Neues Spiel, endlich Glück?

cafe selig_neuköllnNomen est omen – im Falle des Café Selig gilt diese Redensart wahrlich nicht. 2004 wurde es in einem Seitentrakt der Neuköllner Genezareth-Kirche eröffnet, und morgen räumt mit der Ölbaum GmbH der inzwi- schen dritte Pächter das Feld. Während der zweijäh- rigen Vertragslaufzeit stellte sich weder bei Geschäfts- führerin Hansi-Mariann Bettgens ein tiefes Glücksge- fühl ein, noch empfand die Gemeinde als Vermieterin das Miteinander als seligmachend.

„Leider gab es auf Hansis Seite ein  paar Sachen, die nicht so gelaufen sind und nun in der Insolvenz en- den“, räumt Waldemar Schwienbacher ein, der das Café kommissarisch über die Ziellinie tragen wird. Auch Pfarrerin Elisabeth Kruse und dem Gemeindekirchenrat (GKR) wäre es lieber gewesen, wenn die Option auf eine Vertragsverlängerung zum Zug gekommen wäre und nicht schon wieder ein neuer Pächter hätte gesucht werden müssen. Denn dass dauernde Betreiberwechsel dem Ruf des Cafés zusetzen und zugleich im Kiez den Eintopf aus der Frage nach dem Zutun der Kirche und wüsten Spekulationen ständig neu hochkochen, ist unvermeidbar. „Wir haben der Ölbaum GmbH und Frau Bettgens eine Chance gegeben, die aber nicht genutzt wurde“, sagt Elisabeth Kruse  Sogar ein Gespräch, bei dem Konsequenzen angekündigt wurden, falls untragbare inventarverkauf cafe selig_neuköllnZustände nicht abgestellt würden, habe es lange vor der Kündigung gegeben. „Leider ohne Erfolg“, so Kruse. Dem GKR sei jedenfalls – entgegen anderslautenden Vermutungen – nicht an gastronomie-untypischen kurzen Pachtverhältnissen gelegen. „Die beiden vorherigen gingen über fünf Jahre. Nur wegen der Erfah- rungen, die wir mit denen gemacht haben, hatten wir die Laufzeit für den aktuellen Vertrag erstmal auf zwei Jahre plus Option angesetzt.“

Übermorgen soll laut Elisabeth Kruse die Übergabe an einen neuen Pächter stattfinden. Er kenne das Café aus einer früheren Tätigkeit als Angestellter, wisse um dessen küchenmäßig eingeschränkte Möglichkeiten sowie den ob seiner Atmo- sphäre und Akustik nicht eben leicht zu bespielenden Gästebereich. „Der große Pluspunkt des Selig ist die Terrasse“, weiß auch der erfahrene Gastronom Wal- demar Schwienbacher, der seit vier Jahren die nur ein paar hundert Meter entfernt liegende Kulturkneipe Schiller’s betreibt. cafe selig_neuköllnAls er von einem Gast von den Schwierigkeiten zwischen Bett- gens und ihrem inzwischen ehemaligen Kompagnon erfuhr, sprang er helfend ein: „Aber da war eigentlich schon nichts mehr zu retten und nur noch Schadens- begrenzung angesagt.“

Wäre Schwienbacher nicht gewesen, wäre das Café im Einzugsbereich des Tempelhofer Felds mit großer Wahrscheinlichkeit lange vor dem Auslaufen des Ver- trags geschlossen gewesen. „Viele Gäste“, sagt er, „würden es gerne sehen, wenn ich hier weitermachen würde.“ Dazu wird es jedoch nicht kommen. Er wird lediglich morgen Abend mit einer Karaoke-Party die Ära des dritten Selig-Pächters besiegeln, nicht aber der vierte sein. Dass der sich wiederum nur kurz mit Renovierungs- und Umgestaltungsarbeiten aufhält, hofft vor al- lem die Genezareth-Gemeinde. „Wir bemühen uns um einen möglichst nahtlosen Übergang“, kündigt Elisabeth Kruse an. Ganz ohne Naht und potenzielle Gäste, die vor verschlossener Tür stehen, wird es aber sicher nicht gehen.

=ensa=

2 Antworten

  1. hätte gerne auch gewusst was die “untragbaren Zustände“ genau sind.
    das Essen war allerdings wirklich sehr mäßig und die Öffnungszeiten skuril, im Winter nur bis 8 und alle Leute mussten gehen obwohl der Laden gut gefüllt war. würde mir wünschen dass es weitergeht mit einer kleinen aber feinen Küche und offen bis Mitternacht

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