„Tod in der Hasenheide“: Breschnows erster Fall

1_volkspark hasenheide_berlin-neukoellnEin gelungener Sonntag sieht anders aus. Auf ihrer Joggingstrecke stolpert Cosma Anderson im Tun- nel in der Hasenheide fast über eine Leiche. Und als wäre das nicht schon unangenehm genug, macht sie auch noch einen fatalen Fehler: Statt auf das „Bleiben Sie stehen!“ eines Polizisten zu reagieren, läuft die Journalistin davon. Weit kommt sie allerdings nicht, was zur Folge hat, dass der 5_volkspark hasenheide_berlin-neukoellnRückweg zu ihrer Wohnung am May- bachufer in Polizei- begleitung und nicht zu Fuß stattfindet. Stimmt Andersons Version und ist sie wirklich nur zufällig am Tatort gewesen? War sie vielleicht Zeugin des Mordes? Oder hat sie den Mann im Tunnel in der Hasenheide getötet? Als in der Küche der Mittdreißigerin auch noch ein blutiges Messer gefunden wird, das sich als Tatwaffe erweist, ist der Sonntag für Cosma Anderson vollends gelaufen. Sie wird mit einem Schock ins Haftkrankenhaus eingeliefert, und für Hauptkommissar Stefan 6_volkspark hasenheide_berlin-neukoellnBreschnow nebst seinem Team beginnt ein Fall voller Wahrscheinlichkeiten, nebulöser Querverbindungen und Verschwiegenem. Denn der Ermordete, ein auf Afghanis- tan-Einsätze spezialisierter Elite-Ausbilder bei der Bun- deswehr, war alles andere als beliebt.

„Das Erste, was es gab, waren ein erster Satz und die Idee, eine Kriminalgeschichte zu schreiben“, erinnert sich Connie Roters. 2008, meint die Neuköllnerin, habe sie mit der Arbeit am Manu- skript angefangen: „Meine Geschichten entwickeln sich immer so, dass mich die Figuren durch die Handlung führen.“ Die erste Protagonistin, die Charakterzüge, Ver- haltensweisen und eine Biografie bekam, war Cosma Anderson. „Kurz danach“, so Roters, „kam Hauptkommissar Breschnow, und der brauchte ein Team. Als mir klar 3_volkspark hasenheide_berlin-neukoellnwurde, dass der Text keine Kurzgeschichte werden würde, habe ich die Figuren sorgfältig geformt, ihnen eine Lebensgeschichte und ein privates Leben ge- geben.“ Die Intention, den Krimi zu veröffentlichen, sei damals aber noch nicht im Spiel gewesen.

Dass Connie Roters, die von sich selber sagt, dass 2_volkspark hasenheide_berlin-neukoellnsie Berufe liebt, gerne viele lernen wollte und zurzeit hauptberuflich als Sozialarbeiterin im Nachbarschafts- tod in der hasenheide_connie roters_emons verlagheim Neukölln tätig ist, nun mit „Tod in der Hasenhei- de“ als Krimiautorin debü- tiert, ist wohl in erster Linie ihrem Umfeld zu verdan- ken. Freunde und ihre Schreiblehrerin hätten sie „genervt“ und ihr geraten, nach einer Möglichkeit zur Veröffentlichung zu suchen, erzählt sie: „Da es mir nicht so wichtig war, war die Suche nach einer Literaturagentur ganz entspannt, und gleich beim zweiten Versuch habe ich einen Treffer gelandet, bei der Wortunion, die dann auch den Emons Verlag gefunden hat.“

Was folgte, war das, was Connie Roters rückblickend als Knochenjob bezeichnet: „Ich habe nach Feierabend und an den Wochenenden und im Urlaub geschrieben und nur noch wenig anderes getan.“ Natürlich habe die Arbeit an dem Buch, das es auf 352 Seiten bringt, „viel Spaß gemacht“, sie habe aber eben- polizeisiegel_berlin-neukoellnso  viel  Selbstdisziplin  und  Verzicht  bedeutet.

Entstanden ist ein komplexer, spannender Plot, der durch Perspektivwechsel sowohl das Denken und Han- deln von Cosma Anderson fokussiert, als auch den Alltag der Ermittler ausleuchtet. Da kaum eine Gelegen- heit ausgelassen wird, jeden aus dem Umfeld des Ermordeten irgendwie verdächtig erscheinen zu lassen, ist das Mitdenken der Leser bis zum Schluss gefordert. Als kleine Schwäche des Romans kann sicher gelten, dass die Autorin den Fall am Ende zwar schlüssig löst, 4_volkspark hasenheide_berlin-neukoellnim Detail aber nicht alle Fragen beantwortet. Eine Stärke ist indes – neben den authentischen Dialogen und Interaktionen sowie der sorgfältigen Recherche – die Anlage des gesamten Ermittler-Personals und die Erfindung von Hauptkommissar Breschnow.

„Mein Kommissar ist kein Sonnenkind, sondern eher ein schwermütiger, manchmal übellauniger Mann, der wenig  Privatleben hat, weil er auch gar nicht so richtig weiß, was er damit anfan- gen soll“, beschreibt Connie Roters ihn. „Die Polizeiarbeit ist sein Lebensmittelpunkt und manchmal auch das Schreiben natürlich, er ist ja Hobby-Lyriker.“ Ob gewisser Parallelen zum populären Anti-Helden des schwedischen Krimi-Stars Henning Man- kell, wurde Breschnow prompt mit dem Attribut „Der Berliner Wallander“ bedacht. „Das passt schon recht gut, aber mein landwehrkanal_maybachufer neukoellnBreschnow eben Breschnow und nicht Wallander und mein Stil ist Connie Roters und nicht Henning Mankell“, stellt die Autorin klar, die – wie Cosma Anderson – an einer Neuköllner Was- serstraße wohnt.  Den zweiten Breschnow-Krimi hat sie bereits bei ihrer Agentur abgeliefert, im Mai will sie mit ihrem dritten Buch beginnen.

Natürlich zählt auch Henning Mankell zu den Schrift- stellern, die Roters selber gerne liest. „Ich bin eine lei- denschaftliche Krimileserin“, verrät sie, „aber mein Lieb- lingsautor ist seit meinem 14. Lebensjahr Max Frisch, und mein Lieblingsbuch Frischs ‚Stiller‘.“

Die Buchpremiere von Connie Roters‘ Kriminalroman „Tod in der Hasen- heide“ findet am 24. April um 18 Uhr im Nachbarschaftsheim Neukölln (Schierker Straße 53) statt. Der Eintritt ist frei; um Anmeldung wird gebeten: c.roters[at]nbh-neukoelln.de

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