Neuköllner Schüler in Neuköllner Unternehmen (Teil 2)

Über 700 Jugendliche von fünf Neuköllner Schulen sahen sich letzten Don- nerstag beim Tag des offenen Unternehmens in 25 Neuköllner Firmen um. Wir haben zwei Schülergruppen begleitet: Der letzte Teil unseres Beitrags führt heute durch das Mercure Hotel an der Hermannstraße; vom Besuch rix-bar_mercure hotel bln tempelhof airport_neuköllnder Tischlerei Thieß berichteten wir vorges- tern.

Damit sie die Hände frei haben, waren die Mäd- chen und Jungen gebeten worden, ihre Taschen und Handys für die Zeit des Rundgangs im Kof- ferraum des Hotels barkeeper_mercure hotel bln tempelhof airport_neuköllnzu deponieren. Schon in der Rix- Bar – erste Station der einen, letzte der anderen Grup- pe und Refugium von Seko Bahsi (l.) – erschließt sich den Jugendlichen, weshalb das Abgeben des Hand- gepäcks durchaus sinnvoll gewesen ist. Beim Mixen alkoholfreier Cocktails hätte das nur gestört. Die Auswahl verschiedenster Säfte und Sirups hinter der Theke verunsichert zunächst alle. „Probierts einfach aus!“, ermuntert der Barkeeper. „Cocktails mixen ist wie kochen. Wenn was nicht schmeckt, kippt man’s eben weg.“ Passt Kokosmilch zu Birnensaft? Was passiert, wenn Sahne und roter Grena- dine-Sirup auf türkisen treffen? Rezepte will Bahsi nicht vorgeben, wohl aber den bar rix_mercure hotel bln tempelhof airport_neuköllneinen oder anderen Trick: So lange shaken, bis der Shaker beschlägt, und den gläsernen Teil auf keinen Fall in Richtung des Gastes halten, der vor der Theke sitzt. „Dann kriegt man die Schweinerei selber ab, wenn was nicht so richtig perfekt klappt.“

Ihre Cocktails schlürfend, dürfen die Jugend- lichen, von denen zwei eine berufliche Zukunft in der Gastronomie anstreben, Seko Bahsi Fragen stellen. Was man in dem Job verdient? „Genug, aber  für ’nen Ferrari reicht’s nicht“, antwortet er. Welche Voraussetzungen man mitbringen sollte? Die Information, dass passable Englisch-Kenntnisse wegen des internationalen Publikums wichtig sind, scheint niemandem so recht zu gefallen. „Und freundlich muss man sein und 6.etage_mercure hotel bln tempelhof airport_neuköllnSmalltalk mögen.“ Außerdem habe man sich auf Ar- beitszeiten einzustellen, die oft schlecht mit denen von Freunden oder einem Familienleben in Einklang zu bringen seien.

Das ist für das Personal an der Rezeption, die rund um die Uhr besetzt ist, nicht anders, erfahren die Ju- gendlichen. Dann geht es, nach einem kurzen Abste- cher zur Reservierungsabteilung, mit dem Aufzug in hausdame_mercure hotel bln tempelhof airport_neuköllndie 6. Etage.

Hier hat die erste Haus- dame das Sagen. „Die Sauberkeit unserer 216 Zimmer ist das A und O“, sagt sie, während sie die Gruppe durch ein Privilegezimmer führt, in dem alles so ist, wie es sein soll und die Gäste es in einem Hotel der 4 Sterne-Klasse erwarten. Zwei Bademäntel liegen be- reit, auf jedem Nachtschrank ein Schokoladentäfel- chen, und unter dem Röhrenfernseher eine TV-Zeitung. privilegezimmer_mercure hotel bln tempelhof airport_neuköllnDie Bettwäsche ist blütenweiß, das Laken knitterfrei und akkurat eingeschlagen, und die Bügel im Schrank wirken wie per Lineal ausgerichtet. „Gucken Sie sich die Standards genau an“, rät die Chefin des House- keepings, „im nächsten Zimmer, das ich Ihnen zeige, haben wir  ein paar  Fehler  eingearbeitet.“ Mit verein- ten Kräften finden die Schülerinnen und Schüler alle – in nicht mal der Hälfte der Zeit, die ein Zimmermädchen für das Herrichten eines Gästedomizils hat. Nach spätestens einer Viertelstunde muss ein Bleiberzimmer wieder picobello sein, für ein Abreisezimmer gibt es fünf Minuten mehr. Die Zeiten, als das Mercure Hotel Berlin Tempelhof Airport noch eigene Angestellte für diese Arbeit hatte, sind längst vorbei.  „Das machen Fremdfirmen“, erklärt Verkaufsleiterin Tanja Loerch, die auch stellvertretende Hoteldirektorin ist. „Nur die erste und zweite service_mercure hotel bln tempelhof airport_neuköllnHausdame gehören zu unseren rund 50 Mitarbeitern.“

rix-restaurant_mercure hotel bln tempelhof airport_neuköllnÖzkan Aladag, der Chef de Rang im Restaurant Rix, ist ebenfalls einer davon. Hier, in der 1. Etage des Hotels, nehmen die Gäste nicht nur das Frühstück ein. Um die Mittagszeit verwandelt sich der Saal in ein À la Carte-Restaurant. Der Crashkurs in Sachen Gastronomie-Service beginnt für die Jugendlichen mit dem Eindecken eines Tisches für ein 3-Gang-Menü. Wohin wird das Weinglas, wohin ein Wasserglas gestellt? Welcher Platz ist für den Dessertlöffel, gehört das Messer links teller chef de rang_mercure hotel bln tempelhof airport_neuköllnoder rechts neben den Teller? Das Servieren er- spart Aladag ihnen, vermittelt aber ein wenig theoretisches Wissen, das z. B. verhindert, dass der Ellbogen des Kellners den Gast erwischt. Beim Serviettenfalten sind die Schülerinnen profi_servietten falten_mercure hotel bln tempelhof airport_neuköllnund Schüler dann aber wie- der zum Mit- bzw. Nach- machen eingeladen. Bi- schofsmütze, Schmet- terling, Tafelspitz, Fächer schüler_servietten falten_mercure hotel bln tempelhof airport_neuköllnund andere Anschau- ungsobjekte stehen be- reit. Lernen würde man während der Ausbildung zum Restaurantfachmann diverse Varianten, später im Berufs- alltag komme aber meist nur noch ein Teil davon zum Einsatz. Bei der Premiere des Gastro-Origami zeigt sich, wer räumlich denken kann bankettbereich_mercure airport hotel berlin-tempelhof_neuköllnund als Bastler nicht ganz ungeübt ist. Der Chef de Rang nickt anerkennend.

Auch den Bankettleiter, der Herr über die 11 Ver- anstaltungsräume und -säle des Mercure Hotels ist, können die Jugendlichen positiv überraschen. Die Benennung der unterschiedlichen Bestuhlun- gen, die in den Räumen aufgebaut wurden, bereitet ihnen keinerlei Probleme. Der Kindlsaal ist bereits für ein Hochzeitsfest mit 250 Gästen festlich ein- gedeckt, mit Bankettbestuhlung. Was es koste, ihn zu mieten, erkundigt sich eine Schülerin, die davon träumt, später ihre eigene Hochzeit in einem solchen Ambiente zu feiern. Zwischen 25 und 40 Euro müsse man pro Person für Speis‘ und Trank veranschlagen, die Raummiete sei dann schon inklusive, erfährt sie. Der ungleich kleinere Raum mit dem Namen Neu- küchenchef_wraps_mercure hotel bln tempelhof airport_neuköllnkölln (r.) ist parlamen- tarisch bestuhlt, was auf eine Nutzung als Seminar- raum hindeutet.

Letzte Station des gut zweistündigen Rundgangs ist die Küche. Hier hat sich Küchenchef Thomas Engler bereits bestens auf die Ankunft der Schülergruppe vor- bereitet. „Wir machen gleich Wraps!“, kündigt er an, bevor er Eindrücke vermittelt, wie eine solche Hotel- küche funktioniert. Alle hören aufmerksam zu, obwohl niemand eine Koch-Ausbildung anpeilt. Die Mädchen beschäftigt überdies die Frage, ob denn lange Haare überhaupt unter die Kochmütze passen oder ob man schüler_wraps_mercure hotel bln tempelhof airport_neuköllnsich des Berufs zuliebe womöglich für eine kür- zere Frisur entscheiden müsse. Engler bestätigt, dass lange offene Haare in der Küche ebenso wie im Ser- vice aus hygienischen Gründen nicht erlaubt seien. Zum Friseur werde aber keiner geschickt, beruhigt er die Mädchen. „Und leben kann ich von meinem Gehalt auch gut“, reagiert er auf die hier ebenfalls wieder gestellte Frage nach dem Verdienst, während die Schülerinnen auswertungsbogen_mercure hotel bln tempelhof airport_neuköllnund Schüler ihre Wraps in Alufolie wickeln.

Zur Auswertung der Hotelführung und zum Ausfüllen der Erkundungsbögen geht es zurück in die Lobby. Außer zum Koch oder zur Köchin bilde das Haus zum Hotel- fachmann/-frau, Restaurantfachmann/-frau und zur Fachkraft im Gastgewerbe aus, tanja loerch_mercure hotel neuköllnerklärt Tanja Loerch (r.), deren Karriere in der Hotellerie vor 14 Jahren begann. „Wegen des Schichtdienstes“, sagt sie, „nehmen wir am liebsten Auszubildende, die schon volljährig sind. Kompetenzen wie Kommunikations- und Team- fähigkeit,  gute Umgangsformen, Belastbarkeit und Flexibilität sind ebenfalls wichtig.“ Hinsichtlich des Schulabschlusses müsse man zwischen den einzelnen Ausbildungsberufen unter- scheiden: Für Köche und Fachkräfte reiche ein befriedigendes Hauptschulzeugnis, ansonsten werde der Mittlere Schulab- schluss (MSA) erwartet. „Die Aussicht, nach der Ausbildung übernommen zu werden, ist bei uns übrigens gut“, lässt Loerch die Jugendlichen wissen. Zudem gebe es die mercure hotel berlin tempelhof airport_neuköllnMöglichkeit, innerhalb der Accor-Gruppe, zu der die Mercure Hotels gehören, auch international vermittelt zu werden.

„Wer sich bewerben will, kann das per Post, per Mail oder durch das persönliche Abgeben der Unterlagen tun“, motiviert Tanja Loerch die Schülerinnen und Schüler. Die Teilnahme an der heutigen Veranstaltung solle dabei unbedingt erwähnt werden, um das Interesse zu unterstreichen. Sie jedenfalls würde es begrüßen, wenn durch den Tag des offenen Unternehmens Kontakte zu künftigen Auszubildenden entstanden wären.

=ensa/kiezkieker=