Auf dem Sprung in die Zukunft: ein ehemaliger Neuköllner Standortfriedhof wird zum Lilienkulturgarten

feierhalle_friedhof lilienthalstraße neuköllnAls die Dunkelheit begann, sich über Deutschland zu legen, begann auch die Geschichte des Friedhofs Lilienthalstraße. 1938 erhielt der Berliner Architekt Wil- helm Büning den Auftrag für dessen Gestaltung. Auf dem 98.467 Quadratmeter großen Gelände zwischen dem Volkspark Hasenheide und der Lilienthalstraße ließ Büning eine Ehrenhalle errichten. Es ist ihm street view neukölln, lilienthalstraße, neukölln, friedhof lilienthalstraßegelungen, das Gebäude der damaligen Architektur anzupassen, mit der einfachen, symmetrische Anordnung des In- nenraumes aber die Strenge und protzige Form abzuschwächen.

Zahlreiche Opfer des 2. Weltkrieges liegen auf dem ehemaligen Standortfriedhof begraben. Gegen das Vergessen wurden in der Nähe des mächtigen Eingangsportals zum Friedhof zwei Gedenksteine aufgestellt: Der linke trägt die Inschrift „Den Toten im Osten“, auf dem rechten Stein liest man friedhof lilienthalstraße_neukölln„Gegen Krieg und Gewalt. Es mahnen die Opfer von Vertreibung, Verschleppung, Ver- gewaltigung und Zwangsarbeit. Unschul- dige Kinder und Mütter, Frauen und Mäd- chen. Ihre Leiden in den Wirren des 2. Welt- krieges sollen unvergessen bleiben – um friedhof lilienthalstraße neuköllnzukünftiges Leid zu verhindern“. Manche dieser Opfer bekommen durch die Initiative ihrer Angehörigen Namen und Gesichter. Doch das offizielle Gedenken dominiert: Am Mausoleum ist ein Stein – gestaltet wie ein Opfertisch – mit Kupferplatten, die Gefallene im 2. Weltkrieg namentlich aufführen. Noch heute wird ihnen auf dem Areal am Tag vor dem Volkstrauertag mit Kranzniederlegungen street view neukölln, lilienthalstraße, neuköllnund Fackelzug gedacht.

In der öffentlichen Wahrnehmung spielte der Friedhof an der Grenze zwischen Neu- kölln und Kreuzberg lange keine Rolle. Eine Auseinandersetzung mit seiner Ge- schichte fand nicht statt. Nun aber soll sie beginnen und der Friedhof von der Ver- gangenheit in die Zukunft geführt werden.  Denn wie die Friedhofsverwaltung Neukölln mitteilt, werden Beerdigungen nur noch bis 2030 stattfinden, neue Grabstellen werden bereits jetzt nicht mehr vergeben. Knapp ein Viertel der Gesamtfläche, 23.900 Quadratmeter, sollen langfristig für Grünfläche und Wald genutzt werden: „Diese Teilnutzung ist behördlich vorgegeben“, teilt Petra Roland von der Pressestelle lilienkulturgartender Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz mit.

Ein erster Schritt für das Umdenken des landeseigenen Friedhofs Lilienthal-straße wurde mit dem Übertragen der Nutzung an den Verein Nike – Polnische Unternehmerschaft gemacht:  Im Rahmen des Berliner Themenjahrs „Zerstörte Viel- falt“ zeigte er in der Feierhalle die Wan- derausstellung „Die polnische Minderheit im KZ“, die an Aktivistinnen und Aktivisten in den Konzentrationslagern Sachsen-hausen und Ravensbrück erinnert. Anlässlich des Kunstfestivals 48 Stunden Neu- kölln wartete der Verein mit einem Programm auf, das den „Unort deutscher Ge- friedhof lilienthalstraße_48 stunden neuköllnschichte“ mittels verschiedener künstle- rischer Projekte zur Diskussion stellte.

In der vom Nike e. V. betriebenen Enklave auf dem Friedhofsgelände solle die Histo- rie, speziell auch dieses Friedhofs als ehemaliger „Heldenfriedhof“, und die Un- menschlichkeit des Krieges sichtbar ge- macht werden. Vor allem jüngere Men- schen wolle man erreichen, die hier vor Ort und mit zahlreichen Aktionen Geschichte und deren Folgen erfühlen und erleben können, führt die Vereinsvorsitzende Lucyna Jachymiak-Królikowska aus. Dies geschehe in Zusammenarbeit mit dem Bezirksamt feierhalle_landeseigener friedhof lilienthalstraße_neuköllnNeukölln und dem Denkmalpflegeamt.

Bereits im August und September werden auf dem Gelände unter dem Motto „Vom Friedhof zur Kulturstätte“ zwei internationale SCI-Workcamps veranstaltet, durch die die Umgestaltung zum Lilienkulturgarten vor- angetrieben werden soll. Als Kulturstätte mit Seminar- und Proberäumen, einem großen Raum für Veranstaltungen und wechselnde Ausstellungen, so die Vision des Nike e. V., soll der ehemalige Standortfriedhof in die Zukunft gehen.

Wie soll sich so ein Trubel mit einer Ruhe auf einem Friedhof vereinbaren? Leben und Tod gehören zusammen. Um seine eigene Lebendigkeit zu spüren, das Leben zu erleben, gibt es keinen geeigneteren Ort als einen Friedhof.

=Gabi Heuze=