Neuköllnopoly: Neue Studie weist Wohnungsbau-Potenziale im Bezirk aus

wohnungsbaupotenziale-studie neuköllnFast 300 neue Wohnungen auf dem Gelände der ehemaligen Kindl-Brauerei und über 400 auf ak- tuell gewerblich genutzten Flächen zwischen dem Neuköllner Schiffahrtskanal und der Bezirksgrenze zu Treptow, 1.660 entlang der Oderstraße auf dem Tempelhofer Feld und über 1.000 am Mariendorfer Weg, wo heute die alte Frauenklinik und andere keine wohnung frei_neuköllnGebäude zu Ruinen verkommen.

Neukölln will vorberei- tet sein auf das Jahr 2030, wenn Prognosen zufolge die Bevölke- rung im Bezirk um knapp 21.000 Einwohner ange- wachsen sein wird und statistisch an die 11.000 Wohnungen mehr benötigt werden. Vor allem aber will es Antworten auf Anfragen potenzieller Investoren haben, die Brachen aus ihrem Dornröschenschlaf wecken und den Wohnungsbau ankurbeln wollen. Neukölln habe bei der Zahl erteilter Baugenehmigungen bisher hinter anderen Bezirken zurück gelegen, weniger als 1.000 seien es im vergangenen Jahr pk wohnungsbaupotenzial-studie neuköllngewesen, räumt Baustadtrat Thomas Blesing (M.) ein. Nun aber steige die Zahl der Wohnbau-Anträge, ergänzt Rolf Groth (l.), der Leiter des bezirk- lichen Stadtentwicklungsamts, und mit der Studie habe man endlich ein Arbeitsmittel, das geeignete Flächen ausweist, zusätzlich aber auch die infrastrukturellen Rahmenbedingungen aufzeigt. „Jetzt“, so Staatssekretär Ephraim Gothe (r.), „geht es darum, die Baupotenziale im Bezirk offensiv zu kommunizieren.

Seine Dienststelle, die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt, war es, die das Entstehen der Wohnbaupotenzialstudie maßgeblich förderte. Außer für Neu- pk wohnbaupotenzialstudie neuköllnkölln werde sie derzeit für sechs weitere Berliner Bezirke erstellt. Die restlichen fünf Bezirke, kündigt er an, würden noch in diesem Jahr mit der Erhebung beginnen. Dadurch werde berlinweit eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Planen und Genehmigen geschaffen. Zusätzlich, so Gothe, sei der Senat durch einen Beschluss des Abgeordneten- hauses in der Lage, die Erweiterung des Wohnungsbestands durch eine weitere Maß- nahme zu fördern, die bereits in der Hanse- stadt Hamburg praktiziert wird: „Für ausgereifte Baugenehmigungen fließt eine Prämie von 500 Euro pro Wohnung an die Bezirke.“ Als „echten Befreiungsschlag“ wertet der Staatssekretär ferner, dass sich die rot-schwarze Koalition im Abgeord- netenhaus dafür aussprach, die engen Personaldecken in den Ämtern durch die kartenausschnitt wohnungsbau-potenziale neuköllnBewilligung von „mehr Geld für die planen- den Bereiche der Bezirke“ zu weiten.

Was aber bedeutet die Wohnungsbau- potenzial-Studie konkret für Neukölln bzw. für Neuköllner, die weder als Kollegen von Rolf Groth im Stadtplanungsamt tätig sind, noch Grundstücksbesitzer sind oder unter die Investoren gehen wollen? Kurzfristig wenig. „Außerdem ist es ja auch nicht so, dass wir auf Investoren einwirken und Wohnungsbau oktroyieren können“, stellt Bezirksbaustadtrat Thomas Blesing fest.

41 Potenzialflächen, die über alle fünf Neuköllner Ortsteile verstreut sind und jeweils Platz für mindestens 50 neue Wohneinheiten böten, ermittelte die Analyse der Planergemeinschaft Kohlbrenner, deren Kurzfassung gestern in einer Presse- konferenz präsentiert wurde. „570 Wohneinheiten sind schon in der Planung oder Umsetzung“, so Blesing. Durch die Studie könnten weitere 7.730 Etagenwohnungen und Eigenheime hinzu kommen. „Bei einem Viertel davon rechnen wir damit, dass sich Planung und Bau bis 2016 realisieren ließen“, kalkuliert Rolf Groth. Bei der Erschließung und Bebauung anderer Flächen gelte eine mittelfristige oder lang- wohnungsbau-modell ehemaliges blub-gelände_neuköllnfristige Perspektive, d. h. müsse von einer Fertigstellung der Wohneinheiten im nächsten oder übernächsten Jahrzehnt ausgegangen werden.

Zu eben jenen gehört die Potenzialfläche Br 10, hinter der sich das Gelände des stillgelegten Spaßbades Blub verbirgt. Rund 335 Wohneinheiten könnten – wie per Modell (l.) visualisiert – rund um den unter Naturschutz stehenden Teich gebaut werden. Zuvor müsse jedoch das verwaiste Badeparadies abgerissen und der Boden des Areals untersucht werden. Ähnlich steht es um Ru 14, ein Gebiet ganz im Süden des Bezirks: Für die Fläche einer ehemaligen Gärtnerei am Rudower Dörferblick sind etwa 400 neue Wohneinheiten veranschlagt. Rund 100 weniger könnten auf wohnungsbau-modell_ehem. frauenklinik_neuköllndem Gelände der ehemaligen Kindl-Brau- erei entstehen, das in der Studie Nm 02 heißt. In die drei Potenzialflächen Sp 05, Sp 06 und SP 14 sind Liegenschaften am Ma- riendorfer Weg (r.) unterteilt. Mit der Comer Group, dem Investor, der bereits im Besitz des einstigen Klinikgeländes ist, sei man endlich „konkret im Gespräch“, könne ihm aber nur aufzeigen, welche Möglichkeiten es gäbe, betont Rolf Groth. Was sich jedoch bereits jetzt sagen lässt, ist, dass zuerst das Anwesen nördlich des Mariendorfer Wegs für den Wohnungsbau erschlossen wird. Später komme dann noch eine nicht mehr benötigte Friedhofsfläche der evangelischen Kirche hinzu. „Das kann eine ganz tolle Wohngegend werden“, prognostiziert Thomas Blesing.

Bei Sp 09, dem quantitativ größten Stück, das die Wohnungsbaupotenzialstudie für Berlin-Neukölln ausweist, ist der Bezirk indes außen vor. Die Planungshoheit für das gesamte Tempelhofer Feld – und so auch für den zu Neukölln gehörenden Bereich an der Oderstraße, der mit 1.660 Wohnungen veranschlagt ist – liege schließlich beim Berliner Senat, erinnert Blesing.

Rund 8.300 neue Wohneinheiten, die für etwa 17.600 neue Neuköllner ein Zuhause werden könnten, ergeben die Planungsannahmen in der Addition. „Damit sind wir der Zielzahl von knapp 21.000 schon relativ nah“, findet der Baustadtrat. Die Differenz, ist man optimistisch, könne durch Verdichtungen im Eigenheim-Bereich, Dachge- schossausbauten oder kleinteiligere Lückenschließungen, die in der Studie nicht berücksichtigt sind, ausgefüllt werden.

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