Die Flatter gemacht

Abgesehen von farblichen Übereinstimmungen hatte das, was gestern Vormittag von Passanten in einer  Linde vor der Neuköllner  Peter-Petersen-Schule  entdeckt wurde,

entflogener graupapagei_neukölln

entflogener graupapagei_körnerkiez_neuköllnmit einer Maus gar nichts zu tun. Speck war also kein geeignetes Mittel, um das Tier wieder ein- zufangen. Womit aber lockt man einen Graupapa- gei, der die Freiheit zu allem Überfluss sichtlich zu kakadugenießen schien, von einem unerreichba- ren Ast?

Das Papageienfutter, das ein Mann aus der Nachbarschaft herbei brachte, interessierte den ausgebüxten Vo- gel kein Stück, auch seine Ansprache mit diversen Namen und Pfiffe ignorierte er. „Ich hol jetzt meinen Kofi, vielleicht kann der ihn ja zum Runter- kommen bewegen“, kündigte der Mann an und kam kurz darauf mit seinem weißen Kakadu auf der Schulter zurück.  Der sei auch schon mal abgehauen, seitdem aber eine sehr treue Seele. Eine Frau, die ebenfalls in der Straße wohnt, hatte zwischenzeitlich einen leeren, etwas angestaubten Vogel- käfig zum Ort des Geschehens gebracht. „Jetzt heißt es, geduldig zu sein“, ahnte der Kakadu-Besitzer. „Entweder kommt er oder nicht.“ Wenn nicht, dann wäre es auch kein Problem: Futter finde er bis zum Herbst genug, er müsse eben nur aufpassen, dass er nicht von den Nebelkrähen plattgemacht wird: „Die kennen da ja nix.“