Mode mit Herzblut im Heimathafen Neukölln

heimathafen neuköllnHerzblut-Messe, das klingt nicht gerade nach Mode und Accessoires. Doch es ist genau das, was Fachbesucher seit gestern bei der Herzblut-Messe im Heimathafen Neuherzblut-messe berlin_heimathafen neuköllnkölln zu sehen bekom- men.

Knapp zwei Dut- zend Labels ha- ben ihre Stände im Theatersaal an der Karl-Marx-Straße bestückt. „Weiberstyle hat kurzfristig absagen müssen, an dem Stand ist nun Redcat 7. Außerdem haben wir noch zwei Last-Minute-Stände an Taschendesigner vergeben können“, informiert Joachim Scheffler, der zusammen mit Manuela Moik die Fachmesse für Marken mit Herzblut veranstaltet. Bei der letzten Berlin Fashion Week hatte sie ihre Premiere – in einer Kirche im Bezirk Pan- kow. Das sei auch eine großartige Location gewesen, aber sie habe sich eben doch als zu abgelegen erwiesen. chenaski_herzblut-messe berlin_heimathafen neuköllnHier in Neu- kölln passe nun alles zusammen.

Peter Scholten ist mit seinem Label Che- naski, dessen Name von der Bukowski-Romanfigur Chinaski abgeleitet wurde, zum zweiten Mal dabei. Seit 1998 designt der Ex-Musiker und Ex-Tätowierer Hem- den für Männer, die Farben und Muster mögen. Die Inspiration für seine Teile, die trotz kleiner Serien zu äußerst bezahlbaren Preisen produziert werden, holt sich Scholten aus der Mode vergangener Jahrzehnte. Viele Bands würden Chenaski-Hem- den als Bühnen-Outfits tragen, erzählt er. Inzwischen hat der Designer seine Palette auch durch eine so bunte wie alltagstaugliche Basics-Kollektion für Frauen erwei- tert, die sogar einige Accessoires umfasst. Die Herzblut-Messe, findet Scholten, sei einfach das perfekte Umfeld für seine mit Herzblut entstehenden Kreationen: „In keine der anderen Messen der Fashion Week passen meine Sachen so richtig rein.“ Die Bedingungen, die beim Streetwear-Segment Bread&Butter gestellt werden, kön- ne er nicht erfüllen, und „für die Premium sind meine Klamotten, die im Laden maxi- mal 50 Euro kosten, viel zu billig.“

Es sind vor allem kleine Labels, die sich im Heimathafen Neukölln präsentieren. Für die meisten ist es ein Heimspiel, weil sie ihre Ateliers und Läden in Berlin haben und hier ihre Kollektionen produzieren, die sich  durch Individualität, Qualität und Authen-

BUGIS (www.bug.is),

BUGIS (oben links), LESVAR accessoires (oben rechts), FEINE HÜTE (Mitte links), BERLINESK (Mitte rechts), KALIBER (unten links), CIAOBOBBY (unten rechts)

zität auszeichnen. „Es sind“, so die Veranstalter, „innovative Marken, die mit Herzblut elegante Designs und experimentierfreudige Outfits von Vintage bis Avantgarde für redcat7_herzblut-messe berlin_heimathafen neuköllnmodebewusste Szenegänger und Großstadtre- bellen entwerfen.“

Die Designerin Sammy the Scissor schafft den Spagat über verschiedene Modestile mit ihrem Label Redcat 7 ganz alleine. Mit Burlesque Wear fing es bei ihr an, nach und nach kamen eine Fashion- und eine Hot Rod-Linie hinzu. Für erstere interpretiert sie Mode der 1930er- und 40er-Jahre – von der Knickerbocker, über elegan- te Blusen und Röcke bis hin zu Kleidern – durch das Spiel mit Materialien neu. Für letztere ließ sie sich von den derben Overalls damaliger Renn- fahrer inspirieren und entwickelte zusammen mit dem Autohersteller Audi eine Kollektion, die den unverwüstlichen Arbeitsanzug von einst zum vielseitig trag- und kombinierbaren diff store_herzblut-messe berlin_heimathafen neuköllnKleidungsstück der Gegenwart macht.

Um ein Crossover textiler Art geht es auch am Stand von diffstore. Anders als bei den anderen Ausstellern der Herzblut-Messe ist es aber hier so, dass die Vielfalt nicht der Kreativität eines einzelnen Designers ent- springt. Stattdessen wird der stilistische Mix durch mehrere Labels bestimmt, die zu diffstore beitragen. Mitte 2012 gründete Isabell Schmidtke die Online-Fashion-Lounge, um „für junge Designer paulina carrera_herzblut-messe berlin_heimathafen neuköllneine Plattform zu schaffen, die Mode abseits von Trends und Mainstream kreieren.“ Die Verarbeitung ökologisch verträglicher Materialien sowie die Einhaltung fairer Produktionsbedingungen sind weitere Kriterien, auf die die Berlinerin bei der Vergabe der Eintrittskarten zum diffstore achtet. Mit der Kollektion von Florentine Krieß, Schuhdesign von Paulina Carrera, in Indien hergestellten Oberteilen von Ju.St.Ellora designs und den weiblich-weichen Merino-Basics von jerino präsentiert Schmidtke gleich vier Designerinnen, die Mode mit Herzblut machen, auf nur wenigen Quadratmetern.

Heute Abend endet die Herzblut-Messe. „Wir sind hochzufrieden mit den Ausstellern und der Location“, schwärmen die Veranstalter. „Deshalb haben wir den Heimathafen Neukölln auch schon für die nächste Fashion Week vorreserviert.“

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