„Neukölln, Neukölln“: very british und sehenswert

Als Kreative noch überall anders als in Neukölln ihre Zelte aufschlagen wollten, war der Künstler  John C. Barry  längst da. Bereits 1990 zog der gebürtige Brite in den Norden des Bezirks und ist somit etwas wie der Pionier der Pioniere.

Um seinen Werken gegenüberstehen zu können, muss man nicht mal in eine Galerie gehen. 2003 erhielt Barry von der Wohnungsbaugesellschaft Stadt und Land, die über 2.000 Wohnungen im Rollbergkiez  besitzt, den  Auftrag, gemeinsam mit  Bewohnern

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des Viertels ein Kunstprojekt zu realisieren. Seitdem ziert eine Gruppe lebensgroßer, Anwohnern nachempfundener Holzfiguren die Ecke Morus-/Werbellinstraße. Um Bilder von John Clifford Barry zu sehen, musste man den Bezirk oder gleich Berlin verlassen; neun Jahre liegt die letzte Ausstellung in einer Neuköllner Galerie john c. barry, neukölln-ausstellung, galerie im saalbau neuköllnbereits zurück. Nun zeigt der 56- Jährige sie endlich mal wieder in seiner Nachbar- schaft. Um eben die geht es auch vorrangig bei den Werken, die seit einigen Tagen unter dem programmatischen Titel „Neukölln, Neukölln“ in der Galerie im Saalbau hängen.

Natürlich ist ein Bild des Rollbergkiezes dabei, doch lieber lässt John C. Barry sich john c. barry, neukölln-ausstellung, galerie im saalbau neuköllnoffenbar vom Treiben auf der Karl-Marx-Straße oder Neuköllns urbaneren Vierteln inspirieren. So ent- stehen mit Pinsel und Acrylfarben Gemälde voller john c. barry, neukölln-ausstellung, galerie im saalbau neuköllnliebevoll-ironischer De- tails, die Kurzgeschich- ten erzählen, Mileu- studien wiedergeben, vor Lebensgefühl strot- zen und stilistisch von Barrys sehr speziel- lem Realismus ge- prägt sind. Auf Verzerrungen – sowohl bei Menschen als auch bei Perspektiven – setzt der in London geborene Künstler, um das oft john c. barry, neukölln-ausstellung, galerie im saalbau neuköllnGroteske des Alltags in Neukölln auf Papier, Holz oder Leinwand zu veranschaulichen. „Neukölln“, findet  John C. Barry, „ist eine Art Mikrokosmos und niemals langweilig.“ Als Künstler/Mensch interes- siere er sich für fast alles auf dieser Erde (außer für Pädophilie und Leichtathletik), und „hier in Neukölln john c. barry, neukölln-ausstellung, galerie im saalbau neuköllnbin ich sehr gut be- dient, was Themen und Inspiration angeht.“

Dass er bei weitem nicht nur im näheren Umfeld sondern auch im Weltgeschehen auf Themen mit inspirierender Wirkung stößt, beweisen Barrys Bilder und Objekte im hinteren Raum der Galerie. Hier verlässt der Künstler die für seine Neukölln-Bilder typische Position des eher neutralen Beobachters und bezieht Stellung: zum Beispiel mit seiner „Modernen Madonna“, für dessen Heiligenscheine aus Patro- nenhülsen John C. Barry ein beachtliches Waffenarsenal verarbeitete.

John C. Barrys Ausstellung „Neukölln, Neukölln“ ist  noch bis zum 17. Juni  in der Galerie im Saalbau zu sehen. Geöffnet ist sie von  Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 20 Uhr.

=ensa=

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