„Wenn die Leute das Auto sehen, strahlen sie“: Schloss Britz nimmt Oldtimer-Touren ins Programm auf

ford a_schloss britz„Meine Idee war es gar nicht, sondern die von meiner inzwischen verstorbe- nen Frau“, das will Klaus-Peter Mahlo doch festgehalten wissen. Vor Jahren, als beide gemeinsam eine Veranstal- tung auf dem Gutshof am Schloss Britz besuchten, bemerkte Karin Mahlo, dass der Ford A aus der kleinen Oldtimer-Sammlung ihres Mannes perfekt zum Ambiente des Anwesens passen wür- de. „Seitdem“, sagt der 72-Jährige, „war es ihr Wunsch, das Auto einmal der Stiftung zu vermachen.“ Ende März wurde er wahr und der Schenkungsvertrag notariell be- klauspeter mahlo_ford a_schloss britz_neuköllnglaubigt.

Der Beginn des Pressegesprächs, zu dem die Stif- tung, die mit vollem Namen Kulturstiftung Schloss Britz heißt, anlässlich des Ereignisses geladen hatte, verzögert sich ein wenig. Mahlos blitzeblank gewiener- tes Schätzchen ist vor dem Portal des über 300 Jahre alten Herrenhauses geparkt und zieht die Blicke der Passanten auf sich. So sei das immer. „Wenn die Leute das Auto sehen, strahlen sie“, berichtet der Bauingenieur. Er muss nur von ihm sprechen, um zu strahlen.

Mehr als sechs Jahren gehörte der Ford A, der 1929 als erstes am Fließband produ- ziertes Auto in den USA gebaut wurde, zu Klaus-Peter Mahlos Fuhrpark. Einem Düs- seldorfer habe er es damals abgekauft und erstmal restauriert. Farbe, Polsterstoff, der so konstruierte Motor, dass er mit Hammer und Zange repariert werden kann: „Alles ist in den Originalzustand wiederhergestellt. Ersatzteile zu bekommen, ist über-

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haupt kein Problem. Das Internet macht’s möglich“, erzählt Mahlo stolz. Der Top- Zustand des Autos wiederum machte es ihm möglich, nicht nur an Oldtimer-Rallyes teilzunehmen, sondern mit dem Ford A auch über die Straßen Berlins zu knattern. „Um die 600 Kilometer jährlich“, weiß der Neuköllner, der seit Dezember 2001 für die ford a_klauspeter mahlo_schloss britz_neuköllnCDU in der Bezirksverordnetenversammlung sitzt, „sollte man ihn schon wegen des Motors bewe- gen.“ 70 Stundenkilometer schaffe der noch spie- lend, das Spitzentempo liege bei 95 km/h, der Spritverbrauch bei 12 bis 15 Litern Superbenzin: „Zusätzlich muss man immer ein paar Tropfen Blei-Ersatz zugeben.“

Heinz Buschkowsky, der Vorstand der Kulturstif- tung Schloss Britz ist, die dem Bezirksamt Neukölln angegliedert ist, lässt noch auf sonja kramer_klauspeter mahlo_schloss britz_neuköllnsich warten. Derweil erklärt Geschäftsführerin Sonja Kramer (l.), welche Pläne es für das Ge- schenk gibt: „Ab Juli wollen wir Oldtimer-Tou- ren mit Chauffeur mit ihm anbieten.“ So solle das Angebot der Kutschfahrten, die seit letztem Sommer in Britz starten und erfreulich gut fre- quentiert sind, ergänzt werden. Zudem werde man den Ford A in einer teilverglasten Remise gutshof britz_neuköllndes Gutshofs aus- stellen, um den „jährlich über 90.000 Besuchern die Ent- wicklung der Personenbeförderung von der Kutsche zum motorisierten Fahrzeug zu veranschaulichen.“ Dass dafür das Kutschenhaus baulich verlängert und die Finanzierung gestemmt werden muss, machte Mahlos Schenkung im Stiftungskuratorium nicht unumstritten.

Zwischen 20.000 und 30.000 Euro liege die Summe, die für den Bau der Garage veranschlagt ist, sagt Heinz Busch- kowsky: „Die Hälfte wird durch den Förderverein der Stif- tung getragen.“ Dass die andere Hälfte aus keinem anderen als dem Bezirkshaus- halt kommen dürfte, sagt er nicht. Schenkungen, die eine Gegenleistung erwarten, seien nichts Besonderes. „Es passiert nicht selten, dass die Kulturstiftung Schloss Britz testamentarisch mit einer Geldspende bedacht wird“, so Buschkowsky, „und im Gegenzug verpflichtet ist, für 25 Jahre die Grabpflege zu übernehmen.“ Die Mög- lichkeit, das Bemühen der Stiftung zu unterstützen, das Schloss und den Gutshof zu einer „kleinen Seite im Geschichtsbuch von Neukölln“ zu machen, seien vielfältig. „Wie wäre es mit einer kleinen Rundfahrt?“, bietet Klaus-Peter ford a_fulhamer allee_britz-neuköllnMahlo an. Heinz Buschkowsky lehnt dankend ab. Der Bür- germeister, der sich im Oldtimer oder in einer der Kutschen des Gutshofs Britz durch die Gegend fahren lässt, das werde es nicht geben, versichert er und verab- schiedet sich, um „dann mal wieder regie- ren zu gehen“.

Im Inneren des Zweitürers riecht es nach Benzin. „Das verfliegt schnell“, kündigt Mahlo an, während er den Motor startet. Das Auto setzt sich ruckelnd in Bewegung. Die kopfsteingepflasterte Straße vor dem Schloss verhilft zu einem authentischen Fahrgefühl in den 1930er Jahren; nach dem Abbiegen in die asphaltierte Parchimer Allee beginnt die 4-Zylinder-Maschine runder ford a-tour_schloss britz_neuköllnund etwas leiser zu laufen. Lächelnde Fußgänger zücken ihre Handys, um den Oldtimer zu fotografieren, andere Autofahrer halten einen gebührenden Abstand. „Die Stoßstange würde nach- geben, wenn jemand dagegen fahren würde. Das ist nicht so wie bei Neu- wagen, mit denen man dann gleich in die Werkstatt muss“, informiert Mah- lo. Auch der Sound der Ford A-Hupe unterscheidet sich erheblich von dem, den aktuelle Fabrikate von sich geben: Das lautknarzende Rasseln dürfte heutzutage von kaum jemandem als Warnsignal wahr- genommen werden.

Er habe übrigens schon immer eine enge Verbindung zum Schloss Britz gehabt, „schon früher, als es noch ein Kinderheim war“, erwähnt Klaus-Peter Mahlo. Die Idee mit der Schenkung hätte also auch von ihm kommen können.

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