Wer, wie, was, warum oder weshalb nicht? Antworten auf Fragen zur Nutzung der kulturellen Angebote im Körnerpark

koernerpark neukoellnkörnerpark neuköllnDer Körnerpark ist beliebt. Nur: Warum und bei wem überhaupt? Weshalb und wie oft halten sich Anwohner in der grünen Oase zwi- schen Karl-Marx- und Hermann- straße auf? Was lockt Leute, die weiter entfernt wohnen, in den Park, der in einer ehemaligen Kiesgrube entstand? Ist der Kör- nerpark, dessen 100-jähriges Be- stehen im übernächsten Jahr mit einem Jubiläumsprogramm gefeiert werden soll, für die Besucher primär ein Nah- erholungsgebiet? Oder stellen Einrichtungen wie die in der Orangerie unterge- brachte Galerie und Konzertreihen wie „Sommer im Park“ einen nicht minder aus- geprägten Anreiz dar? Antworten auf derartige Fragen wollte der Fachbereich Kultur des Neuköllner Bezirksamts gewinnen: Eine Erhebung bei Körnerpark-Besuchern anna lena wollny_kreativraum körnerpark_neuköllnund -Anrainern gab sie. Kürzlich wurden die Ergebnisse im Beisein von Kulturamtsleiterin Dr. Katharina Bieler und deren Mitarbeiterin Bettina Busse vorgestellt.

Vor dem Beginn der explorativen, weil nie zuvor durchge- führten Umfrage habe sie neun Anwohner interviewt, erklärte Anna Lena Wollny (l.) ihre Vorgehensweise: „Auf Grundlage dieser Interviews wurden anschließend die Aspekte formu- liert, die per Fragebogen ermittelt werden sollten.“ Der Schwerpunkt lag dabei selbstverständlich qua Auftraggeber auf den anwohner-befragung körnerpark_neuköllnkulturellen Angebo- ten, die im Park angesiedelt sind. Doch auch um die grüne Oase selber ging es.

An zwei Orten im und rund um den Körnerpark wurden im letzten Sommer die Fragebögen ausgelegt, zusätzlich wurden sie bei sechs Veranstaltungen im Kiez verteilt. Ganze 140 kamen ausgefüllt zurück: Allein 90 davon waren in der Galerie im Körnerpark mitgenommen worden, keinen einzi- gen wurde das Vor-Ort-Büro des Quartiersmanagements (QM) Körnerpark los. Etwa die Hälfte der Fragebögen hatten 45- bis 64-Jährige ausgefüllt, ebenfalls diese Größenordnung nahm der Anteil der angestellt oder selbstständig Arbeitenden ein. „Leute unter 25 konnten wir nur selten zur Beteiligung an der Umfrage gewinnen“, musste Anna Lena Wollny zugeben. Bezüglich des Wohnorts gab ein Drittel der Be- körnerpark_neuköllnkörnerpark neuköllnfragten an, nicht im Kiez zu woh- nen oder keine Angaben ma- chen zu wollen; die anderen zwei Drittel wohnen seit mehr als 10 Jahren oder kürzer in der Nachbarschaft des Körnerparks.

Und der wird sehr unterschiedlich wahrgenommen. Viele der Befragten gaben an, den Park als gut gepflegt zu empfinden, andere wiederum nannten die Verschmutzung als Faktor, der die Aufenthaltsqualität mindert. „Ein Ärgernis insbesondere bei Angestellten und Rentnern ist“, so Wollny, „dass sich Besucher häufig nicht an Regeln halten.“ Dass diejenigen, die in den Brunnen plantschen oder auf dem Rasen Frisbee spielen, das eher als Vergnügen bewerten, vermag kaum zu überraschen. Bei der Erhebung dr. katharina bieler_kulturamt neukoellnwaren sie jedoch deutlich in der Minderheit.

Das galt auch für die, denen der Kreativraum im Körnerpark bekannt ist. Nur 59 der Befragten wuss- ten mit der vom Bezirksamt betriebenen Einrichtung am nördlichen Ende der Orangerie etwas anzu- fangen. Dass hier vorrangig Workshops für Schul- klassen angeboten werden, dürfte einer der Gründe sein. „Ab dem kommenden Winter wird eine Lese- reihe, die zu den Veranstaltungen der Stadtbiblio- thek gehört, im Kreativraum stattfinden“, kündigte Kulturamtsleiterin Katharina Bieler an. So solle nicht nur der Bekanntheitsgrad der Örtlichkeit gesteigert werden, sondern auch deren nachbarn-neighbours,galerie im körnerpark,neuköllnAuslastung an den Wochenenden und während der Ferien.

Über eine mangelnde Popularität nicht bzw. nur be- dingt beklagen kann sich indes die direkt nebenan liegende Galerie im Körnerpark, die mit ihren fünf Ausstellungen internationaler Künstler der Gegen- wart pro Jahr um die, so Bieler, 20.000 Besucher jährlich empfängt. „Befragte, die angaben, die Galerie im letzten Jahr sehr häufig besucht zu haben, leben größtenteils schon sehr lange im Körnerkiez oder kommen aus einem anderen Kiez“, fand die Umfrage heraus. Überrascht habe jedoch, dass Studierende nur zu den seltenen oder gar Nicht-Besuchern ge- hören – ebenso wie Arbeitsuchende. Angehörige beider Gruppen sind ebenfalls kaum oder nur unregelmäßig im Publikum der Konzertreihe „Sommer im Park“ zu finden, wie die Auswertung der Fragebögen ermittelte. Während Arbeitsuchende häufig angaben, die Events nicht zu kennen, kannten Studierende sie zwar, besuchten sie aber dennoch nicht. Alles in allem, so das Resümee, hätten die Konzerte jedoch besuchshindernisse_umfrage kultur körnerpark_neukölln„bei der Umfrage die höchste Anzahl von sehr häufigen Besuchern im ver- gangenen Jahr erreicht.“

Was aber hält potenziell Interessierte davon ab, den Körnerpark oder die dort stattfindenden Veranstaltungen zu be- suchen? Auch darüber gibt Anna Lena Wollnys Forschungsarbeit Aufschluss. Als Dreh- und Angelpunkt machten viele der Befragten Defizite bei der Bewer- bung der Ausstellungen und Konzerte aus. Während es für Anrainer noch relativ leicht sein sollte, sich mittels der Aushänge in den Schaukästen rund um den Park auf dem Laufenden zu halten, ist es für andere schon schwieriger. Virtuell ist das Neuköllner Kulturamt selber lediglich mit einer Homepage präsent, der Informationsfluss über soziale Netzwerke wird bislang komplett vernachlässigt. „Es scheint also ein Bedarf an verstärkter oder verbesserter Öffentlichkeitsarbeit allgemein und ggf. weiterhin über Kiezgrenzen hinweg zu beste- hen“, bettina busse_kulturamt neuköllnsetzt denn auch Wollny in der Auswertung dem bezirklichen Fachbereich auf die To-Do-Liste.

Bettina Busse (l.), Katharina Bielers engste Mitar- beiterin, sieht aber noch ein weiteres wichtiges Be- tätigungsfeld: „Ich möchte Kunst und Kultur mehr in den Alltag der Bewohner integrieren und wünsche mir mehr Dorfgefühl im Kiez.“ Dabei solle der Kör- nerpark zum Mittelpunkt und Dorfplatz des Viertels werden. Dass dies eine Gratwanderung ist, ist ihr bewusst. Einerseits gebe es durchaus den Wunsch nach mehr Kultur im Körnerpark, auf der anderen Seite aber stünden „Befürch- tungen, dass es zu rummelig werden“ und die akustische Zumutbarkeitsgrenze der direkten Anlieger in Gefahr geraten könnte. Davor warnte auch Quartiersmanager Uli Lautenschläger: „Noch vor Jahren war der Körnerpark eine vom Kiez getrennte Welt, und das ist jetzt immer noch ein Stück weit so.“ Trotz des Wandels, der auch in dieser Ecke Neuköllns seine Zeichen setzt.

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