Das Eis ist heiß: Demo für das Tempelhofer Paradiso

mauro luongo_tempelhofer paradiso„Im Moment bin ich ein Wanderer“, sagt Mauro Luongo. Das war bis zum Frühjahr anders: Wie die Weite und das Rauschen des Windes gehörte sein Eiswagen seit drei Jahren zum Tempelhofer Feld. Wann auch immer man zum Neuköllner Eingangstor an der Oder-/Herrfurth- straße kam, Mauro Luongo war schon da, um italienisches Eis und Getränke zu verkaufen. Nun hat dort der Besitzer eines benachbarten Spätkaufs eine mobile Umschlagstelle für demo-schild für mauro luongo_neuköllnErfrischendes einge- richtet – und die Ge- müter der Mauro-Fans so gehörig erhitzt, dass sie seit knapp zwei Wochen Unterschriften für die Wiederkehr des Tempelhofer Paradisos sammeln und gestern Nachmittag demo für tempelhofer paradiso_ schillerpromenade neuköllnsogar einen De- monstationszug durch den ans Feld angrenzenden Schillerkiez machten. „Un- ser Ärger richtet sich aber gar nicht mal gegen den Konkurrenten von Mauro“, stellt Heiner Uetzmann (r.), der Sprecher der Initiative, fest, „Es sind vielmehr die büro- kratischen Vorgänge, die empören und öffentlich gemacht werden sollen.“

Bereits seit 2011, sagt Uetzmann, bemühe sich Mauro Luongo beim Neuköllner Ordnungsamt um eine feste Standort-genehmigung für die Fläche neben dem Eingang zum Tempelhofer Feld. Mehrmals habe der Italiener, der seit über einem Vierteljahrhundert sein Geld mit Eiswagen verdient, bei der Behörde vorgesprochen und zwei Anträge gestellt: Bei dem vom April dieses Jahres, so Heiner Uetzmann, sei Luongo zunächst mitgeteilt worden, dass der Antrag nicht demo-organisatoren + mauro luongo_standplatz tempelhofer paradiso_tempelhofer feld neuköllnangekommen wäre. „Am 26. April wurde Mauro dann aber doch der Erhalt bestätigt.“ Als sich – außer Vertröstungen – nichts weiter tat, bean- tragte der Eisverkäufer am 28. Mai eine Überprüfung seines Antrags. Dass der Standplatz schon im April vom Bezirks- amt für drei Jahre dem Inhaber des Spätkaufs in der Herrfurthstraße zugesprochen worden war, erfuhr Luongo erst später in einer hitzigen Auseinandersetzung von eben dem. „Weshalb nicht Mauro den Standplatz bekommen hat“, so der Sprecher der Initiative weiter, „kann man nur vermuten. Tatsache ist aber, dass die Vergabe nicht so ablief, wie es üblich ge- wesen wäre.“ Deshalb wolle man nun Öffentlichkeit für die Situation demo für tempelhofer paradiso_herrfurthplatz neuköllnschaffen und alle an einen Tisch holen, um eine Einigung zu erzielen.

Über 220 Leute haben sich bereits auf der Unterschriftenliste für die Rückkehr von Mauro Luongo und seinem Eiswagen in den Kiez ausge- sprochen. Die Bereitschaft zur Betei- ligung an der Demonstration war weitaus überschaubarer: Mit Tröten, Trillerpfeifen, Megaphon und „Wir wollen Mauro zurück!“-Rufen zogen die Kinder und Erwachsenen durch die Straßen. „Wären nicht Sommerferien und Ramadan“, vermutet Heiner Uetzmann, „wären bestimmt mehr Menschen gekommen.“ Die nächste Demo werde man auf einen Samstag legen, demo-schilder für tempelhofer paradiso_neuköllnkündigt er an. Zunächst aber sollen Montagmittag um 12.30 Uhr die Unterschriftenlisten im Neuköllner Rathaus abgegeben werden.

Mauro Luongo empfängt den Demonstrationszug am überraschenderweise eiswagenfreien Eingang zum Tempelhofer Feld. Die Solidarität seiner kleinen und großen Kunden rührt ihn sichtlich. Er stehe jetzt mit dem Tempelhofer Paradiso-Wagen öfter am Columbiabad und fahre darüber hinaus Spielplätze im Bezirk an. „Vielleicht könnte ich einen Standplatz an der Charité kriegen“, sagt er, „aber lieber wäre es mir, wieder hier sein zu können, weil ich mich mit den schönen Kontakten zu Kindern, Erwachsenen und auch den Leuten von der Info-Box immer sehr wohl gefühlt habe.“ Ganz will er die Hoffnung, sich mit seinem Konkurrenten einigen zu können, noch nicht aufgeben.

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