Tautes Heim mit dem Europa Nostra Award ausgezeichnet

G43_WZ_vorher_BB_Tautes Heim_Neukölln-Britz65 abgerockte Quadratmeter, verteilt auf zwei Etagen, mit 200 Quadratmetern Gar- ten drumherum. Zum Objekt der Begierde war das kleine Haus in der Neuköllner Hufeisensiedlung wahrlich nicht prädesti-niert. Katrin Lesser und Ben Buschfeld verliebten sich trotzdem spontan in die zum Verkauf stehende Immobilie zwischen Fritz-Reuter-Allee und Paster-Behrens-Straße, als sie sie im Frühjahr 2010 zum ersten Mal betraten und besichtigten. Dabei entging ihnen der desolate Zustand des Hauses zwar durchaus nicht, aber sie erkannten auch den Schatz, der unter innenarchitektonischen Relikten vergangener Jahr- zehnte steckte: Viel Originalsubstanz und fast die komplette Originalausstattung G43_AUS_11-599_BB_Tautes Heim_Neukölln-Britzdes in den 1920er Jahren nach Plänen von Bruno Taut erbauten Häuschens  waren noch erhalten.

Die Landschaftsarchitektin und der Grafik-Designer, die selber in der Nachbarschaft wohnen, kauften die Immobilie. „Unser ers- ter Gedanke war, dass wir sie retten wol- len“, sagt Katrin Lesser. Die Idee, sie zu einem „besonders denkmalgerechten Ferienhaus“ herzurichten, entwickelte sich erst später – und wurde nicht zuletzt aus der Not geboren, langfristig den Kaufpreis refinanzieren zu können. „Einen Lottogewinn“, so Lesser, „hatten wir leider nicht.“ Und die Möglichkeit, das über Förderungen zu bewerkstelligen, zerschlugen sich wegen unpassender Rahmenbedingungen. Neben dem Kaufpreis investierten Les- ser und Buschfeld aber auch zwei Jahre lang massig Zeit: um neuere Bauschichten zu entfernen, die drei historischen Kachelöfen sowie Bodenbeläge, Fenster und Einbauschränke zu sanieren und Wände und Böden wieder mit den für Taut typischen

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intensiven Farben zu streichen. In Bibliotheken recherchierten sie zudem nach histo- rischen Vorlagen für den Nachbau des zeitgerechten Mobiliars, das selbstverständ- lich  diskret mit modernem Komfort ergänzt wurde. „Schließlich wollen wir unseren Gästen nicht zumuten, in einem Museum zu übernachten“, sagt Katrin Lesser.

Im Mai letzten Jahres war es schließlich soweit: Die einstige Bruchbude erstrahlte in neuem-altem Glanz und wurde als Tautes Heim eröffnet. Platz für bis zu vier Gäste bietet das Haus mit seinen drei Zimmern, Bad und Küche seitdem. Die Einrichtung spiegelt den Aufbruch von der bürgerlichen Wohnwelt der Weimarer Republik zu der sich bereits  abzeichnenden Moderne  wieder. Mikrowelle, Geschirrspüler, Kühl-

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G43_SZ_12-154_BB_Tautes Heim_Neukölln-Britzschrank, Waschmaschine, Trockner, Hei- zungen und WLAN sind als Zugeständ- nisse an das 21. Jahrhundert integriert. Nur auf die Ausstattung mit einem TV- Gerät haben die Gastgeber bewusst verzichtet. Die bisherigen Gäste waren dennoch „begeistert von der Wohnqualität und besonderen Ausstrahlung“ des Hau- ses, das baukulturelles Erbe nicht nur erhält, sondern Architektur- und Designgeschichte begreifbar macht.

Gestern Nachmittag wurden Katrin Lesser und Ben Buschfeld für ihr Tautes Heim im Kulturstall auf dem Gutshof Schloss Britz mit dem Europa Nostra Award, dem wichtigsten Preis für die Bewahrung und Förderung von Bau- und Kulturdenkmälern in Europa, ausgezeichnet: Denis de Kergorlay und Alexander Fürst zu Sayn-Witt- G43_WZ_12-256_BB_Tautes Heim_Neukölln-Britzgenstein, die Präsidenten von Europa Nostra, übergaben dem Paar vor über 100 geladenen Gästen feierlich eine knapp 5 Kilogramm schwere Bronzeme- daille. „Natürlich sind wir sehr stolz auf die Aufzeichnung, nur dotiert ist sie lei- der nicht“, bedauert Katrin Lesser. Im Sommer laufe es zwar schon sehr gut mit den Reservierungen für das Taute Heim, jetzt im Winter aber zeige sich die Nachfrage sehr zurückhaltend. Wer für Weih- nachten und/oder Silvester noch ein außergewöhnliches Ferienhaus in Berlin suche, sei also bei ihnen an der richtigen Adresse.

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