis ist das Zauberwort, eine kosten- pflichtige Anmeldung nicht erforderlich: „Wer Bücher ausleihen möchte, muss nur seinen Namen und die Telefonnummer angeben, auch wegen des Daten- schutzes.“ Grundlegend anders ist zudem die Präsentation der Bücher. Romane, Sachbücher, Kinder- und fremdsprachige Literatur sind die Kategorien, die die grobe Richtung vorgeben und nochmals in einzelne Genres bzw. Fachrichtungen unterteilt sind: Kunst, Sport, Politik, Geschichte, Religionen oder Lexika und Krimis, leseecke_bgi-bücherstube rollberg_neuköllnThriller, Science Fiction, Horror, Liebes- oder Abenteuerromane.  Eine alphabeti- sche Sortierung nach Titeln oder Autoren gibt es nicht. „Wir wollen, dass die Leute stöbern“, erklärt eine Mitarbeiterin das Prinzip der Bestandsverwaltung, die aktu- ell rund 4.000 Bücher umfasst – etwa das Drei- bis Fünffache wartet noch in Kar- tons in einem Lagerraum darauf, aus- gepackt und katalogisiert zu werden. Höchstens fünf Bücher darf man für maximal drei Wochen ausleihen. Wer unsicher ist, ob er die richtige Lektüre gewählt hat, kann sachbücher_bgi-bücherstube rollberg_neuköllnsich zum Anschmökern bei Kaffee, Tee, Wasser und Süßem an einen der Tische oder in die Leseecke zurückziehen. „Bis zum Ende der Ferien werden wir noch einige Verschönerungsarbeiten vorneh- men“, kündigt ein Mitarbeiter an. „Auch bgi-kiezbüro rollberg_neuköllndeshalb sehen wir den Projekt- start in der Feri- enzeit nicht als Nachteil.“ Zumal davon auszugehen sei, dass der Besucherzustrom mit dem Wiederbeginn der Schulzeit sprunghaft ansteigt.

Im Kiezbüro nebenan, einer weitere MAE-Maßnahme der BGI, wo  Sozialberatungen in verschiedenen Sprachen sowie Unterstützung bei Be- hördengängen und Antragstellungen angeboten werden, schätzt man die Situation ähnlich ein: „Durch die Veränderungen in Neukölln sind die Probleme ja nicht weni- ger geworden, es sind jetzt nur andere.“ Man hofft allerdings, sie künftig durch die Synergieeffekte der beiden Projekte unter einem Dach entspannter zu lösen. Wer warten muss, kann das in der Bücherstube tun. Und auch Kinder können sich dort die Zeit, in der die Eltern beraten werden, kurzweilig vertreiben.

Die BGI-Bücherstube in der Morusstraße 28 hat von montags bis freitags zwischen 9 und 17 Uhr geöffnet; Tel. 030 – 68 97 59 03.

Bücherspenden werden gerne entgegengenommen. Auch für Nicht-Bedürf- tige besteht die Möglichkeit, eigene Bücher gegen Titel aus dem Bücher- stube-Bestand zu tauschen.

=ensa=

Eine Antwort

  1. Für Hartz IV Empfänger und Bedürftige sind die Stadtbibliotheken auch alle kostenlos.
    Für Leute unter 18 auch.

    Viele Grüße, Laura

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