Neue Pläne für einen ehemaligen Neuköllner Supermarkt

Es muss nur knapp 12 Jahre zurückgedacht werden: Damals war die Adresse Böhmische Straße 53/54 eine, die jeder kannte, der in der Gegend um RuT-Frauenwohnprojekt_neuköllnden Neuköll- ner Richardplatz wohnte. Im Edeka-Ge- schäft von Thomas Höppner, der im Erd- geschoss des Gebäudes war, bekam man das, was es im Discounter gegenüber ei- ner Post-Filiale am Ende der Straße nicht gab. Am 30. April 2002 schloss Höppner den Markt in der angestammten Adresse und zog mit ihm in die Braunschweiger Straße um. Die Immobilie in der Böhmi- schen Straße versank danach für die An- wohner des Kiezes in der Bedeutungslosigkeit. So soll es aber nicht bleiben. „Das Grundstück ist optimal für unsere Zwecke“, sagt Kirsten Schaper, die schon sehr genaue Vorstellungen für dessen Zukunft hat.

Die Fläche des alten Supermarkts, die zuletzt von einem Großhändler für Indus- triebedarf und Betriebseinrichtungen genutzt wurde, soll zur neuen Heimat des soziokulturellen Frauenzentrums RuT mit seinen vielfältigen Kultur-, Begegnungs- und Beratungsangeboten sowie einem Kiezcafé werden. „Außerdem wollen wir das regal rehman_neuköllnGebäude aufstocken und im Hof durch einen Neu- bau erweitern“, erzählt sie. Eine Nutzfläche von rund 4.700 Quadratmetern werde so entstehen: Platz für etwa 50 Wohnungen von 40 bis 70 Qua- dratmeter, zwei Pflege-WGs, Gemeinschaftsräu- me und einen öffentlichen Bereich. Darüber hinaus gehöre ein Gemeinschaftsgarten zum Kon- zept des RuT-Frauenwohnprojekts auf dem 3.500 Quadratmeter großen Grundstück.

Lange hatte Projektleiterin Kirsten Schaper nach einem geeigneten Terrain gesucht. Eine gute ÖPNV-Anbindung sollte es haben und möglichst in Neukölln liegen. „Schon weil wir hier im Bezirk in funktionierende Netzwerke ein- gebunden sind, die wir uns woanders erst mühsam aufbauen müssten“, verdeutlicht sie. „Außerdem ist eine Übergangsphase, in der unsere beiden Locations parallel bestehen, dann leichter zu handhaben.“ Die Suche nach einem Objekt über den Liegenschaftsfonds Berlin war jedoch erfolglos. Erst mit dem Kontakt zum Pri- vateigentümer des Anwesens Böhmische Straße 53/54 konnte ein trittfestes Funda- ment für die weiteren Schritte gegossen werden: „Er steht dem Projekt sehr auf- geschlossen gegenüber und hat uns eine Option bis zum Juni für den Grund- stückskauf eingeräumt.“

11 Millionen Euro sind als Investitionssumme für Berlins erstes generationen- übergreifendes, barrierefreies und gemeinschaftliches Frauenwohnprojekt veran- schlagt. Ein Klacks für den Unternehmer und Fußballfunktionär Uli Hoeneß, ein dicker Brocken für die Neuköllner Frauen- und Lesbeninitiative. „Wir sind jetzt mit Hochdruck dabei, Fördergelder und Lottomittel zu beantragen und Investor/innen zu gewinnen“, berichtet die Projektleiterin. Ein paar Wohnungen zum Quadratmeter-Miet- preis von neun Euro seien auch noch zu haben. Wenn alles wie erhofft läuft, soll Ende 2016 in der Böhmischen Straße die Eröffnung gefeiert werden. „Wenn wir es jetzt nicht schaffen, es zu stemmen“, ist Kirsten Schaper sicher, „wird es auf absehbare Zeit kein Frauenwohnprojekt dieser Art in Berlin geben.“

Am 14. März lädt das RuT (Schillerpromenade 1) um 18 Uhr zu einer Infor- mationsveranstaltung über das Frauenwohnprojekt ein, bei der Fragen zum Bewerbungsverfahren, zur Finanzierung und zur Bauplanung beant- wortet werden.

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