Mahnendes Eingreifen, wo Menschenrechte verletzt sind

genezareth-kirche_neuköllnWenn alle anderen Möglichkeiten ausge-schöpft sind, ist er da: Vor über 30 Jahren nahm der ökumenische Verein Asyl in der Kirche, zunächst als Initiative, seine Arbeit auf und richtete das bundesweit erste Kirchenasyl in der Berliner Heilig-Kreuz-Kirche ein. Seitdem ist er für Menschen, die ihre Heimatländer verließen, als Flücht- linge nach Deutschland kamen, das Asyl- bewerber-Verfahren durchliefen, nicht aner- kannt wurden und nun abgeschoben wer- den sollen, die letzte Hoffnung. Ein Licht- blick in der dunklen Gegenwart, die eine noch finsterere Zukunft befürchten lässt.

Derzeit nehmen acht Gemeinden in Berlin Menschen ins Kirchenasyl auf. „Aktuell betreuen wir 14 Personen, darunter zwei Familien“, berichtete Peter Becker vom Vorstand des Asyl in der Kirche e. V. Berlin letzten Sonntag in der Genezareth-Kirche bei einem Benefizkonzert für den Verein. Initiiert wurde es von der Neuköllner Ge- meinde sowie der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft mbH, die ihr peter becker_kirchenasyl berlin_genezareth-kirche neuköllnsoziales Engagement nicht nur durch das Be- treiben des Sinti- und Roma-Wohnprojekts Arnold-Fortuin-Haus in Neukölln demonstriert, sondern auch zu den Unterstützern bei der Unterbringung von Flüchtlingen zählt.

Was aber bedeutet Kirchenasyl für die Men- schen, denen Zuflucht geboten wird, und für die Gemeinden, die die Finanzierung der Hilfeleis- tung einzig durch Spenden bewältigen, wie Peter Becker betont? Das wichtigste Kriterium ist, dass keine Duldung oder Aufenthalts- genehmigung mehr besteht und eine unmittelbare Abschiebung droht, die wiederum Gefahr für Leib und Leben oder Menschenrechtsverletzungen zur Folge hätte. „Kirchenasyl ist ein aktiver Einsatz für Flüchtlinge“, erklärt Becker, „der das Beher- bergen, die Versorgung mit Lebensmitteln und eine seelsorgerische Unterstützung ebenso umfasst wie die juristische Betreuung.“ Letztere führt dazu, dass durch Härtefallanträge oder Petitionen rechtliche Verfahren neu aufgerollt werden. Bes- tenfalls steht am Ende, dass die Abschiebungsandrohung revidiert und eine Duldung oder Anerkennung ausgesprochen wird, so dass die Flüchtlinge wieder in Woh- nungen oder öffentliche Unterkünfte zurückkehren können. „In vielen Fällen“, so der Verein, „gelingt es nachzuweisen, dass Entscheidungen von Behörden überprü- fungsbedürftig sind und ein neues Asylverfahren erfolgversprechend ist.“ Schlechtes- tenfalls enden die Bemühungen damit, dass kein legaler Aufenthaltsstatus erlangt wird und die Abschiebungsandrohung wieder in Kraft tritt.

Beide Prozessausgänge heißen für die Gemeinde, die Kirchenasyl gewährte, dass sie aus ihrer Verantwortung entlassen ist. Bis es soweit ist, können Wochen, aber auch viele Monate vergehen. Darauf müssen sich nicht nur die Gemeinden ein- stellen, die Schutz und einen Schutzort bieten, sondern auch die so lange in Pfarrhäusern, Gemeindezentren oder Gästewohnungen untergebrachten Flüchtlinge. duo laro_kirchenasyl-benefizkonzert_genezareth-kirche neuköllnZusätzlich, so Peter Becker, könne seit Kur- zem auch eine vom Asyl in der Kirche e. V. Berlin angemietete Wohnung für Notfälle genutzt werden.

Etwa 50 Besucher fanden sich beim Kon- zert des Tenors Lasse Siefert und des Gitarristen Robbert Vermeulen, die zusam- men als Duo duo laro_genezareth-kirche_neuköllnLaró auftreten, ein. „Sie signalisieren: Das Wohl der Menschen geht uns etwas an!“, begrüßte Pfarrerin Elisabeth Kruse das Publikum, bevor sie den jungen Musikern den Raum vor dem Altar als Bühne überließ. Nach einem über einstündigen, begeisternden Konzert mit Werken von Mauro Giuliani bis Franz Schubert und zwei Zugaben füllten sich die Spenden- körbe für die Arbeit von Asyl in der Kirche zusehends.

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