Mit Ölfarben, Bleistift und einem Faible für deutsche Romantik

jennifer jennselSeit drei Jahren lebt und arbeitet die mexikanische Malerin Jennifer Jennsel in Neukölln. „Der Name“, sagt sie, „ist mein Künstlername.“ Da auch ihr Vater und ihre Schwester als Maler arbeiten, wolle sie so ihre Unabhängigkeit demonstrieren. Durch ihren Vater ist die Mittvierzigerin selber auch zum Malen gekommen. Noch heute sendet sie Photos ihrer bild jennifer jennselBilder in die Heimat, um von ihm eine fachliche Kritik zu erhalten. In- spiriert zum Malen hat sie aber auch die Liebe zur Natur: „Weil ich auf dem Land in Mexiko auf- gewachsen bin.“ Daher fließen besonders Blumen häufig in ihre Malerei ein.

Als Jennifer Jennsel im Alter von 24 Jahren mit ei- genen Werken an einer Ausstellung teilnehmen konnte, stand ihr Entschluss fest, die Malerei zum Beruf zu machen. Phantastische Malerei und Symbolismus, diesen beiden Stilrichtungen sind die Werke am besten zuzuordnen, die hauptsächlich mit Ölfarben oder Bleistift entstehen. „Mit dem Bleistift kann ich spontaner und intuitiver arbeiten, bei Ölfarbe ist das nicht in dem Ausmaß möglich“, erklärt sie. Deshalb habe beides einen eigenen Reiz.

Als ich sie frage, ob es nach drei Jahren Aufenthalt in Berlin auch schon deutsche Einflüsse in ihre Malerei gibt, erzählt sie lächelnd, dass sie sich bereits als Ju- gendliche intensiv mit der deutschen Romantik und dem Werk von Richard Wagner beschäftigt habe. Dann verweist sie mich auf ihre neueste Arbeit mit dem Titel „Rheintöcher“ aus dem Ring der Nibelungen und merkt an, dass ihre jennifer jennsel_bild das blut der erde„Rheintöchter“ jedoch einmal ein sehr mexikani- sches Aussehen haben werden.

Selbstverständlich sind mexikanische Themen Hauptbestandteile ihrer Werke, bei den Motiven geht es Jennifer Jennsel häufig um Frauen sowie den Gegensatz von Natur und Technik. Eines ihrer Anliegen sei es, darauf aufmerksam zu machen, dass nie die Natur und die menschlichen Gefühle vergessen werden sollen. Exemplarisch für den Ansatz steht ihr Bild mit dem Titel „La sangre de la tierra quema hasta el cielo“ (r., „Das Blut der Erde brennt bis zum Himmel“) aus dem Jahr 2012. „Die jennifer jennsel_bild das blut der erde - die geisterjunge Frau möchte den Geistern, die am oberen rechten Bild- rand erkennbar sind, ein Blumenopfer darbringen. Doch es gibt keinen Naturaltar für die Blumen mehr“, erklärt sie die Details. Mit phantastischen Maschinen jennifer jennsel_bild das blut der erde - maschinen und menschen ohne herzwurde die Erde aufgebohrt, von Menschen, in deren Körper das Herz fehlt. Diese starke Symbolik zeigt sehr deutlich die Intention der Künstlerin.

Weitere Symbole, die sich in den Bildern öfter wie- derfinden, sind Rüstungen, die Gefühle unterdrücken, Frauen und deren Bezug zu Blumen, Augen als Ausdruck der Seele sowie entblößte Brüste. Sie symbolisieren die Frau als Kämpferin, die aber nichtsdestotroz ihre Sensibilität behält. La Luna, der Mond, spielt ebenfalls eine Rolle. „Der zweite Vorname meines richtigen Namen bedeutet auf jennifer jennsel_willi büsingDeutsch ‚Mondgöttin'“, erzählt sie.

Jennifer Jennsel kann sich nicht allein mit ihrem Vater über ihre Bilder austauschen: Sie ist mit dem Maler Willi Büsing verheiratet, der schon seit über 20 Jahren jennifer jennsel_willi büsing_bild Ometeótlam Herrfurthplatz in Neu- kölln lebt und natürlich auch der Grund war, wes- halb sie nach Berlin gezogen ist. Bei gegenseitiger kollegialer Kritik bleibt es in der Künstlerehe jedoch nicht. Inzwischen sind vier gemeinsame Bilder entstanden. Das sei wie ein Kind, das man miteinander hat, be- schreibt Jennifer Jennsel die Arbeit.

vernissage jennifer jennsel_dat-galerie berlinNoch bis zum 7. Juni ist Jennifer Jennsels erste Einzelausstellung mit dem Titel „Bot- schaft der Illusion“ in der dat Galerie (Pesta- lozzistr. 105 in Charlottenburg) zu sehen.

=Reinhold Steinle=

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