Vor dem Verlorengehen gerettet: Ralf Schmiedecke zeigt in seinem neuen Buch historische Neukölln-Postkarten

die buchkönigin_neuköllnFür gewöhnlich werden Bücher mit Lesun- gen vorgestellt. Eine solche wäre aber vorgestern Abend in der Buchkönigin bei der Präsentation von Ralf Schmiedeckes neuestem Buch „Berlin-Neukölln. Als in Rixdorf noch Musike war“ nicht möglich gewesen. Denn der Autor hat 236 Post- karten aus Neukölln, die zumeist um 1900 entstanden sind, in dem Werk zusammen- gefasst.

Der gebürtige Weddinger selbst bezeichnet sich als „leidenschaftlicher Sammler von historischen Postkarten“. Das aktuelle Buch ist sein dreizehntes, zuvor hat er schon Bücher dieser Art über andere Berliner Bezirke veröffentlicht. Alle sind Sutton Verlag erschienen, dessen Programmschwerpunkt auf regionalen Titeln liegt. „Die Postkarten kaufe ich vornehmlich auf Flohmärkten, im Internet oder bei speziellen Ansichtskartenbörsen“, erzählt Ralf Schmiedecke. Der Ankauf der Rechte zur Ver- öffentlichung historischer Postkarten aus Beständen der ralf schmiedecke_die buchkönigin neuköllnBezirksmuseen sei dagegen so teuer, dass der Autor gerne darauf verzichtet.

Umgekehrt, so seine Erfahrung, wür- den auch Museen wegen knapper Budgets nur sehr begrenzt Postkarten aufkaufen. Kleine Serien von 20 oder 50 Karten seien um die vorletzte Jahrhundertwende fast die Regel gewesen, berichtet der 50-Jährige: Entweder waren es Auftragsarbeiten an einen Fotografen, das eigene Haus, die Kneipe etc. abzulichten und auf Postkarten zu drucken, um diese an Freunde verschenken oder mit der Post verschicken zu können. Oder aber der Fotograf machte erst ein Bild, zum Beispiel von einem Straßenzug, und versuchte dann dieses an die Eigentümer der Häuser in dieser Straße zu verkaufen. „Das Beschreiben der Rückseiten von Postkarten ist übrigens erst seit etwa 1905 erlaubt“, berichtet Ralf Schmiedecke. Vorher durften auf der ausschließlich die Adressangaben des Absenders und Empfängers stehen.

Um angekaufte Postkarten überhaupt den Bezirken zuordnen zu können, sucht der Autor mit einer Lupe nach Straßenschildern oder schaut sich die Inschriften abge- bildeter Geschäfte an. Auch der Poststempel kann ihm wertvolle Hinweise geben. Mit Hilfe der Berliner Adressbücher, die mittlererweile von der Zentralen Landesbibliothek für die Jahre von ca. 1799 bis 1943 veröffentlicht berlin-neukoelln_ralf schmiedecke_sutton verlagsind, findet er schließlich Namen damaliger Bewohner heraus.

Für „Berlin-Neukölln“ reihte er die Postkarten in vier an den Ortsteilen orientierten Kapiteln so aneinander, dass man sie als Wegweiser für einen Spaziergang nutzen kann, der von Rix- dorf bis nach Rudow führt. Vom alten Neuköll- ner Zentrum gibt es selbstverständlich die meisten Fotodokumente, von Rudow nur weni- ge. „Überrascht hat mich, wie viel Bildmaterial sich von Britz finden ließ“, bekennt Schmiede- cke. Ergänzt sind die Bilder mit kurzen Texten, die das Wesentliche zusammenfassen. Zwei Jahre habe die Herstellung des Buches ge- braucht, überschlägt der Autor. Das kann we- gen dieser immensen Vorarbeiten, die zudem mit der hauptberuflichen Tätigkeit als Sicher- heitsheits-Ingenieur in Einklang gebracht werden mussten, nicht verwundern.

Bevor Ralf Schmiedecke dann auf launige Art einige Bilder mit den dazugehörigen Geschichten präsentierte, tanzte er mit einer Dame zum Lied „In Rixdorf ist Musike“ („Und nu geht es mit avec immer feste weg“) im Rixdorfer Schieber durch die Buch- handlung im Reuterkiez. Er habe selber auch schon in Neukölln gewohnt, verriet der Autor und wusste interessante Anekdoten dieser Zeit zu erzählen.

Trotz der Ortskenntnisse fallen aber leider einige Ungenauigkeiten in den Beschrei- bungen im Buch auf: Irreführend ist beispielsweise die Bezeichnung „Böhmische Dorfschmiede“. Andererseits wusste der Kiezhistoriker sogar für mich als Stadtführer Unbekanntes aus der Historie Neuköllns zu berichten. Alles in allem aber ist Ralf Schmiedecke und dem Sutton Verlag nicht genug zu danken, dass sie diese Bilder vor dem Verlorengehen retteten. Dem Buch und der ersten Auflage von 800 Stück, die seit wenigen Tagen im Handel ist, ist zu wünschen, dass diese bald vergriffen ist.

„Berlin-Neukölln. Als in Rixdorf noch Musike war“ (128 Seiten, 200 S/W- Bilder) ist natürlich bei Die Buchkönigin und über den Sutton Verlag sowie im Buchhandel zum  Preis von 18,95 € erhältlich.

Da Ralf Schmiedecke dem FACETTEN-Magazin Neukölln freundlicherweise ein Exemplar zur Verlosung zur Verfügung stellt,  gibt es außerdem die Mög- lichkeit, durch die Beantwortung folgender Frage in den Besitz des Buches zu kommen: In der Comedy-Kultsendung „Nonstop Nonsens“ mit Didi Hallervorden bricht im Vorspann eine Hauswand zusammen. Welcher Ge- bäudeabriss in Neukölln liegt dieser Sequenz zugrunde?

A) Turnschuhhaus    B) Rollbergviertel   C) Ananiaskirche

Wer das Buch gewinnen möchte, schicke bis zum 27. November/23:59 Uhr facetteneine E-Mail mit dem Lösungsbuchstaben in der Betreffzeile an:

=Reinhold Steinle=

Update/28.11.: Der richtige Lösungsbuchstabe war B; die Gewinnerin ist ermittelt und verständigt. Wir danken allen, die sich – egal ob mit richtig oder falsch geratener oder gewusster Antwort – an unserem Gewinnspiel betei- ligt haben.