Prädikat „beispielhaft“: EU-Sozialkommissar László Andor zu Besuch bei Roma-Integrationsprojekten in Neukölln

arnold-fortuin-haus_hans-fallada-schule_neuköllnDas Neuköllner Arnold-Fortuin-Haus und die benachbarte Hans-Fallada-Schule sind wegen ihrer guten Zusammenarbeit als erfolgreiches kommunales Integrations- projekt für Roma weit über die Grenzen Berlins bekannt. Freitag informierte sich EU-Sozialkommissar László Andor, beglei- tet von Staatssekretären von Bund und Land sowie Bezirksstadträtin Dr. Franziska Giffey, an Ort und Stelle über das vorbild- liche Praxisbeispiel in der Harzer Straße. Aktueller Anlass des Besuches: Mit der vollen Freizügigkeit für Rumänen und Bulgaren, die seit Jahresbeginn gilt, ist die Situation der Roma in rund 20 deutschen Städten, darunter auch Berlin, wieder ins lernwerkstatt explorarium_hans-fallada-schule_neuköllnLicht der Öffentlichkeit gerückt.

„The kids are on holiday“, entschuldigte sich Schulleiter Carsten Paeprer  scherz- haft bei seinen internationalen Gästen, die die Lernwerkstatt eXplorarium der Hans- Fallada-Schule gründlich begutachteten und mit Lehrerinnen und Erzieherinnen ins Gespräch kamen. Vergeblich suchten sie nur nach den Jüngsten, für die Stunden zuvor die Winterferien begonnen hatten. Normalerweise begegnen sich hier haupt- sächlich Kinder aus ursprünglich türkischen, arabischen, polnischen, rumänischen oder bulgarischen Familien. 380 von 420 Kindern werden in der Statistik als Kinder nichtdeutscher Herkunft geführt. Konrektorin Rita Heiming charakterisiert das eXplo- rarium als einen „Ort der praktischen Begegnung, wo die Kinder gegenseitige Vorurteile abbauen, indem sie sich ohne viele Worte kennen, akzeptieren und verstehen lernen“. Bekannt ist die Hans-Fallada-Schule jedoch für ihr besonderes Engagement bei der Sprachförderung für Roma-Kinder: Rumänischsprachige Lehr- kräfte, Erzieherinnen und Sozialarbeiterinnen unterstützen die Kinder beim Sprach- erwerb intensiv. Als sogenannte Lernwegbegleiterinnen helfen sie  solange, bis jede Schülerin und jeder Schüler dem Unterricht  in der Klasse auf Deutsch selbstständig folgen kann. Zusätzlich sind die rumänischsprachigen Lehrkräfte als Sprach- und aspe_arnold-fortuin-haus neuköllnKulturmittler im Team der Schule eine Un- terstützung für die so wichtige Elternarbeit.

„Die drei Bereiche Bildung, Gesundheit und Wohnen sind die wichtigsten Handlungs- felder, in denen unmittelbarer Bedarf an Maßnahmen und Ressourcen besteht. Die- se Herausforderungen können die Kom- munen nicht allein bewältigen, hier benö- tigen wir Unterstützung vom Bund und der EU“, hob Bezirksstadträtin Franziska Giffey hervor. Sozialkommissar László Andor würdigte ausdrücklich die besonderen An- strengungen Berlins zur Integration der Roma. Neukölln sei ein gutes Beispiel, das im erfreulichen Gegensatz zur katastrophalen Wohnsituation der Roma in Sofia, Bukarest sowie in manchen Städten Ungarns und Tschechiens stehe. Das Recht aller EU-Bürger auf Freizügigkeit bezeichnete der Sozialkommissar allerdings als „nicht verhandelbar“. Eine verstärkte Wanderung aus Rumänien und Bulgarien nach Deutschland kann er seit dem Wegfall der Freizügigkeitsbeschränkungen nicht er- kennen.

Im zweiten Teil seines Neukölln-Besuches besichtigte Andor das direkt neben der Schule gelegene Arnold-Fortuin-Haus. Projektleiter Benjamin Marx von der Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft mbH, einem katholischen Wohnungs- unternehmen, hielt seine gerhard baer_48 stunden neukölln 2013Rede in einem kleinen Raum, in dem ein riesengroßes rotes Herz von der Decke hängt. Er initiierte Kauf, Sanierung und Projektentwicklung des Gebäudekomplexes durch das Unter-nehmen. Das Herz wurde 2013 von Ger- hard Bär gemeinsam mit Bewohnern als Kunstobjekt für das Festival 48 Stunden Neukölln gestaltet: „Bitte denken Sie immer daran, dass das Wort Roma rückwärts- gelesen Amor heißt“. Gute Bildung und menschenwürdiges Wohnen gehören für Benjamin Marx zusammen: „Niemand, der in katastrophalen Verhältnissen lebt, kann richtig lernen.“ Den Gegensatz zwischen Rumänien und Deutschland will er „in beide Richtungen konstruktiv überbrücken“. Erstens werden mit dem rumänischen Dorf Fantanele, aus dem viele Bewohner des Arnold-Fortuin-Hauses stammen, wei- terhin gute Kontakte gepflegt. Zweitens sollen die sozialen Angeboten von Caritas und AspE e. V. im Haus an der Ecke Treptower Straße für die Nachbarschaft weiter geöffnet werden. Eines dieser Angebote für den Harzerkiez ist die Offene Mutter-Kind- Gruppe AlleSamt, die zuletzt auf dem Besuchsprogramm von László Andor stand.

=Christian Kölling=

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