Warmer Regen für 44 Neuköllner Schulen

auftakt-va bonusprogramm brennpunktschulen neuköllnVorgestern Mittag in der Aula des Neuköll- ner Albert-Schweitzer-Gymnasiums: Fron- talunterricht für alle Rektoren und Lehrer der Bildungsinstitute des Bezirks, die sich über das neu vom Berliner Senat aufge- legte Bonus-Programm zur Unterstützung von Schulen in schwieriger Lage infor- mieren wollen. Über 200 öffentliche Schu- len der Hauptstadt sind es, die die Kriterien erfüllen, um sich mit unter den 15 Mil- lionen Euro warmen Regen stellen zu dürfen, den das Programm ab 2014 jährlich über Berlin ausschüttet – 44 liegen in Neukölln. Damit ist der Bezirk Spitzenreiter: auftakt-va bonus-programm brennpunktschulen neuköllnKein anderer hat mehr Schulen, in denen die Quote der Schüler, die von der Zuzahlung für Lernmittel befreit sind, über 50 Prozent  liegt, und eben das ist Voraussetzung für die Teilnahme an der neuen För- bzbm heinz buschkowsky_auftakt bonus-programm brennpunktschulen neuköllndermaßnahme.

Bonus-Programm – schon allein diese Bezeichnung bringt Bezirks- bürgermeister Buschkowsky in Rage. Ursprüng- lich, beginnt er seine Rede, sei von einem „Son- derprogramm für Schulen in Brennpunktkiezen“ die Rede gewesen, dieser Begriff aber habe nun „eine Weichspülung und Verniedlichungsstra- tegie durchlaufen“, die der Politik des Senats nicht helfe. „Solange es so ist, dass Problem- lagen dort nicht anerkannt werden, werden wir nicht gegensteuern können“, echauffierte sich Heinz Buschkowsky. Die Brennpunkt- schulen müssten stark gemacht werden, fuhr er fort, weil „die Zukunft unserer Gesellschaft da liegt, wo heute Menschen Probleme haben, ihren Weg in die Ge- sellschaft zu finden.“ Das neue Förderprogramm müsse der Anfang einer Entwick- schulstadträtin dr. franziska giffey_auftakt bonus-programm brennpunktschulen neuköllnlung in diese Richtung sein, aber „die Ziele sind noch weit weg“, prognostizierte der Bezirksbür- germeister.

Mit dem Groll über Begrifflichkeiten hielt sich Dr. Franziska Giffey gar nicht erst auf. Dass das Programm ins Leben gerufen wurde, beweise, dass auf Landesebene endlich das jahrelange Hinweisen auf die speziellen Herausforderun- gen an vielen Neuköllner Schulen gefruchtet habe. „Es ist an der Zeit, dass es endlich etwas gibt, um neue Dinge anzuschieben“, unterstrich die Schulstadträtin. Zwischen 50.000 und 100.000 Euro pro Jahr kann eine Schule beim Senat beantragen. Wofür sie das Geld einsetzt, ob für Lehrerfortbildungen, eine Schulstation, Projekte zur Demokratie-Erziehung oder gegen Schuldistanziertheit oder für zusätzliche Sozialarbeiter, könne jede Schule selber nach eigenen Bedürfnissen entscheiden, kündigt Giffey an: „Ich sage bestimmt nicht, dass wir in zwei Jahren keine Schulschwänzer mehr haben, aber ich jugendstadtrat falko liecke_auftakt bonus-programm brennpunktschulen neuköllnbin überzeugt, dass wir uns mit dem Bonus-Programm auf den Weg machen, den Tanker rumzureißen.“

Das wünscht sich auch der Neuköllner Jugendstadtrat, dessen Ressort bei dieser neuen Fördermaßnahme des Senats Kooperationspartner der Abteilung Bildung und Schule ist. Qua seines Amtes habe er eine etwas andere Sicht auf die Dinge, hielt Falko Liecke (r.) fest und unterstrich: „Wir müssen uns schon ab der Geburt meinhard jacobs_auftakt bonus-programm brennpunktschulen neuköllnum die Kinder kümmern.“ Nur durch eine geschlos- sene Kette von Betreuungs- angeboten sei es zu schaffen, dass künftig Probleme in der Schulzeit gar nicht erst entstehen.

Gegenwärtig sind die jedoch vorhanden und müssten gelöst werden, um die „Chancen der Schüler im Bezirk zu verbessern“, konstatierte Meinhard Jacobs (l.), der Referatsleiter der Neuköllner Schulaufsicht, bevor er Buschkowskys deutlichen Worten dankte. Die Mittel des Bonus-Programms, betonte er, seien zusätzliche Mittel, die keinesfalls bereits bestehende Förderprogramme ersetzen würden und „so unbürokratisch wie möglich“ verwendet werden können. Zwei Jahre lang, so Jacobs, sabine geschwandtner_auftakt bonus-programm brennpunktschulen neuköllnkönnten die Schulen ohne Nachweis des Erfolgs mit den Geldern arbeiten, erst dann werde evalu- iert und ermittelt, inwieweit die anfangs gesteckten Ziele erreicht wurden.

„Ich habe meine Rolle verstanden: Ich darf dem ganzen als Verwaltung nicht im Weg stehen“, fasste Sabine Geschwandtner als letzte Rednerin das Gehörte zusammen. Die ehemalige Rektorin einer Schule im Bezirk Hellerdorf ist innerhalb der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wis- senschaft für die Koordination des Bonus-Pro- gramms zuständig. „Ich empfinde es als zutiefst gerecht“, sagte sie, „weil es die Zielstellung verfolgt, Bildung von der sozialen Herkunft unabhängig zu machen, und außerdem die Eigenverantwortung von Schulen stärkt.“ Schon die Tatsache, dass die Gelder ohne seitenlange Antragsunterlagen, sondern durch einen überschau- baren Rück- meldebogen zugeteilt würden, sei ein Novum des am 1. Februar star- tenden Programms. Zu Entspannung riet die Koordinatorin dem Auditorium auch, was die gesteckte Zielsetzung bezüglich der geförderten Projekte betrifft: „Natürlich müssen Sie sich vorher überlegen, was machbar ist, aber das soll nur Ihren Blick schärfen und nicht wie ein Damoklesschwert über Ihnen hängen.“ Alles in allem, so Geschwandtner, kämen die „Senatsgelder wie ein warmer Regen über Neukölln“.

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