Vorbildlich, aber nur eine Ausnahme von der Regel

Dieser Tage an einer der Kreuzungen entlang der Sonnenallee in Neukölln. Ver- kehrsteilnehmer, die aus der Seiten- auf die Hauptstraße abbiegen wollen, haben die Lizenz zum Rollen, die fußgängerampel_neuköllnFußgängerampel mahnt entsprechend mit tiefstem Rot zum Stehenbleiben. Vier Erwachsene tun das auch, geben trotz Schneetreibens vorbild- lichste  Vorbilder für den etwa 10-jährigen Jungen ab, der ihnen gegenüber steht. Jedenfalls sekundenlang. Dann entschei- det er sich – nach einem kurzen Blick in Richtung der Wartenden und einem noch kürzeren in die Seitenstraße – die rote Ampel rote Ampel sein zu lassen und überquert mit aller Aufmerksamkeit für das Display seines Handys die Straße. Nichts passiert, Glück gehabt. Die Frage einer jungen Frau, ob er glaube, dass seine Eltern Spaß daran hätten, ihn im Krankenhaus oder auf dem Friedhof zu besuchen, bleibt unbeantwortet – und vielleicht wegen der Kopfhörer auf den Ohren sogar ungehört.

Weniger Glück hatten zwei Jungen, die gestern Abend in der Flughafenstraße von einem LKW erfasst und schwer verletzt wurden. Ob sie selber die Schuld am Unfall tragen, ist derzeit noch unklar. Fakt ist aber laut einer Sonderuntersuchung „Verkehrsunfälle mit Kindern in Berlin“ im Rahmen der Verkehrsunfallstatistik 2011: „Mit einem Anteil von ca. 67 % waren Kinder (734 Verursacher) durch falsches Verhalten im Straßenverkehr selbst Verursacher der Verkehrsunfälle.“ Größte Gruppe ist dabei die der 11- bis 14-Jährigen (382 Verursacher). Außerdem ergab die Untersuchung, dass in zwei von drei Fällen Jungs Unfallverursacher sind und „fast jedes fünfte (18,64%) verursachende Kind als Fußgänger beim Missachten von Lichtzeichenanlagen“ zu verzeichnen ist. Insgesamt betrachtet, so die Untersuchung, unterscheiden sich Kinder in ihrem Fehlverhalten aber nicht wesentlich vom Fehl- verhalten anderer Altersgruppen.

=ensa=

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