Ein Samstagabend mit den Sonntags

Plakat_FrancoFeel_Gutshof Britz_Neukölln„FrancoFeel brennt mit dem Zirkus durch“ heißt das mittlerweile zweite Programm der Berliner Live-Band um Sängerin Anja Sonntag, und so war es stimmig, dass FrancoFeel am Samstagabend das Britzer Schlosskonzert mit dem Titel „Circus“ aus dem Chaplin-Film „The Circus“ begann. Zum Zirkusthema passend waren die vier Musiker auch gekleidet: Dagmar Hilbricht (Gitarre und Banjo) trat als Clown auf der Freilichtbühne des Gutshofs Britz auf, Michael Neumann (Akkor- deon) im Matrosenanzug als stärkster Mann der Welt, Sven Sonntag (Kontrabass) als FrancoFeel_Gutshof Britz_NeuköllnDompteur und Anja Sonntag als Zir- kusdirektorin.

Die meisten Songs des Programms handelten dann natürlich auch vom Zirkus. Es waren zumeist bekannte, internationale Lieder, die von Anja Sonntag gekonnt mit witzigen neuen Texten versehen, ins Deutsche übertragen wurden. Die Sängerin überzeugte sehr mit ihrer tollen Stimme und ihrer Bühnenpräsenz, zudem bewies sie sich als Stimmungsmacherin im besten Sinne. Zusammen mit den drei anderen Sven Sonntag_FrancoFeel_Gutshof Britz_Neuköllnwirklich guten Bandkollegen ergab das eine ge- lungene, stimmige Einheit. Diese ermöglichte auch, dass sich die vier Musiker weit voneinander entfernt auf der ganzen Breite der Bühne verteilen konnten. Herrlich, wie das Lied „O mein Papa“ fast aus- schließlich instrumental auf eine originelle Art und Anja Sonntag_FrancoFeel_Gutshof Britz_NeuköllnWeise wiedergegeben wurde. Oder die Selbst- ironie der Sängerin, die bei „It’s got to be per- fect“ mit den Textzeilen „Ich bin so gar nicht perfect, denn jedes Gramm an mir sitzt perfect“ zutage trat. Sogar die Werbung für die CD der Band wurde voller Charme in eines der letzten Lieder eingebunden.

Und dann gab es auch noch den einen oder anderen besonderen Moment während des Konzerts: Bei einem Chanson lieferte den eine junge Frau, die als Zaungast vom Schlosspark aus dem Geschehen auf der Bühne gelauscht hatte, und spontan begann, sich – mit ihrem Kind auf dem Arm – zu der Musik im Kreis zu drehen. Stimmungsvoll und zirzensisch anmutend waren auch die Seifenblasen, die gegen Ende des Konzerts Seifenblasen_FrancoFeel_Gutshof Britz_Neuköllnüber die Zuschauertribüne schwebten.

Eine Kritik muss jedoch dennnoch angebracht werden: Vor allem zwischen den Stücken wurde das Zirkusthema zu- weilen etwas unglücklich inszeniert. Wenn bei zwei Kalauern über den Zirkus keine einzige Person im Publikum lacht, dann sollte das nachdenklich stimmen. Auch der angekündigte Zaubertrick, der daraus bestand, aus einem aufgeblasenen Luftballon die Luft raus zu lassen, schien beim Publikum nicht anzukommen.

Während der Pause, gab es für mich die Möglichkeit eines kurzen Interviews mit Anja Sonntag. Die Band, deren Repertoire durch Einflüsse aus dem Swing von Django Reinhardt und der Cajun-Musik geprägt wird, erzählte sie mir, gebe es in dieser Besetzung seit 4 1/2 Jahren. Alle FrancoFeel-Mitglieder seien Berliner: „Außer das Akkordeon, das kommt aus Franken.“ Und ja, die Gleichheit des Nachnamens mit dem Mann am Kontrabass komme nicht von ungefähr. „Sven ist mein Bruder“, verriet Anja Sonntag und ergänzte: „Einen der ersten Auftritte überhaupt hatte FrancoFeel übrigens in Neukölln im Lagari.“ Der Himmel entschied sich derweil, die 15-minütige Pause zu verregnen.

Nach eineinhalb Stunden Programm und zwei Zugaben wurde FrancoFeel von den etwa 100 Menschen im Publikum zu Recht mit viel Applaus verabschiedet. Ich brachte das FrancoFeel_Gutshof Schloss Britz_Neuköllnausgeliehene Sitzkissen mit der Aufschrift „Neukölln ist vorne“ zurück und ging hinüber zu einer Veranstaltung der Langen Nacht der Religionen in der Dorf- kirche Britz..

Die Britzer Schlosskonzerte werden am 24. August um 18 Uhr mit Canzone Italiane von … e la luna auf der Freilichtbühne des Gutshofs Schloss Britz fortgesetzt. Eintritt: 12 Euro (erm. 7 Euro); bei Regenwetter findet das Konzert im Kulturstall statt.

=Reinhold Steinle=