Unter Hipstern: Mit Uli Hannemann zu den Kreuzköllnern

Ich hatte ja ein bisschen gehofft, denjenigen bei der Buchpräsentation von Uli Hannemanns erstem Roman „Hipster wird’s nicht“ zu treffen, der mich Neuköllnerin uli hannemann_heimathafen neuköllnauf diesen Autor gebracht hat: ein Kreuz- berger mit Geschmack und der gleichen Vorliebe für Hipster-Lästereien. Das Publi- kum vorgestern Abend im Heimathafen Neukölln sah auch irgendwie nach Kreuz- berg aus – ab 30 aufwärts und mehr oder weni- ger intellektuell wirkend. Nicht ein Hipster in Sicht. Für mich ein guter Start in den Abend.

Es wurde so voll im Saal, dass den begeisterten Zuhörern sogar die Ränge geöffnet wurden. Immer wieder lachend und klatschend, lauschten wir alle der Geschichte von dem Mittvierziger Thomas, der in einer Startup-Hipster-WG in der Weserstraße mit altem Müll neue Trends kreieren will und irgendwie selbst zu einem der von ihm belächelten Hipster metamorphisiert. Ich musste ein bisschen an „Die Verwandlung“ elis c. bihn_heimathafen neuköllnvon Franz Kafka denken.

In den Lesepausen gab Elis C. Bihn, ein Freund von Uli Hannemann, selbstgeschriebene Lieder mit Gitar- re zum Besten. Sie waren nicht nur passend zum Gelesenen, sondern vor allem ebenfalls zum Brüllen komisch. Ein für mich wirklich guter Sänger, der den Abend perfekt machte.

„Wer Kreuzkölln sagt, trägt auch rosa Schlüpfer“ war eines meiner Lieblingzitate des Abends aus dem Buch. Und die meines Erachtens wirklich realisti- sche Erkennung und Wiedergabe der Hipster-Szene hat nicht nur mich sehr begeistert. Endlich sieht das mal noch jemand und sagt bzw. schreibt auch, was hier los ist. Das Buch „Hipster wird´s nicht“ will ich jetzt auf jeden Fall lesen und gern noch viel mehr von Elis C. Bihn hören.

Leider war mein Kreuzberger nicht zu sehen, der ein Danke für den damaligen Hin- weis auf Uli Hannemann verdient gehabt hätte. Seine Mailadresse hab ich dum- hannemann_hipster wirds nicht_berlinverlagmerweise verbummelt.

Mit „Hipster wird’s nicht“ ist der Neuköllner Autor Uli Hannemann erstmals von der Kurz(geschich- ten)-Distanz auf die Langstrecke gewechselt. Heraus kam ein Episodenroman um Thomas, einen verglühten Star der Berliner Poetry Slam- Szene, der von seiner Freundin und Sponsorin Annabel vor die Tür gesetzt wird, kurz darauf die 20 Jahre jüngere Franziska kennen lernt und die Couch ihrer Hipster-WG in Kreuzkölln beziehen darf. Mit Neukölln konnte der blasierte, kauzige Klischee-Kreuzberger schon nichts anfangen, mit Kreuzkölln und der Szene, die sich dort breit- gemacht hat, aber noch viel weniger. Und dann muss er auch noch ob dramatischer Geldsorgen einen Job als Tresenkraft in einer ehemaligen Prollkneipe annehmen, die zur angesagten Hipster-Bar mutierte. Als die von Gentrifizierungsgegnern überfallen wird, wird es für den pseudolinken Dino- saurier inmitten des coolen Jungvolks ungemütlich  …
Hannemann glänzt auch in seinem Neuköllnroman wieder mit einer über- zeugenden Beobachtungsgabe, witzigen Metaphern und pointiert ge- zeichneten Charakteren. Anders als Kafka in „Die Verwandlung“ bedient er sich aber nicht der personalen Erzählperspektive, sondern lässt seinen Protagonisten als Ich-Erzähler durch die Handlung gondeln. Die Nähe, die er damit zu Thomas und seiner Sicht auf die Welt und das Leben schafft, ist durch das Stilmittel unvermeidbar und gewollt – aber auch ziemlich an- strengend. Nach 320 Seiten kann man so glatt vor der Frage stehen, ob aus der Zeit gefallene, das Wort „Scheiß(e)“ inflationär benutzende Alt-Kreuz- berger wie Thomas oder hippe Neu-Kreuzköllner wie Franziska die sym- pathischere,  sozialkompatiblere Spezies sind. ……………………… =ensa=

Der Berlin Verlag hat uns ein Exemplar von Uli Hannemanns Debüt-Roman „Hipster wird’s nicht“ für eine Verlosung überlassen. Wer es gewinnen will, facettenschicke eine Mail mit der Antwort auf folgende Frage an: Welcher Neuköllner Kiez wird auch „Kreuzkölln“ ge- nannt?
Einsendeschluss ist am 27. März um 23:59 Uhr. Gehen mehrere Mails mit der richtigen Antwort ein, wird der/die Gewinner/in ausgelost.

Update/29.3.2014: Die richtige Antwort lautete „Reuterkiez“! Eine Glücksfee hat inzwischen den Gewinner unter vielen, die es werden wollten, ermittelt.

=Anna Sinnlos=

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