„Werkstatt Stadtkultur“: Dorothea Kolland öffnet ihre Schatztruhe

Wer Dorothea Kollands Nachfolge an der Spitze des Neuköllner Kulturamts antritt, steht noch nicht fest. Bis der oder die Neue gefunden ist und tätig wird, könne es durchaus noch bis zum Sommer dauern, meint Bettina Busse, Kollands ehemals engste Mitarbeiterin, die den Posten vorerst kommissarisch übernommen hat. „Nach 31 Jahren eine Arbeit aufzugeben, für die man brennt“, so die Neu-Rentnerin, „ist nicht einfach. Vor allem aber bin ich dankbar dafür, dass mir ein Aufgabenbereich anvertraut war, in dem ich sehr viele Gestaltungsmöglichkeiten hatte und in dem kolland_werkstatt stadtkulturEntwicklung möglich war.“

Ihre Erfahrungen hat Dorothea Kolland nun in dem Buch „Werkstatt Stadtkultur“ zusam-mengetragen. Nein, stellt die 65-Jährige gleich im Vorwort fest, das Werk sei „kein Buch über Neukölln oder dessen Kultur-arbeit“, „keine Gebrauchsanweisung für kulturpolitisches Agieren“, „keine theore- tisch-wissenschaftliche Analyse“ und es er- zähle auch „keine Geschichten“.

Was aber ist es dann? Zuallererst eine Schatztruhe voller Texte aus über 15 Jahren, die für Dorothea Kolland Grundlage von Vorträgen waren und in diversen Publika-tionen veröffentlicht wurden. Reflektierend und selbstevaluierend arbeitet sich die re- nommierte Kulturpraktikerin durch die Palette der Themen, die unter den Oberbegriffen Kunst, Kultur, Bezirksgeschichte und Stadtentwicklung ihre Amtszeit prägten und meist eng mit Aspekten des Inter- kulturellen verknüpft waren. Zugleich ist die kommentierte Aufsatzsammlung die (selbst)kritische Inspektion eines Arbeitslebens, dessen mannigfaltige Erfahrungs- schritte im Buch ebenso transparent werden wie Lern- und Umdenkprozesse, die vor dem Hintergrund eines sich ständig verändernden Bezirks notwendig wurden.

„Heute“, findet Dorothea Kolland, „ist er bunt, laut, widersprüchlich, arm – und zu- gleich unendlich reich an Menschen, die den neuen Spirit of Neukölln prägen.“ Weltbürger nennt sie sie, und die Kulturlandschaft Neuköllns eine „Melange der alten Unangepasstheit und der neuen Internationalität“.

Auch wenn „Werkstadt Stadtkultur“ kein Buch über Neukölln und dessen Kulturarbeit sein soll, ist es das doch – und sehr aufschlussreich. Zudem tun diejenigen, die in Kollands berufliche Fußstapfen treten wollen, gut daran, sich mit dem gedruckten belastbaren Erfahrungswissen der Vorgängerin zu beschäftigen. Patentrezepte für eine erfolgreiche Zukunft gibt sie ihnen nicht mit auf den Weg, wohl aber die Erkenntnis, dass die „große Herausforderung von Stadtkulturarbeit ist, dass sie immer vor neuen Aufgaben  steht und es  nie fertige Rezepte  gibt.“

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