Wer hat Burak Bektas ermordet?

mahnwache für burak bektas_rathaus neuköllnDas ist auch 16 Monate nach der Tat eine Frage, die das Leben der Fami- lie und Freunde des damals 22-Jähri- gen bestimmt und die Ermittler des LKA Berlin beschäftigt. Weder Plaka- te, auf denen um Mithilfe der Bevöl-kerung bei der Suche nach dem Mörder gebeten wurde, noch ein ausführlicher Bericht in der ZDF-Sendung „Akten- zeichen XY“ und die Aussetzung einer Belohnung von 15.000 Euro konnten bisher dazu beitragen, dem Täter und seinem Motiv gedenkstelle burak bektas_neuköllnauf die Spur zu kommen.

Es war die Nacht vom 4. auf den 5. April 2012. Burak Bektas, der kurz vor dem Abschluss seiner Ausbildung stand, war zusammen mit vier Freun- den in der Rudower Straße unterwegs, als sich in Höhe des Vivantes Klinikums Neukölln ein Mann der Clique näherte. Seine gezielten Schüsse, die einer Hinrichtung glichen, verletzten zwei Mitglie- der der Gruppe schwer, Burak starb an einem Lungendurchschuss. Den beiden Verletzten gehe es inzwischen körperlich wieder recht gut, sagt Helga Seyb, die bei der ReachOut Opferberatung Berlin arbeitet und sich in der Anfang des Jahres gegründeten Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak B. engagiert. Gestern hielt der Zusammenschluss aus Verwandten und Freunden des Getöteten sowie Institutionen und einzelnen Aktivisten die dritte Mahnwache vor dem Neuköllner Rathaus ab. „Die erste war in der Friedrichstraße und die zweite in der Gropiusstadt“, berichtet Helga Seyb. Wo die nächste ist, müsse man noch entscheiden, fakt sei jedoch, dass auch weitere immer am fünften Tag eines Monats stattfinden. „Der Mord an Burak darf einfach nicht in Vergessenheit geraten und die Ermittlungen müssen weitergehen“, erklärt sie das Anliegen. „Selbst wenn die Hinmahnwache burak bektas_rathaus neuköllntergründe immer noch nicht klar sind, ist doch die Wahr- scheinlichkeit sehr groß, dass es sich bei der Tat um einen rechten Anschlag handelte.“

Die Behörden ermitteln in alle Rich- tungen, heißt es. „Was damit genau gemeint ist“, so Seyb, „weiß man aber nicht, weil keine umfassende Akten-einsicht gewährt wird.“ Auch die drei Kleinen Anfragen, die vor einigen Monaten vom Innenausschuss des Berliner Senats beantwortet wurden, brachten keine neuen Erkenntnisse. „Dass es so gar keine Fortschritte zu geben scheint und der Mörder von Burak immer noch frei herumläuft, ist  die Hölle für seine Angehörigen“, weiß die tatort mord an burak bektas_neuköllnReachOut-Mitarbeiterin. Zudem würde der Zu- stand vielen jungen Leuten in Neukölln ein äu- ßerst mulmiges Gefühl verschaffen: „Egal ob die Gruppe um Burak zufällig zum Opfer wurde oder der Täter nach NSU-Vorbild Angst und Schrecken verbreiten wollte – es ist ihm ge- lungen. Ich hoffe aber sehr, dass die hohe Belohnung doch vielleicht zum Erfolg führen und der Mann gefasst wird.“

Was Helga Seyb außerdem hofft und mit der Initiative für die Aufklärung des Mordes an Bu- rak B. angehen will, ist die Schaffung einer gestalteten Gedenkstelle. Am liebsten direkt am Tatort, wo nach wie vor mit Kerzen, Blumen, Plakaten und persönlichen Botschaften an den jungen Neuköllner erinnert wird, der hier sterben musste.

Auch Sozialstadtrat Bernd Szczepanski (Grüne Neukölln) hat es sich nicht nehmen lassen, an der Mahnwache für Burak Bektas teilzunehmen. In diesen Tagen, sagt er, müsse vom Bezirksamt über einen Antrag der NPD entschieden werden, die ihren Bundesparteitag gerne im Gemeinschaftshaus Gropiusstadt abhalten würde. „Das“, so Szczepanski, „wäre der Super-GAU.“

=ensa=

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