Die Neuköllner und die Blauwale

lebensmittel-lagerung_real neuköllner tor_neukölln235 Euro wirft jeder in Deutschland pro Jahr in die Mülltonne, in Form von Lebensmitteln. Als Gewichts- einheit ausgedrückt sind es durchschnittlich 82 Kilo- gramm, was wiederum bedeutet, dass in Neukölln mit seinen etwa 311.000 Einwohnern jährlich die Menge an Lebensmitteln weggeschmissen wird, die dem Gewicht von 170 ausgewachsenen Blauwalen entspricht.

So darf es nicht weitergehen, fanden vier Azubis des real-Marktes im Neuköllner Tor und riefen gestern real,- neuköllner tor_neuköllnden Aktionstag „Zu schade zum Wegwerfen!“ in ihrem Ausbildungsbetrieb aus. „Wir wollen unsere Kunden für das Thema sensibilisieren, über die Ursachen und Fol- gen der Lebensmittelver- schwendung informieren und ihnen Tipps für die Bevor- ratung geben“, so Initiator Jens Robakowski, der die Laufbahn zum Handelsassis- tent eingeschlagen hat. Seine drei Kollegen dürfen sich nach erfolgreich absolvierter Prüfung  Kaufmann im Einzelhandel nennen.

Einer von ihnen ist Oktay Güncü. Der 23-Jährige steht neben einem Kühlschrank, der im Eingangsbereich des Supermarktes aufgestellt wurde. Wer will, darf hier vor- führen, welche Lebensmittel er im heimischen Kühlschrank wo deponiert. Hack- fleisch, Käse, Joghurt, Essensreste vom Vortag, Gemüse, Milch, Butter: Was muss der Haltbarkeit zuliebe oben, in der Mitte, unten, ganz unten oder in den Türfächern azubi-aktionstag lebensmittelverschwendung_real neuköllngelagert werden? Was gehört überhaupt nicht in den Kühlschrank? „Brot zum Beispiel“, informiert Oktay Güncü. „Das machen viele falsch.“ Überhaupt, findet er, tue etlichen Kun- den mehr oder weniger viel Nachhilfe bei der Lebensmittel-Lagerung gut. Der Auszubil- dende kann die in deutscher und türkischer Sprache leisten. „Die Leute begrüßen unsere Aktion und freuen sich über die Informatio- nen, die sie hier kriegen“, ist sein Eindruck.

Dass Obst und Gemüse fast die Hälfte der weggeworfenen Lebensmittel ausmachen, teilt er ihnen mit. Und – wie sich die Ver- schwendung von Ressourcen vermeiden lässt: Nicht in Eile und ohne Einkaufszettel einkaufen! Keine XXL-Packungen kaufen, wenn deren Inhalt das übersteigt, was benötigt wird. Wenn ein großer Teil davon im Müll landet, sei das vermeintliche Schnäppchen nämlich meist keines mehr. Essensreste nicht wegschmeißen, son- dern richtig lagern und am nächsten Tag verwerten! Das Wort Mindesthaltbarkeits- datum so verstehen, wie es gemeint ist! „Nur bei Fleisch und Wurst“, so Oktay Güncü, „gilt ‚Weg damit!‘, wenn es überschritten ist. Die meisten anderen Lebensmittel sind auch lange danach noch gut.“ Nicht mal der gewölbte Deckel eines Joghurt- oder Kefirbechers deute zwangsläufig darauf hin, dass das Produkt in den Müll gehört. Durch ansehen, riechen und schmecken lasse sich leicht heraus finden, ob es zu schade zum Wegwerfen oder ein Fall für den Berg der Lebensmittel ist, die Umwelt und Geldbeutel unnötig belasten.

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