Aus der essbaren Landschaft direkt auf den Tisch

hinterhof-idylle_neuköllnAls Martin Hoefft nach Berlin zog, stand für ihn fest: Eine Wohnung mit Garten muss es sein. Aber dann kam es sogar noch besser, und er und seine Familie wurden Mieter einer Remise in einem Hinterhof der Neuköllner Richardstraße. „Schnell kam dann der Job als Hausgärtner dazu“, er- zählt der Geologe, der im Nebenfach Bota- cafe botanico-nutzgarten_neuköllnnik studiert hat. „Und seit Februar 2012 kümmere ich mich auch noch um ein 1.000 Quadratmeter großes Grundstück, das hinter dem Hausgarten liegt und ebenfalls unse- rem Vermieter gehört.“

5_garten cafe botanico neuköllnFrüher, hat Martin Hoefft erfahren, seien Kleingärten von Leuten aus der Nachbarschaft auf dem Gelände gewesen. „Danach verwilderte und verwahrloste alles etwa 10 Jahre lang einfach nur noch vor sich hin, weil niemand Lust hatte, sich darum zu küm- mern.“ Sechs baufällige Lauben hätten abgerissen und einige kranke Fichten gefällt werden müssen, um überhaupt erahnen zu können, was  die  Zeit bedeckt  hatte. „Alles  war so  zugewuchert“, erinnert  sich Hoefft, „dass

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man sogar die Kirschbäume fast nicht mehr sah.“Sogar ihn als erfahrener Gärtner martin hoefft_garten cafe botanico neuköllnüberraschte die Vielfalt und Vielzahl alter Zier- und Kulturpflanzen, die hier wieder-gefunden wurden: „Es ist wirklich eine essbare Landschaft, die ich hier Stück für Stück entdeckt habe.“ Als dann im Vorderhaus ein Laden frei wurde, sei ihm und seiner Frau sofort klar gewesen, dass sie ihn mieten wollen, um ein Café zu eröffnen, in dem die Schätze aus dem Garten – zu  kulinarischen Erlebnissen  ver-

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süßdolde_garten cafe botanico neuköllnarbeitet – angeboten werden. Vor gut drei Wochen wurde es eröffnet und verwöhnt nun die Gaumen seiner Besucher mit einer außergewöhnlichen Melange aus traditioneller italienischer Küche und ur- baner Landwirtschaft. „Natürlich haben wir nicht den Anspruch, zu 100 Prozent 1_cafe botanico neuköllnnur Selbst- geerntetes zu verarbeiten“, sagt Hoefft, denn das würde bedeuten, dass das Café Botanico im Winter relativ leere Teller auftischen muss. „Aber jahreszeitlich zu kochen, das ist uns schon sehr wichtig.“ Herr über die Küche ist Schwiegervater Stefano. Feinste Kuchen und Torten stellt ein italienischer Konditormeister her. 2_cafe botanico neuköllnHoeffts Frau ist für den Service in dem gemütlichen Café mit idyllischer Terrasse im Grünen zuständig und er selber der Permakulturgärtner des jungen Unter-3_garten cafe botanico neuköllnnehmens.

Schon kurz nach der Er- öffnung des Cafés begann Martin Hoefft, Führungen durch sein botanisches Refugium anzubieten. Bis hier ein ausgeschilderter Lehrpfad entstanden ist, soll es nicht mehr lange dauern. „Viele der Kultur- und Wildpflanzen, die hier wachsen“, so seine Erfahrung, „sind ja für die meisten Leute nur Unkraut.“ Er selber kennt nicht nur die deutschen und lateinischen Namen jeder Pflanze, sondern weiß zudem auch, wie

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sie verarbeitet werden sollten, um köstlich zu schmecken. Anderes Gemüse, Obst und Kraut muss gar nicht erst den Umweg über die Küche machen, sondern kann gleich nach dem Pflücken verzehrt werden. „Süßdolde schmeckt wie Lakritz“, ver- sichert Martin Hoefft und bietet Blätter der Pflanze zum Probieren an. „Und die Blüten der Parakresse kribbeln auf der Zunge wie Brausepulver.“ Auch über Bienen hat er sich einiges Wissen angeeignet, seit fünf Völker in seinem Garten leben: „Um die kümmert sich aber unser Imker.“

Führungen durch den Garten mit botanischem Lehrpfad für Wild- und Nutz- pflanzen bietet Martin Hoefft  sonntags um 15 Uhr an.

Das  Café Botanico  ist  täglich außer montags  von 11 bis 20 Uhr geöffnet.

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