Es war einmal …

Wer montags, dienstags, mittwochs oder freitags zum Kranoldplatz kommt, hat definitiv den falschen Zeitpunkt erwischt. Nur donnerstags und samstags wird der Platz im Neuköllner Ortsteil Neubritz zum Wochenmarkt. Das besagt zumindest das wochenmarkt kranoldplatz_neuköllnSchild, das am westlichen Ende des Kra- noldplatzes steht und darauf hinweist, dass der Verkauf an beiden Tagen zwischen 10 und 16 Uhr stattfindet.

Eines schönen Samstags mitten im Zeit- fenster: Gähnende Leere auf dem Kranold- platz, keine Spur von Markthändlern, die ih- re Waren verkaufen, und Kunden, die von Stand zu Stand flanieren und sich mit Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln aus der Region eindecken wollen. Eine Nach- frage beim im Viertel aktiven Stadtteilverein proNeubritz e. V. führt weit in die Ver- gangenheit zurück: Vor mehr als zwei Jahrzehnten habe der Wochenmarkt auf dem Kranoldplatz seine Blütezeit erlebt und sich bis in die Seitenstraßen erstreckt. „2004 war der Markt dann auf eine Imbissbude, Blumen und einen Gemüsestand aus dem Spreewald geschrumpft.“

Offiziell sei der Wochenmarkt auf dem Kranoldplatz, für den das Bezirksamt als Marktbetreiberin die B.Wo.B. Betriebsgesellschaft von Wochenmärkten GmbH Berlin beauftragt hatte, bis Ende 2004 als Markt festgesetzt gewesen, erklärt Clemens Mücke von der Neuköllner Wirtschaftsförderung auf Anfrage: „Allerdings war die Besucherfrequenz am Ende so gering, dass zuletzt nur noch ein Imbisswagen auf dem Platz vertreten war.“

Folglich steht die Hinweistafel seit nunmehr neun Jahren vollkommen nutzlos und irreführend auf dem Kranoldplatz. Es war einmal ein Wochenmarkt, und wenn er nicht gestorben wäre, dann lebte er noch heute.

=ensa=