Weit hinter dem Original zurück

„Ihr Name ist Judith Kepler. Sie arbeitet bei einer Gebäudereinigungsfirma mit Namen Dombrowski Facility Management in Berlin-Neukölln.“ Schon in Elisabeth Herrmanns Krimi  „Zeugin der Toten“ spielt Neukölln nur eine unbedeutende Neben- rolle. Im gleichnamigen Film, der nach Herrmanns Romanvorlage entstand und gestern im ZDF gesendet  wurde, ist  Dombrowskis Firma irgendwo in Berlin und der

elisabeth herrmann_zeugin der toten

Plot auf eine Aneinanderreihung von Irgendwies zurechtgestutzt. Während die spannende Story um die Tatortreinigerin Judith Kepler, die bei einem ihrer Einsätze auf beängstigende Puzzleteile der eigenen Vita stößt, im Roman durch literarische Stilmittel noch funktioniert und den Leser mitnimmt, lässt der Film den Zuschauer streckenweise fragend und mit dem Eindruck des arg Konstruierten zurück. Das betrifft jedoch nicht nur die Handlung, die tief ins Netz von Stasi und BND und zu den Rosenholz-Dateien führt, sondern auch die Besetzung: Ob sich, wer vorher Elisabeth Herrmanns Buch las, dessen Protagonistin Judith Kepler wie Anna Loos vorgestellt hatte, ist eine rein subjektive Angelegenheit. Objektiv aber passte die Schauspielerin weder in die Rolle einer, die vor 25 Jahren eine Achtjährige war, noch zu anderen Hauptdarstellern, die vor einem Vierteljahrhundert die Stufe vom Kind zum Er- wachsenen längst übersprungen hatten. Fazit: Lieber  lesen  als gucken!

=ensa=