Alle für einen: Integrationsbemühungen um den Emser Platz

Ein Baum, eine vernachlässigte Baumscheibe, einige meist gut frequentierte Fahrradbügel und zwei  mit Mosaiksteinen beklebte Sitzgelegenheiten, die fast nie besetzt werden: das ist der Emser Platz gegenüber von Neuköllns Feu- erwache. Für alle, die tagsüber im Körnerkiez einen Ort zum Verweilen suchen, ist er ob seiner nur rudi- mentären Aufenthaltsqualität eher letzte als erste Wahl. Abends sieht die Sache wegen der Gäste, die die Kul- tur-Kiez-Kneipe Laika anzieht, schon anders aus.

Nun aber soll endlich in den Bio- rhythmus des Platzes an der Kreuzung Emser-/Kirchhofstraße eingegriffen und dem stadtplanerischen Stiefkind mehr tageslichttaugliche Attraktivität eingehaucht werden. Erste Maßnahme ist ein Aktionstag  (morgen von 14.30 – 17 Uhr), bei dem An- wohner und Gewerbetreibende aus dem Viertel ihre Ideen für eine kontinuierliche Pflege des Platzes einbringen und ihr Engagement bestenfalls gleich durch Pflan- zenpatenschaften zum Ausdruck bringen können. Schon am Samstag (ab 10 Uhr) geht es mit der Premiere einer Veranstaltungsreihe weiter, die auf die Belebung des Platzes zielt und seine Qualitäten als Treffpunkt herausstellen will: Bis zum Herbst soll sich der Emser Platz an jedem letzten Sonnabend im Monat in einen Kiez-Tauschmarkt verwandeln. Einen nichtkommerziellen, wie das Team vom Haus der deutsch-arabi- schen Jugend e. V. betont, das bereits durch die Organisation des Zucker- fests im Körnerkiez Veranstaltungs- erfahrungen sammeln konnte. In erster Linie gehe es darum,  einen  „Raum für Begegnungen und Kommunikation“ zu schaffen. Wer Dinge loswerden will, die er nicht mehr braucht, könne die auf dem Tauschmarkt anbieten. „Interessierte müssen sich  aber vorher bewerben und ihr Vorhaben vorstellen“, machen die Organisatoren aufmerksam. Denkbar sei auch, dass Vereine aus dem Kiez ihre Projekte präsentieren: „Das ist allerdings nicht das Hauptziel des Marktes.“ Vielmehr soll er einen Impuls geben, dass die Anwohner den Emser Platz endlich als ihren Platz begreifen, ihn nutzen und so in den Alltag integrieren – statt ihn weiterhin zu ignorieren.

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