Omnipräsent in Neukölln: Geheimnisträger Tagesspiegel

Nach der Geschäftsaufgabe eines Ladens in akzeptabler oder besserer Kiezlage kam es in Nord-Neukölln im letzten Jahrzehnt normalerweise zu folgendem Szenario: Irgendwann wur- den die Schaufenster mit türkischen oder arabischen Zeitungen abgeklebt und hinter dem Sichtschutz begannen die Vorbereitungen für die Eröffnung eines Handyshops oder eines als Kulturverein, Imbiss oder Spätkauf getarnten Spielcasinos. Beliebt waren die neuen Nachbarn bei niemandem.

Heute dagegen sind es meist im stattlichen nordischen Format ge- druckte Tagesspiegel-Ausgaben, die vorübergehend verbergen, mit wel- chem Geschäftsmodell es der Neu- mieter versuchen will. (Die Berliner Morgenpost sieht man – obwohl gleich groß – seltener, andere Berliner Tageszeitungen wegen ihrer kleineren Formate kaum.) Ist die Phase der Renovierung und mit ihr die der Geheimniskrämerei vorbei, wird das bedruckte Papier entfernt und der Blick auf ein neues Café, eine Galerie oder ein Designer-Atelier frei. Auch diese Branchen sind den Anwohnern nicht per se will- kommen, sondern für manchen ein Synonym für Gentrifizierung. Beliebter als Daddelbuden sind sie in aller Regel aber doch.

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Regen, Hagel, Kälte, Böen und rare Lichtblicke

2. ostermarkt schillerkiez, pro schillerkiez e.v., schillermarkt, neukölln, wetter-kapriolenWodurch nur, fragen sich die Leute vom Pro Schillerkiez, haben wir es uns mit dem Wettergott so dermaßen versaut? „Bei unserem Adventsmarkt am 26. November war es wärmer“, meint Beate Hauke, die Vorsitzende des Vereins, und liegt damit richtig.  Damals schaffte es die Temperatur locker über die 5 Grad-Hürde, vorgestern 2. ostermarkt schillerkiez, pro schillerkiez e.v., schillermarkt, neukölln, grognicht. So geriet der am Oster- samstag vom Pro Schillerkiez veranstaltete Ostermarkt auf dem Neuköllner Herrfurthplatz zu einer skurrilen Mischung aus Winter- und  Frühlings-Event.

Heißer Grog, leuchtende Primeln, Sonnenbrillen, Hand- schuhe, Regenschirme und Wetter in seiner ganzen Viel- falt – wer Gegensätze mag, 2. ostermarkt schillerkiez, pro schillerkiez e.v., schillermarkt, neukölln, japanische kirschehatte reichlich Gründe, sich auf dem Markt wohlzufühlen. Doch viele waren es nicht, die das Kontrastprogramm zu schätzen wussten. „Der Markt war einfach kein Ort, an dem man sich gerne längere Zeit aufhalten wollte“, muss Beate Hauke einräumen. Noch härter als die Besucher, die nach eigenem Gutdünken kommen und gehen konnten, traf es aber die Menschen hinter den Marktständen, die Kunst, Handarbeiten, Gebasteltes und Selbstgebackenes oder -gekochtes unters Volk bringen wollten.

Während sich die professionellen Markthändler, die Woche für Woche auf dem Markt im Schillerkiez ihre Produkte anbieten, längst an Wetter-Kapriolen und die 2. ostermarkt schillerkiez, pro schillerkiez e.v., schillermarkt, neuköllndortigen äußerst ungemütlichen Windverhältnisse gewöhnt haben, wurden sie für die Amateure zur Herausforderung. „Was wir vergessen haben, sind Styroporplatten zum Draufstellen, gegen die Kälte von unten“, bedauert Christian Hoffmann vom Pyrami- dengarten Neukölln. „Und das Bedrucken der Etiketten per Tintenpisser war auch 2. ostermarkt schillerkiez, pro schillerkiez e.v., schillermarkt, bio-honig pyramidengarten neukölln, neuköllnkeine gute Idee.“ Eini- ge der Chutney-, Honig- und Marmeladengläser haben ziemlich unter den Regen- und Hagelschauern gelitten, die vom Wind quer  durch die Stände gedrückt wurden. Andere packten gar nicht erst ihr komplettes Sortiment aus oder gaben vorzeitig entnervt, durchge- 2. ostermarkt schillerkiez, pro schillerkiez e.v., schillermarkt, neuköllnfroren und mit von der Feuchtigkeit lädierten Bildern auf. Auch dem Pro Schillerkiez-Infostand musste zwischendurch wieder zu Stabilität ver- holfen werden – bis eine Böe ihn knapp zwei Stunden vor dem Ende des Markts völlig zerlegte.

„Das mit dem Wind ist auf der östlichen Seite des Herrfurthplatzes ein großes Problem“, sagt Beate Hauke. Kommt der vom Tempelhofer Feld, drückt er sich  an der Genezareth-Kirche vorbei durch die Herrfurth- in Richtung Hermannstraße. Noch kritischer ist es, wenn – wie Samstag – mehr als ein laues Lüftchen aus Nordwest weht und mit der Schillerpromenade eine weitere Schneise ins Spiel kommt. Das Ergebnis sind kräftige Turbulenzen auf dem Marktplatz. Der vorgestern erstmals von der Markt- verwaltung Perske gestartete Versuch, den Wind durch einen parkenden LKW zu stoppen, kann wohl nur als gescheitert betrachtet werden. Effektiver wäre es sicher, wenn der Markt ganz auf die gegenüberliegende Seite umzöge, wo es meist 2. ostermarkt schillerkiez, pro schillerkiez e.v., schillermarkt, neuköllnerheblich windstiller und zudem länger sonnig ist – wenn die Sonne scheint.

Dass der Ostermarkt bei besseren äuße- ren Bedingungen für die Händler lukra- tiver  und die Besucher attraktiver ge- wesen wäre, wissen die Organisatoren des Pro Schillerkiez. Schließlich haben sie es beim ersten Ostermarkt im letzten Jahr 2. ostermarkt schillerkiez, pro schillerkiez e.v., schillermarkt, neuköllnerlebt, bei dem T-Shirt-Wetter herrschte, die Sonne mit den Mienen der Marktbesucher um die Wette strahlte, die Hasen in ihren Plüschkostümen schwitzten statt froren und die Mühen der wochenlangen Vorberei- tungen mit einem schönen Fest belohnt wurden.

Auch den Stress der Organisation eines kleinen Kulturprogramms hätten sich die Veranstalter rück- blickend für die zweite Ostermarkt-Auflage sparen können. Für die Tontechnik, die  die Sängerin Milistu für ihre Chansons und die Teilnehmer einer Schreibwerkstatt für ihre Lesung gebraucht hätten, war es unter freiem Himmel zu nass. Für die Outfits der Familie Khajuria, die auf dem Markt indische Tänze präsentieren wollte, zu nass und zu kalt. „Hätte es nicht kurzfristig die Möglichkeit gegeben, die Auftritte nach nebenan ins Café Selig zu verlegen“, so Hauke, „hätten wir sie ganz absagen müssen.“ Dem Streben der Veranstalter, die Attraktivität des Schillermarktes durch künstlerische und kulturelle Angebote zu steigern, half es dort aber gewiss nicht.

Im nächsten Jahr fällt der Ostersamstag auf den 30. März. Damit steht also schon jetzt fest, dass der dritte Ostermarkt  launischem April-Wetter knapp entgehen wird.

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Feliĉan paskon!

bemalter wohnwagen, neukölln

Feseh Magied! Fuhuo Jie Kuai Le! Glaedelig Påske! Happy Easter! Hauskaa Pääsiäistä! Joyeuses Pâques! Kali Anesti! Buona Pasqua! Vrolijke Pasen! Wesol`ych S`wia`t! Paşte fericit! Feliz Páscoa! Posdrovlaju s Paschoy! Glad Påsk! Srećan Uskrs! Za veliko noc vse najboljse! Veselé velikonoce! Feliz Pascua! Oder eben einfach: Frohe Ostern!

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Gipfeltreffen am Neuköllner Richardplatz

weltfriedenswanderer stefan horvath, frank zander, cbs rixdorf, neukölln„Alle Achtung vor dem, was du machst, aber für mich wäre das nichts“, stellt Frank Zander an- erkennend fest. „Dit würden meine Beene nicht mitmachen.“ Gerade hat der 70-Jährige von Stefan Horvath erfahren, wel- ches Pensum der für seine Mission absolviert. Der kleine, drahtige Mann nennt sich Welt- friedenswanderer, seit er vor mehr als zwei Jahrzehnten sei- nen Job als Bauunternehmer, das geregelte Einkommen und die Vorzüge eines konventionellen Lebens in Wien hinter sich gelassen hat. Seitdem führt der heute 54-Jährige ein Nomaden-Dasein und schläft – statt im eigenen Bett – immer woanders. „Aber Berlin/Brandenburg ist schon so etwas wie weltfriedenswanderer stefan horvath, cbs rixdorf, werkschau frank zander, neuköllnmeine Homebase“, sagt er.

Die Zahlen, die Horvath nennt, beeindrucken – auch Frank Zander. Bis zu 100 Kilometern schaffe er am Tag, rund 49.000 Kilometer habe er bisher insgesamt in seiner Laufbahn als Weltfriedenswanderer  zurückge- legt und dabei 42 Paar Schuhe verschlissen. „Und was machst du, wenn du neue brauchst?“, erkundigt sich Zander. Dann gehe er in ein Sportfachgeschäft und frage den Geschäftsführer, ob er das Laufen für den Weltfrieden nicht mit einem neuen Paar Wanderstiefel unterstützen will. So sammle er sich seine komplette Ausstattung, Lebensmittel und auch sein Taschengeld zusammen. Letzteres benötige er, um nicht in Parks oder unter Brücken schlafen zu frank zander-werk mit widmung, weltfriedenswanderer stefan horvathmüssen: „Das wäre mir zu hart und zu gefährlich.“ Diesen Rest Komfort will der Österreicher sich in seiner selbstgewählten Askese erhalten.

Wenn es um andere Menschen geht, ist Stefan Horvath das Gegenteil von bescheiden. Genau wie Frank Zander, der sich seit 1995 für Obdachlose einsetzt, immer auf der Suche nach Sponsoren für das alljährliche Obdachlosenfest ist und jüngst die Spendensammlung für das Caritas-Arztmobil un- terstützte. Wegen dieses Engagements wollte der Weltfriedenswanderer ihn auch unbedingt kennen lernen, nicht wegen der Erfolge als Sänger und Entertainer. So entstand die Idee, für den Karfrei- tagnachmittag ein Gipfeltreffen der beiden Altruis- ten in der CBS-Rixdorf-Galerie am  Richardplatz frank zander-werk "musik bading", cbs rixdorf, neuköllnzu organisieren, wo eine Werkschau Zanders Talent als Maler und Grafiker zeigt. Es sind vor allem die dort ausgestellten Ham- burg-Motive, die es Stefan Horvath angetan haben. „Hamburg“, erzählt er, „ist meine nächste Station.“

Das anschließende Gespräch über die Spenden- sammelei gleicht einem Crash-Kurs für angehende Fundraiser: Bei Kreativen habe man es leichter, weil die meist sozialer seien, ist Frank Zanders Erfahrung. Horvath stimmt ihm zu. Bei der Spendenakquise in großen Unternehmen greife er zu einem anderen Trick: „Denen mach ich ein schlechtes Gewissen.“ Horvath grinst. Sein Stichwort „Weltfrieden“ sei schon etwas wie eine Trumpfkarte: „Wer will den nicht?“ Abgesehen vielleicht von allen, die von einer guten frank zander-werk "apfel vor venedig"Auftragslage  der Rüstungsindustrie profitieren. Zu- dem helfe ihm beim karitativen Einsatz für seine Projekte, die von Krankenhausbetten für Afrika über Kinderhilfe in Osteuropa bis hin zum Anti-Nazis-Engagement in Deutschland reichen, natürlich die Popularität, die ihm als Weltfriedenswanderer zuteil wird.  Frank Zander nickt: „Aber das Wichtigste ist doch, dass man seine Ideen verwirklicht. Und das vehement.“ Wenn jeder in seiner Form helfe und alle, die etwas abgeben können, die Freude am Abgeben für sich entdecken würden, wäre schon vielen geholfen, sind beide überzeugt.

Stefan Horvath muss weiter. Stolz verstaut der Rastlose den „echten Zander im wandergepäcktauglichen Kleinformat“ mit der persönlichen Widmung, die ihm „viel cbs rixdorf, werkschau frank zander, frank zander mit fans, neuköllnGlück beim Loofen“ wünscht, in seinem Rucksack. „Wir sehen uns wieder!“, versprechen sie sich zum Abschied.

Gesehen wurde inzwischen auch von vielen Passanten, dass der Meister höchstselbst zwischen seinen Kunst- werken anzutreffen ist. Mancher nutzt die Gelegenheit, sich eine handsig- nierte CD zu kaufen. Mit anderen entwickeln sich spannende Gesprä- che über die Vergangenheit, den Ist-Zustand und die Zukunft des Kiezes. Frank Zander, der hier seine Kindheit verbrachte, kennt ihn bestens. Nebenan in der Villa Rixdorf, erzählt er, habe er seinen 70. Geburtstag gefeiert, den er eigentlich – wegen des Bammels vor der 7 – gar nicht feiern wollte: „Dann war’s aber richtig schön und nach 10 Minuten war die Zahl vergessen.“ Sie habe schon für nachher einen Tisch reserviert, sagt seine Frau Evi. „Ohne Fleisch leben, wie Stefan, das könnte ich ja auch nicht“, gibt Frank Zander zu. Es ist also nicht nur eine Frage der Beine.

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Schön für die Neuköllner, teuer für den Bezirk

Sechs Monate lang lag der Körnerpark im Winterschlaf. Damit ist es nun vorbei. Die Beete der denkmalgeschützten Neuköllner Gartenanlage sind neu bepflanzt, die brunnenanlage körnerpark neuköllnBäume und Sträucher gestutzt, die Grünflächen ohne Herbstlaub und kleine Schönheitsreparaturen erle- digt. Seit gestern Mittag ist auch erneut in Betrieb, was als ultimatives Indiz für den Beginn der Sommer- saison gesehen werden darf: der Brunnen vis-à-vis der Orangerie.

Bis Oktober können sich die Besu- cher des Körnerparks wieder an den Wasserspielen erfreuen, die täglich von 12 bis 20 Uhr geschaltet sind. Im alternierenden Dreier-Rhythmus, wie Stadtrat Thomas Blesing nach seinem „Wasser marsch!“-Kommando erklärte. Eine Stunde wasser marsch, auftakt brunnensaison 2012, stadtrat thomas blesing, körnerpark neuköllnlang seien die Wassersäulen der Hauptfontäne zu sehen, danach sprudeln für jeweils eine Dreiviertelstunde die Kas- kaden in den terrassenartig an- gelegten Becken und die Quelle.

Rund 20.000 Euro investiert der Bezirk Neukölln in das nasse Vergnügen – pro Saison und Brunnen. „Und das sind nur die normalen Betriebskosten“, sagt der Stadtrat für Bauen, Natur und Bürgerdienste. „Bei Reparaturen“, ergänzt Bernd Kanert, Leiter des Neuköllner Natur- und Grünflä- chenamts, „kommt leicht noch mal der gleiche Betrag dazu.“ Die mit normalem Stadtwasser gespeisten Wasserspiele im Körnerpark führen ob ihrer Übernutzung und Zweckentfremdung die Hitliste der unkalkulierbaren Zusatzkosten der bezirks- finanzierten Brunnen konkurrenzlos an. Die filigrane Technik mit Düsen und Pumpen sei vor allem im Hochsommer, wenn der Park von vielen als Freibadersatz genutzt wird, förmlich einem Dauerbelastungstest ausgesetzt, sagt Kanert: „Was meine hauptfontäne körnerpark neuköllnMitarbeiter dann alles aus dem Wasser holen müssen, ist unglaublich.“ Spielzeug, Zeitun- gen, Flaschen, Socken. Es gäbe kaum etwas, was noch nicht die Siebe verstopfte. Verhin- dern ließe sich das nur, indem man die Ordnungsamt-Patrouillen verstärke, meint Tho- mas Blesing, aber „die haben Wichtigeres zu tun als erholungsbedürftige Neuköllner aus Grünanlagen zu verscheuchen.“ Und die rund 60 Mitarbeiter im operativen Bereich des Natur- und Grünflächenamts könnten auch nicht überall sein, da sie bezirksweit für die Pflege der Straßenbäume, Spielplätze und anderer Gartendenkmäler zuständig seien.

Selbstverständlich, sagt Blesing, hätte es auch für Neukölln die Option gegeben, wie andere Bezirke die Betriebskosten für die Wasser- anlagen durch ein Brunnensponsoring der Wall AG einzusparen: „Der Preis dafür wäre aber ein Mehr an Wall-Straßenwerbung gewesen und dagegen gab es einen parteiübergreifenden Konsens.“ In monetärer Hinsicht sei es also durchaus von Vorteil, dass nur noch sechs der ursprünglich neun Brunnen im Bezirk in Betrieb sind: Die im Körnerpark, vor dem Neuköllner Rathaus und im Von-der-Schulen- burg-Park sprudeln zulasten der Bezirkskasse, die im Britzer Garten, vor dem Schloss Britz und auf dem Parkfriedhof auf Kosten anderer.

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Prokrastination leicht gemacht

Für Neuköllner, die etwas auf die lange Bank schie- ben wollen, sind die Mög- lichkeiten beschränkt, das innerhalb des Bezirks zu tun. Auch die vor 34 Jahren von den Partnerstädten An- derlecht, Boulogne-Billan-court, Hammersmith, Mari- no und Zaanstad gespen- dete Bank im Rathaus Neukölln ist  – wenn über- haupt – nur unwesentlich länger als eine handels- übliche Parkbank.

Geradezu himmlische Be- dingungen bieten sich eif- rigen Prokrastinierern da- gegen am Bahnhof Süd- kreuz im Nachbarbezirk Tempelhof-Schöneberg. Dass deshalb dort alles ein wenig länger dauert als in Neukölln, darf aber bezweifelt werden.

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In Britz geht’s rund – auch um’s Ei

Die Britzer Bäume halten sich noch ziemlich zurück, was das Grünen und Blühen betrifft. Unter ihnen liefen hingegen noch bis heute Mittag die Vorbereitungen für die 58. Britzer 58. britzer baumblüte, neukölln, fahrgeschäft take offBaumblüte auf Hochtou- ren. „Was hier passiert, ist eine logis- tische Meisterleistung, die nur durch die unkomplizierte Art der Schau- steller klappt“, sagt Thilo-Harry Wol- lenschlaeger, der zusammen mit dem Bürgerverein Berlin-Britz Veran- stalter des traditionsreichen Rum- mels ist. Die komplette Infrastruktur mit Buden, Karussells, LKWs, Tech- nik und Wohnmobilen habe bis Sonntagnacht noch beim Volksfest in Spandau gastiert. Nun ist sie für 2 1/2 Wochen in die direkte Nachbarschaft des Gutsparks Britz gezogen.

58. britzer baumblüte, neukölln, riesen-osterhase, paulys action teamHeute um 18 Uhr wird Falko Liecke, Neuköllns Stadtrat für Jugend und Gesundheit und zugleich stellvertretender Bezirksbürgermeister, auf der Bühne an der Löwenhütte den Rummel mit dem Fassbieranstich feierlich eröffnen. Schon vier Stunden vorher begann auf dem Festplatz hinter dem größten Osterhasen der Welt das Vergnügen für die Besucher. Rund 40 Schausteller erwarten sie mit rasanten bis gemächlichen Fahrgeschäften, Los-, Wurf- und Schießbuden sowie süßen und deftigen Jahr- markt-Leckereien. Mittwochs gibt’s den Spaß wegen des Familientags sogar zu reduzierten Preisen, täglich und zum Nulltarif wird dem Publikum dagegen bis zum 22. April ein buntes 58. britzer baumblüte, neukölln, riesen-ostereier-malwettbewerbBühnenprogramm geboten.

Bunt sind auch die Beiträge, mit denen sich sieben Neuköllner Schulen am Volksfest beteiligen. „Anfangs“, erzählt Thilo-Harry Wollenschlaeger, „haben wir die Riesenostereier von Künstlern gestalten lassen. Seit drei 58. britzer baumblüte, neukölln, riesen-ostereier-malwettbewerb, 1. gemeinschaftsschule neuköllnJahren machen das Schul- kinder.“ Besonderer Anreiz sei, dass sie mit ihren österlichen Kunstwerken et- was gewinnen können, er- klärt Pauly, der mal als Clown und diesmal als Osterhase für Wollenschlaeger tätig ist und die Riesenostereier-Aktion betreut: „Die Besucher sind die Jury und stimmen ab, welches Ei das 58. britzer baumblüte, neukölln, riesen-ostereier-malwettbewerb, sonnen-grundschule klasse 4b, memory-ostereischönste ist und den Wett- bewerb gewinnt.“

Etwas sehr Originelles haben sich die Kinder der 4b der Sonnen-Grundschule für ihr Ei einfallen lassen. Dessen Besonderheit erschließt sich jedoch erst bei genauem Hinsehen. „Unser Ei ist ein Memory-Ei“, lüftet Klassen- 58. britzer baumblüte, neukölln, riesen-ostereier-malwettbewerb, schule am zwickauer dammlehrerin Ulrike Winkler das Geheimnis. Jeder der Ha- sen, die erst von den Schü- lern per Bleistift mit Schab- lonen aufgetragen und dann ausgemalt wurden, habe ein identisches Gegenstück  auf dem grasgrünen Ei. Anschließend wurde es mit Lack wetterfest gemacht.

Drei weitere noch weiße Rieseneier, kündigt Pauly an, können von den Besuchern der Britzer Baumblüte bemalt werden. Die würden aber nicht am Wettbewerb teil- nehmen. Hätte einer der Maler den Einfall, Star Wars-Motive auf das Ei zu pinseln … „Das wär’s“, schwärmt Pauly. Und auch Thilo-Harry Wollenschlaeger dürfte daran Gefallen finden, weist ein solches Science Fiction-Ei doch in die Zukunft. Ein 58. britzer baumblüte, neuköllnbeliebter Rummel sei schließlich einer, der sich mit einem Miteinander von Tradition und Fort- schritt präsentiert: „Deshalb bin ich immer sehr offen für neue Ideen.“ Eine, die bereits umgesetzt wurde und wird, ist die Castingshow „Britz sucht das Super- talent“. Man könne zu solchen Formaten ja stehen, wie man will, aber bei Publikum und Kandidaten kämen sie gut an, und das sei es letztlich, was zählt.

Was beim auf dem etwa 20.000 Quadratmeter großen Areal der Britzer Baumblüte ebenfalls immer gut ankommt, ist schönes Wetter. „Das ist das Wichtigste bei allen Volksfesten“, weiß der erfahrene Schausteller Wollenschlaeger. „Wenn es mitspielt, können wir uns hier der 200.000 Besucher-Marke nähern.“ Dem von wirtschaftlich harten Zeiten gebeutelten fahrenden Volk wäre das sehr recht.

Die 58. Britzer Baumblüte auf dem Festplatz Parchimer Allee ist  täglich von 14 bis 22 Uhr (sonn- und feiertags bereits ab 12 Uhr) geöffnet; Eintritt frei.

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Mit Bildern Mauern einreißen

Ab und zu wird das Gemeinschaftshaus Morus 14 im Neuköllner Rollbergkiez zur Galerie. „Welche Künstler bei uns ihre Werke ausstellen können, wird von mir ganz subjektiv entschieden“, sagt Frank Bourgett, der Leiter des Hauses. Die Bilder müssten ihm gefallen oder die Künstler ihn beeindrucken. Schließlich sei so eine Ausstellung durch die zeitweilige Vermietung der Räume aus versicherungs- rechtlichen Gründen basila hassan, daug e.v., morus 14 e.v., neuköllnauch immer mit einem nicht unerheblichen Aufwand verbunden.

Bei Basila Hassan, die eines Nachmittags zusammen mit Wilfried Winzer, dem Öffentlich-keitsarbeiter der Deutsch-Arabisch unabhängi- gen Gemeinde (DAuG), in Bourgetts Büro stand, war es einerseits deren Geschichte, die ihm imponierte, und andererseits zunächst vor allem eines ihrer Bilder. „Dieses Dorf mit Häusern ohne Türen aber kleinen Fenstern, die Licht- blicke und Hoffnung symbolisieren, hat mich sofort fasziniert“, erinnert sich Frank Bourgett. Seit gestern sind das und 29 weitere Werke von Basila Hassan im Gemeinschaftshaus Morus 14 zu sehen. Es sei zudem der Auftakt zur von der DAuG initiierten Ausstellungsreihe „Bilder reißen Mauern ein“, die weiteren migrantischen Künstlern eine Präsenta- basila hassan, daug e.v., morus 14 e.v., neuköllntionsplattform geben soll, kündigt Wilfried Winzer an.

Über die Hürde der sprachlichen Mauer um die gebürtige Palästinenserin helfen bei der Vernissage gleich drei Dolmetscher. Es ist Basila Hassan, die erst seit 16 Monaten in Berlin lebt, wichtig, ihre Werke und die Intentionen, die sie entstehen ließen, zu erklären. Manchmal geht es bei denen um die politische Situation in ihrer Heimat, oft um ihre persönliche und die als basila hassan, daug e.v., morus 14 e.v., neuköllnFrau. Leid, das sich dank des Ventils der Kreativität besser aushalten lässt, spiegeln die Arbeiten ebenso wider wie Sehnsüchte, Erlebtes, Hoffnungen und Liebe.

Die Techniken und Materialien, derer Basila Hassan sich bedient, reichen von Bleistiftzeichnungen über Tusche- bilder bis hin zu glitzernder Hinterglasmalerei und mit basila hassan, daug e.v., morus 14 e.v., neuköllnLötkolben gebrannten Or- namenten und Schriftzei- chen. In ihrer Heimat habe sie schon einige Jahre kreativ gearbeitet, erzählt die Künstlerin: „Danach kam eine lange Pause, und erst in Deutschland habe ich wieder angefangen zu malen.“ Es sei ihr ein Bedürfnis gewesen, eine Ausdrucksmöglichkeit für die neue Lebenssituation zu finden.

Eigentlich, stellt man schon nach nur kurzer Beschäftigung mit den Bildern von Basila basila hassan, daug e.v., morus 14 e.v., neuköllnHassan fest, sprechen die zumeist eine anfangs fremde, dann aber – ob sich wiederholender Stilelemente – auch eine sehr deutliche Sprache. Man muss sich nur in sie hineinhören.

Die Bilder von Basila Hassan sind noch bis zum 20. April im Gemein- schaftshaus in der Morusstraße 14  zu sehen. Geöffnet ist es  werktags von 9 – 16 Uhr.

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Fit für Berlins Straßen

Die Frage nach dem Wörnitzweg ist beim Ortskunde-Test unter Neuköllnern zweifellos nichts für Anfänger. Sogar nur ein paar Straßen weiter kommt es vor, dass die Antworten schwammig bleiben. Und um auf jemanden zu treffen, der im Wörnitzweg wohnt und deshalb ganz genau weiß, wo der ist, muss man bei gerade jugendverkehrsschule neukölln wörnitzwegmal einem Block mit nur fünf Haustüren schon viel Glück haben. Konkreter werden die Auskünfte hingegen bei der Frage nach dem, was den kurzen Weg nahe der Sonnenallee zu etwas Besonderem macht: der Übungsparcours der Jugendverkehrs- schule Neukölln.

„Links, rechts, links, Schulterblick!“ Laut und jugendverkehrsschule neukölln e.v. wörnitzwegbestimmt schallen die Ansagen der Betreuer über den mit Ampeln, Verkehrszeichen, Zebra- streifen und anderen Schikanen bestückten Platz. Radfahren können die Kinder bereits, die in den nummerierten orangefarbenen Westen stecken, hier sollen sie das Rüstzeug für den Alltag im Straßenverkehr bekommen. „Hey, du da, halt sofort an und mach den Riemen von deinem Helm zu!“, wird Nummer 9 gerüffelt. Der Kopfschutz sei eine Lebensversicherung und keine Dekoration. Murrend befolgt das Mädchen die Anordnung. Ein Junge muss zum x-ten Mal daran erinnert werden, dass er in Fahrtrichtung sehen  statt in der Gegend herumgucken soll. Ob er später, wenn er unbetreut mit dem Rad auf Berlins Straßen unterwegs ist, an den Rat denkt, ist fraglich: „Wir können nur darauf hoffen, dass sie verinnerlichen, was sie hier an Verkehrs- und Verhaltensregeln lernen.“

Für Neuköllns Viertklässler gehört die Zeit auf dem Verkehrsübungsplatz mit anschließender Fahrradprüfung zum Schulunterricht. Doch meist finden die ersten Stunden in der Jugendverkehrsschule Neukölln schon vorher statt. Oft seien es Kita-Gruppen, die sich für Kurse anmelden, oder Kinder von Eltern, die selber passionierte Radler sind und sich von professionell geschultem Nachwuchs beglei- tet wissen wollen.

Während der Osterferien ist die Jugendverkehrsschule im Wörnitzweg (Tel. 56  82 19 61) werktags von 10 – 16 Uhr geöffnet und kann kostenlos und ohne Anmeldung genutzt werden. Für im Süden Neuköllns wohnende Kinder gibt es außerdem eine Jugendverkehrsschule am Heideläuferweg (Tel. 604 50 00) in Buckow.

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Nach Gärten nun noch Hütten auf dem Tempelhofer Feld

Nicht nur hinsichtlich der Zukunft des Tempelhofer Feldes scheiden sich die Geister, auch die aktuelle Nutzung polarisiert – besonders am Pionierfeld Oderstraße. Für die Einen ist die optisch vom Allmende-Kontor und dem Stadtteilgarten Schillerkiez geprägten Areal ein Sinnbild friedlicher bürgerschaftlicher Okkupation. Andere sehen die unkonventionellen Parzellen eher als Angriff auf ihr ästhetisches Empfinden und hüttendorf gecekondu, juks neukölln, tempelhofer feldals schleichende bis galoppierende Vermüllung.

Letzteren stehen nun noch härtere Zeiten bevor, denn das Projekt Gece- kondu der JUKS Jugendkunstschule Neukölln (nicht zu verwechseln mit der bezirklichen Jugendkunstschule Young Arts NK) hockt bereits in den Startblöcken. Ab morgen will es mit Kindern, Jugendlichen und erwach- senen Interessierten wochentags von 15 bis 18 Uhr „im Sinne der experimentellen Architektur mit einfachsten Mitteln und vorwiegend gefundenen Materialien“ vis-à-vis der Gartenflächen die Hüttenstadt Gecekondu errichten. Wenn auch im angrenzenden Schillerkiez nach Baustoffen und Interieur für die Domizile gesucht wird, würde zumindest der in Sachen Vermüllung davon profitieren.

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