Von Fundkatern zu Hausherren eines eigenen Katzencafés

außenansicht_pee pees katzencafe neuköllnErst durch die Schwingtür, dann durch die Laden- tür und danach muss man manchmal sogar noch über auf dem Boden liegende Gäste steigen. Das Café, das Andrea Kollmorgen vor einer Woche im Neuköllner Körnerkiez eröffnete, ist in der Tat ein sehr außergewöhnliches.

Pee Pee’s Katzencafé steht über dem Eingang. „Das wird aber  nicht wie Pipi ausgesprochen“, sagt die Chefin und erklärt, dass der Name ihrem weißen, tauben Kater Paule zu verdanken sei. „Nachdem der nachts auf eine pee pees katzencafe neuköllnBassdrum meines Mannes gesprun- gen war und da- bei einen Höllenlärm machte, heißt er bei uns nur noch Pauken-Paule oder Pee Pee.“ Auch mit einem anderen Missverständnis räumt die 48-Jährige gleich auf. Die Information, dass eigene Katzen mitgebracht werden dürfen, sei fälschlicherweise in Umlauf gekommen. „Das ist natürlich völliger Quatsch, und jeder Katzenbesitzer weiß ja auch, welchen Stress ein Verlassen des eigenen Terri- toriums für das Tier bedeutet.“

interieur_pee pees katzencafe neuköllnCaruso und Pelle, den beiden Hausherren, scheint Stress völlig fremd zu sein. Das Café mit Sitzgelegenheiten für 25 Gäste ist den getigerten, etwa neun Monate alten Brüdern bereits jetzt so vertraut, dass sie sich vollkommen entspannt durch ihr Wohnzimmer bewegen. Andrea Kollmorgen bekam die Kater, die in einem Karton ausgesetzt worden waren, über den Katzen in Not Berlin e. V. vermittelt. „Zuerst war ich wirklich skeptisch, ob so ein Leben in einem Café das Richtige für sie ist“, sagt Ver- einsgründerin Ingrid Noto. „Aber dann haben das Konzept und Frau Kollmorgens Katzenerfahrung mich überzeugt.“

Mit dem bürokratischen Prozedere war es nicht ganz so unkompliziert. In Japan gibt es Katzencafés zwar schon länger, in Berlin ist das von Andrea Kollmorgen aber das erste: „Die Mitarbeiter der Behörden waren zunächst etwas ratlos, allerdings auch sehr hilfsbereit.“ Pelle und Caruso wurden gründlich gesundheitlich durchgecheckt und einem amtstierärztlichen Aggressionstest unterzogen. Die Existenzgründerin, pelle_pee pees katzencafe neuköllndie Anfang des Jahres während einer vier- wöchigen Arbeitslosigkeit „bei einer Spin- nerei mit Freundinnen“ auf die Geschäfts- idee kam, musste ihre Eignung beweisen, Tiere zur Schau stellen zu können. „Der Antrag auf das Betreiben eines Katzen- cafés gleicht bürokratisch ein bisschen dem bei einem Zoo“, sagt die Neuköllnerin.

Die Hygienevorschriften sind von Andrea Kollmorgen einzuhalten: Geschirr, Gläser sowie Lebensmittel sind in Vitrinen verbannt, um alles vor dem Zugriff der Kater und der Kontamination mit Katzenhaaren zu schützen. Eine Hausordnung regelt, was den Gästen in Pee Pee’s Katzencafé verboten ist: Die Tiger dürfen nicht mit Blitz fotografiert, am Schwanz gezogen und gefüttert werden. „Grundsätzlich darf  mit den Katzen  nur gemacht  werden, was  die wollen.“ Hunde   sind  selbstverständlich  in

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dem bis ins Detail liebevoll und katzophil gestalteten Café unwillkommen. Denn die würden Stress bedeuten, der hier unerwünscht ist.

katzenseparee_pee pees katzencafe neuköllnAuch der Anspruch, Caruso und Pelle zu Gesicht zu bekommen, mit ihnen spielen und schmusen oder die beruhigende Wir- kung beim Streicheln durch ihr weiches Fell genießen zu können, muss draußen bleiben. „Wenn sie das Bedürfnis haben, sich in ihr Separee zurückzuziehen, dürfen sie das jederzeit tun“, versichert Andrea Kollmorgen. Die Hausherren sind das Kür- programm zu Kaffee, köstlichen Kuchen und Quiches, kleinen Speisen oder dem Katerfrühstück, das natürlich nicht aus viel Koffein, Matjes und einer Kopfschmerztablette besteht. Ergänzungen des kuli- narischen Angebots schließt die gebürtige Rostockerin alles anderes als aus: „Da richte ich mich ganz danach, was von den Gästen gewünscht wird.“ Zusätzlich plane sie gerade ein kulturelles Angebot, das samstags abwechselnd Musik und Lesun- gen in die Räume bringen soll, die 36 Jahre lang vom ältesten Berliner Schwulenclub pee pees katzencafe_neukölln„Die Trommel“ angemietet waren.

Jetzt ist es ein sehr gemischtes Publikum, das hier ein und aus geht. „So ein Katzencafé ist auf jeden Fall kein reines Mädchending“, resümiert Andrea Kollmorgen nach der ersten Woche, in der sie vom Medienhype und Gäs- teansturm völlig überrascht wurde. Eigentlich, sagt sie, sei sie davon ausgegangen, täglich pee pees katzencafe neuköllnzu öffnen und alles alleine zu schaffen. Inzwischen hat die ehemalige Sekretärin eine Angestellte und den Montag zum Ruhetag er- nannt. „Aber das ist  alles ganz wunderbar wie es ist“, findet sie. Wenn ihre Gäste auf dem Boden liegen oder sitzen, um mit Pelle und Caruso zu spielen, dann wisse sie genau, dass es die richtige Entscheidung war, mutig im sich mausernden Neu- kölln in eine Marktlücke zu stoßen und eine Spinnerei Wirklichkeit werden zu lassen. „Davon kann der Kiez noch mehr vertragen“, ist Andrea Kollmorgen überzeugt.

Pee Pee’s Katzencafé in der Thomasstraße 53 ist dienstags bis freitags von 11 bis 19, samstags von 12 bis 22 und sonntags von 12 bis 19 Uhr geöffnet.

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