Die Angst vor dem Flächenfraß der A100 geht weiter um

a100-baufläche neuköllnAn der Sonnenallee zwischen Arbeitsamt und Hotel Estrel klafft gegenüber der Ruine von Hütter‘s Zentrallager eine große Lücke. Zahlreiche alte Bäume  wurden hier letzte Woche gefällt, und das Magna-Gebäude ist bis auf den letzten Stein ab- gerissen. Freier Blick von der Sonnenallee bis a100-bauarbeiten_neuköllnzum Treptower Park!

Der Erhalt und die Sa- nierung von Straßen-, Schienen- und Schiff-fahrtswegen werden  immer wichtiger, denn für den Aus- und Neubau der Verkehrswege  fehlt dem Bund das Geld. Doch in Berlin ticken die Uhren wohl anders. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) und Michael Müller (SPD), Berlins Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, begannen im Mai mit einem feierlichen Spatenstich die Bauarbeiten für die rund 500 Millionen Euro teure Ver- längerung der Stadtautobahn A100 von der Neuköllner Grenzallee bis zur Straße Am Treptower Park. Das Bundesverwaltungsgericht hatte zuvor im Oktober 2012 zwar Mängel bei der Planfeststellung erkannt, hob jedoch mit seinem Urteil über den Weiterbau der A100 den Planungsbeschluss nicht ganz auf. Für die Stadtautobahn-Gegner ist damit der Protest aber längst nicht beendet:  Nur weil Baurecht bestehe, müsse noch lange nicht gebaut werden, argumentieren sie. Das Bundesver- waltungsgericht habe nur die rechtliche Zulässigkeit bestätigt, nicht aber über den robin wood-baumhaus_a100 neuköllnverkehrspolitischen Sinn des Projektes geurteilt.

Gestern eröffnete deshalb die Umweltschutzorga-nisation Robin Wood als Zeichen des Widerstands gegen die herrschende Stadtentwicklungspolitik  ein Baumhaus in einer Pappel auf dem Gelande einer 2_robin wood-baumhaus-eröffnung_a100 neuköllnLagerhalle an der Kreuzung Neuköllnische Allee/Grenzallee. Hier, schräg gegenüber vom Leiser-Firmengebäude, muss Tobias Trommer vom Aktionsbündnis „A100 stoppen“ gleich eine schlechte Nachricht verkünden: Den Mietern der Häuser Beermannstraße 20 und 22 im Bezirk Treptow sei vor wenigen Tagen gekündigt wor- den. „Sie müssen ihre Häuser, die für die A100 abgerissen werden sollen, bis Ende August 2014 räumen“, weiß Trommer.

Die Robin-Wood-Aktivisten im Baumhaus auf der Pappel sind trotzdem zuversichtlich: In der gerade ausgehandelten Koalitionsvereinbarung zwischen CDU/CSU und SPD sei festgelegt worden, die begrenzten finanziellen Mittel für den Bundesfernstraßenbau auf „überregional bedeutsame Vorhaben“ zu konzentrieren. Ein „nationales Priori-tätenkonzept“,  in das 80 Prozent der Mittel für Neu- und Ausbau fließen sollen, habe man auf Seite 39 der Koalitionsvereinbarung definiert. Die A100-Verlängerung sei kleingärten-zerstörung_a100 neukölln in diesem Prioritätenkonzept allerdings nicht namentlich erwähnt.

Derweil geht die Angst vor Flächenfraß im Kiez weiter um: Die Schutzfrist für die Kleingarten- anlage Rübezahl rübezahl-kleingarten-anlage_a100 neuköllnan der Teupitzer Straße in Neu- kölln, un- mittelbar an der künftigen Stadtautobahn A100, wird nach derzeitigem Stand der Dinge nicht verlängert. Die Senatsverwaltung für Stadtent- wicklung erwartet Industrie- bzw. Gewerbe-Ansiedlungen. Die Laubenpieper befürchten deshalb, dass ihre Gärten – und mit ihnen der Lebensraum für über 200 Obstbäume, Füchse, Vögel, Igel, Teichfische, Fischreiher, Frösche und Schmetterlinge – Ende 2014 „platt gemacht“ werden.

=Christian Kölling=

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