Eingespart und ausgetauscht

„Bei uns in Neukölln bekommst Du eben alles! Selbst Elektrünische Waren-Maschinen …“, stellte der Comedian Murat Topal jüngst via Facebook fest und lieferte das  Beweisfoto  gleich  mit.  Dass in  Neukölln  auch  in  anderen  Branchen  bei  der

Außenwerbung hemmungslos  Buchstaben substituiert oder gleich suspendiert  wer- den, belegt dieses Bild.

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Große Investitionen für eine große Bildungsoffensive

eröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neukölln, heinz buschkowsky, falko liecke, bernd müller, franziska giffey, wolf schulgenNun hat auch Neukölln eine Jugend- kunstschule: die Young Arts NK. Vor- gestern wurde sie eröffnet. Aber nicht nur sie, denn zusammen mit ihr wurde die Werkstatt Kinder Eltern Bildung ins Leben gerufen, und die gibt das inhaltliche Dach, das wie- derum dazu führt, dass eine goldene Schleife um das Projektpaket ge- schlungen werden kann. Es sei alles in allem „ein gesellschaftlicher Auf- eröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neuköllntrag, der sich in die Zukunft richtet“, betonte Be- zirksbürgermeister Heinz Buschkowsky bei der Er- öffnungszeremonie. Es zeige Prioritäten für den weiteren Weg des Bezirks auf und verbinde sie in beispielhafter Art ressortübergreifend, ergänzte Wolf Schulgen von der Senatsverwaltung für Stadtent- wicklung, die das  bildungsorientierte Modellvor- haben  bis 2014 mit über 1,3 Millionen Euro aus dem Aktionsräume plus-Programm finanziert. „Ein Erfolg ist es aber erst“, so Schulgen, „wenn sich feststellen lässt, dass die Neuköllner das Projekt annehmen.“

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v. l.: Bernd Müller (Leiter des Amtes für Weiterbildung und Kultur im BA Neukölln), Dr. Franziska Giffey (Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport) und Falko Liecke (Bezirksstadtrat für Jugend und Gesundheit)

Wie das geschehen soll, erläuterten Franziska Giffey, Falko Liecke und Bernd Müller im Vorfeld der Eröffnung vor Pres- severtretern. Grundlage sei, wie Liecke es formulierte, eine „konzertierte Aktion“ zwischen seiner und Giffeys Abteilung. Vereinfacht ausgedrückt stellt die Werk- statt Kinder Eltern Bildung (Homepage ist noch nicht freigeschaltet) eine inter- disziplinäre Vernetzung zwischen fünf Modulen bezirklicher Bildungs- und Kultureinrichtungen dar:  Die Neuköllner Stadtbibliothek bringt ihr Lesemobil ein, der Jugendhilfe-Träger Kleiner Fratz sein Interkulturelles Begegnungszentrum Haus der Familie, die Musikschule Paul Hineröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neukölln, lesemobil stadtbibliothek neuköllndemith ihr musikpädagogisches Angebot namens Musik-Spra- che-Bewegung, die Volkshochschule die Erziehungs- hilfe-Offerte Elternkompass und das Kulturnetzwerk Neukölln die neu gegründete Jugenderöffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neuköllnkunstschule Young Arts NK. Durch die enge Kooperation der Institutionen habe man nun die Möglichkeit bei der Begleitung von Familien früh anzusetzen und die Offenheit innerhalb der Familien  auf eine gesundheitliche wie auch kul- turelle Bildung zu lenken, prognostiziert Liecke.

Indes skizzierte Bernd Müller den Idealfall: Eltern, die über Kitas oder Schulen mit dem im Neuköllner Ortsteil Britz angesiedelten Haus der Familie in Berührung kommen, lernen dort auch die anderen Projektmodule kennen, nehmen selber am Elternkompass teil und schicken Kind A in die Musikschule, besuchen mit Kind B das Lesemobil und begeistern Kind C für die Jugendkunstschule Neukölln. Das Einbeziehen der Eltern und die Verbesserung ihrer Kompetenzen, betonte auch Franziska Giffey, sei ein äußerst wichtiges Anliegen des Projekts: „Das Ziel ist, dass Eltern den Spaß ihrer Kinder an Bildung unterstützen.“ Vielleicht ließe sich durch die Erfahrungen mit den innovativen außerschulischen Lernangeboten sogar das Neukölln vorherrschende Ausmaß an eröffnung young arts nk, jugendkunstschule neukölln, werkstatt kinder eltern bildung neuköllnSchuldistanz eindämmen.

„Schon als ich vor 10 Jahren nach Neukölln kam, dachte ich, dass es toll wäre, wenn Neukölln eine Jugendkunstschule hätte“, erzählte Giffey. Jetzt ist sie da und setzt mit Workshops und Seminaren für kreative oder künstlerisch ambitionierte Grund- schüler und Jugendliche auf das Angebot des benachbarten KinderKünsteZentrums auf. Die Trä- gerschaft der Young Arts NK hat das Bezirksamt dem Kulturnetzwerk Neukölln, vielen vor al- lem als Ausrichter des Kunst- und Kulturfes-tivals 48 Stunden Neukölln bekannt, übertragen.

Bereits im letzten Jahr, berichtete Geschäftsführerin Ilka Normann, hätten erste Projekte mit Jugendlichen im neuen, 380 Quadratmeter großen Young Arts NK- Standort stattgefunden – nach umfangreichen Renovie-rungsarbeiten, die das düstere einstige Fernmeldeamt in der Donaustraße dringend nötig hatte. Denn obwohl Neuköllns neuestes Leuchtturmprojekt im Kultur- und Bildungsbereich gerne  in einem Atemzug mit der Alten Post genannt wird: In eben dem Gebäude, das Neuköllner als „Alte Post“ bezeichnen, ist es nicht untergebracht. „Wir hoffen aber“, sagte Franziska Giffey auf Nachfrage, „dass bald ein potenter Nutzer kommt und dann auch ein Zugang durch die Alte Post zur Jugendkunstschule möglich wird.“ Vielleicht erfüllt sich diese Hoffnung ja 2013 zum 10-jährigen Leerstandsjubiläum.

=ensa=

Bahn frei!

Noch zwei Tage – dann ist der Winterschlaf der Minigolf-Anlage am Hertzbergplatz vorbei. Dann kann dort wieder der Freizeitsportart gefrönt werden, die in den 1920er Jahren  erfunden  wurde und sich seit  1955 auch in  Deutschland  durchzusetzen  be-

minigolf am hertzbergplatz neukölln

zusetzen begann. Außer in der Hasenheide gibt es im Norden Neuköllns eben die Hertzbergplatz-Minigolf-Anlage an der Sonnenallee. Wer auf Sonderpunkte für das Treffen der Edelstahl-Halbkugel auf dem benachbarten Spielplatz spekuliert, sollte sich aber besser noch mal ins Regelwerk des Bahnensports vertiefen.

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Neuköllns Comenius-Garten geht stiften

Irgendwie ist es bisher immer weitergegangen mit dem Comenius-Garten. Das ändert sich nun, allerdings nicht in der Form, dass der Garten geschlossen wird. comenius-denkmal, comenius-garten neukölln, förderkreis böhmisches dorf in berlin-neukölln e.v.Nein, es ist das Wort „irgendwie“, das bei der Fortschreibung der Geschichte des einzigartigen Neuköllner Kleinods ver- zichtbar sein soll.

comenius-denkmal, comenius-garten neukölln, förderkreis böhmisches dorf in berlin-neukölln e.v.

(v. l.: Thomas Blesing (Baustadtrat von Neukölln), Dr. Jiri Benes (Prager Institut für Philosophie), Henning Vierck (Geschäftsführer Comenius-Garten)

„Um den Come- nius-Garten dau- erhaft erhalten zu können, wollen wir eine Stiftung grün- den“, erklärte Geschäftsführer Henning Vierck vorgestern bei einem Pressege- spräch. Insbesondere für den Mittsech- ziger erfüllt sich damit ein Lebenstraum. Denn das Bedürfnis nach einer langfristigen Perspektive für die grüne Oase an der Richardstraße, die heute vor 20 Jahren gegründet wurde, ist kaum jünger als sie selber. „Jetzt“, sagte Vierck, „passt es einfach, den Schritt  zu echter Nachhaltigkeit zu machen.“ Einerseits sei er noch fit genug, um sich des Aufbaus der Stiftung anzunehmen. Andererseits hätten mit dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und dem Institut für Philosophie der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik wichtige Kooperationspartner gewonnen werden können.

comenius-denkmal, comenius-garten neukölln, förderkreis böhmisches dorf in berlin-neukölln e.v.

(v. l.: Prof. Cornelia Müller (Garten- und Landschaftsarchitektin), SE Dr. Rudolf Jindrak (Botschafter der Tschechischen Republik), Prof. Dr. Jürgen Renn (Direktor Max-Planck-Institut Berlin)

Letzterer symboliert zudem einen Spa- gat von der Vergangenheit über die Gegenwart in die Zukunft. „Früher waren es die Glaubensflüchtlinge, die die Protestanten in ihrer böhmischen Heimat unterstützt haben, indem sie in Böhmen verbotene Bücher hier in Rixdorf druckten“, erinnerte Dr. Jiri Benes vom Institut für Philosophie in Prag. Er sei immer wieder beeindruckt, in welchem Maß in diesem Gebiet Neuköllns die Historie gepflegt werde, ergänzte Dr. Rudolf Jendrak, der  Botschafter der Tschechischen Repub- lik: „Das Böhmische Dorf und der Comenius-Garten sind Teile Böhmens in Berlin. Daher ist es mir wichtig, das Engagement zur Gründung einer Stiftung zu unterstützen.“ Auch das Neuköllner Bezirksamt wird dazu einen Beitrag leisten. „Geld können wir ja nicht beisteuern“, sagte Baustadtrat Thomas Blesing. Stattdessen sei es „ein Filetstück aus der Verfügungsmasse des Liegenschaftsfonds“, die der Bezirk gemeinsam mit dem comenius-denkmal, comenius-garten neukölln, förderkreis böhmisches dorf in berlin-neukölln e.v.Berliner Senat  als Stiftungskapital einbringe, um die Weichen für die Zukunft des Comenius-Gartens zu stellen: ein 7.332 Quadratmeter gro- ßes Areal mit zwei Gebäuden, dem comenius-denkmal, comenius-garten neukölln, förderkreis böhmisches dorf in berlin-neukölln e.v., werkstatt des wissenskleinen Seminar-Haus und der Werk- statt, die nun nach jahrelan- gem Leer- stand als Werkstatt des Wissens reichlich Platz für sehr spezielle Begegnungen bietet.

„Wir sind sehr glücklich, dass wir diesen Raum haben“, schwärmte Prof. Dr. Jürgen Renn. Der amtierende Direktor des Max-Planck-Instituts für Wissenschaftsgeschichte kennt Henning Vierck bereits seit rund 30 Jahren: „Die Vision eines philosophischen Gartens hatte er schon damals, und es gab wohl niemanden, der sie nicht sehr gewagt fand.“ Dass solche kühnen studentischen Träume wahr werden, sei ja doch eher ungewöhnlich. Nicht minder comenius-denkmal, comenius-garten neukölln, förderkreis böhmisches dorf in berlin-neukölln e.v., werkstatt des wissensatypisch ist auch das, was mit der Werkstatt des Wissens entstand: ein Ort, an dem sich Kinder und Wissenschaftler auf Augenhöhe begegnen. Hat die Welt ein Ende? Wo ist auf der Erde oben und unten? Alle Fragen würden ernst genom- men werden, versicherte Renn. „Für uns ist das gemeinsame Forschen mit den Kindern äußerst wichtig, weil es die Insichgeschlossenheit der Wissenschaft aufbricht“, so der Wissenschaftshistoriker. „Es ist ein gemeinsamer Erkennt- nisprozess, sich der Unschuld des Erkenntnisvorgangs bei Kindern zu stellen.“ comenius-denkmal, comenius-garten neukölln, förderkreis böhmisches dorf in berlin-neukölln e.v., werkstatt des wissens, jan dillingDass die Wissenschaft ein offenes Ohr für diesen Kontext hat, sei langfristig unabdingbar.

Wie das gemeinsame Forschen in der Praxis aussieht, stellten Kinder der Klassen 1 bis 6 der benachbarten Richard-Grundschule bei einem Rundgang durch den maßgeblich durch Prof. Cornelia Müller nach dem Weltbild von Comenius gestalteten Garten vor: „Wie viele Heliumballons braucht man, um eine kleine Holzpuppe zum Abheben zu comenius-denkmal, comenius-garten neukölln, förderkreis böhmisches dorf in berlin-neukölln e.v., wissensworkshop,richard-grundschulebringen?“ lautete die Frage, aus der sich viele weitere ergaben. Was Helium ist. Welchen Einfluss die Größe der Ballons haben. Wie man jemandem, der das Wort Kilo nicht kennt, den Begriff Gewicht erklären kann. Am Ende fehlte der Ballon, der einem comenius-denkmal, comenius-garten neukölln, förderkreis böhmisches dorf in berlin-neukölln e.v.Kind aus der Hand geflutscht war, um das Experi- ment erfolgreich beenden zu können. Einerseits ein Missgeschick, andererseits aber auch dramaturgisch passend – trägt doch das aktuelle Forschungsprojekt von Kindern und Max-Planck-Wissenschaftlern in der Werk- statt des Wissens den Titel  „Zum Himmel“.

=ensa=

Mit Alice durch’s Wunderland am Hermannplatz

Ich hatte keinerlei Vorstellung wie ein Theaterstück quer durch ein – von einkaufswütigen Menschen gefülltes – Kaufhaus funktionieren sollte. Deshalb war ich auch schon eine halbe Stunde vor Beginn der Aufführung da, und mit mir die Befürchtung, ewig nach Kartenkasse und Startpunkt im Karstadt am Hermannplatz alice im wunderland, ms schrittmacher, karstadt am hermannplatz, foto: andreas j. ettersuchen zu müssen. Aber an jedem Eingang steht ein freundliches Schild, das alle Interessierten in die U-Bahn-Station schickt. Dort tauscht man dann sein Geld oder eine Eintrittskarte gegen einen Zuschau- erausweis. Und wenn man wie ich zu früh ist, kann man noch in Ruhe ein bisschen shoppen gehen.

Pünktlich fand ich mich in einer Menge Wartender wieder, die alle zunächst irritiert auf eine recht laut telefonierende Dame blickten. Als dann aber plötz- lich ein Hase vor dieser auf und nieder hüpfte, war alles klar: Die Performance um „Alice im Wunder- land“ hatte begonnen. Von nun an folgten wir anderthalb Stunden lang den uns zuvor vorgestellten Guides. Zunächst an einen Ort, den der gemeine alice im wunderland, ms schrittmacher, karstadt am hermannplatz, foto: andreas j. etterKunde niemals kennen lernt: das Dekorations- lager im Keller.

Ich habe lange überlegt, wie ich das be- schreiben könnte, was ich mit den Schau- spielern und Tänzern des Künstlerkollektivs MS Schrittmacher erlebt habe. Ich kann es nur so sagen: Ich weiß jetzt, wo Weihnachten ist, wenn die ersten bunten Eier im Regal auftauchen, und dass man sich mit Alice in eine alice im wunderland, ms schrittmacher, karstadt am hermannplatz, foto: andreas j. etterwahrlich wundersame Welt verläuft.

Die Zeit vergeht wie im Flug während wir von Ort zu Ort eilen, um zu sehen, was Alice noch kaufen und wem sie dabei begegnen wird. Sei es sich selbst oder dem ausrangierten Alt-Schauspieler, der verzweifelt versucht sein tolles Buch an den Mann zu bringen. Dem gehetzten Hasen, der Alice zu allerlei Spontankäufen verleitet. Der modeberatenden Raupe oder der leicht herrschsüchtigen Frau König, die mit den Verkäuferinnen und Kunden durch den alice im wunderland, ms schrittmacher, karstadt am hermannplatz, foto: andreas j. etterKarstadt tanzt.

Alles ist äußerst wunderlich und komisch. Besonders wenn uneingeweihte Karstadt-Kunden unwissentlich mitwirken, und sei es nur dadurch, dass sie mit offenen Mündern staunend am Rand stehen. Oder aber in Erklärungsnot geraten – wie der Vater, der seinen zwei kleinen Töchtern verzweifelt zu verklickern versuchte, warum die Verkäuferinnen Hasenohren an alice im wunderland, karstadt am hermannplatz, ms schrittmacher, foto: andreas j. etterWeihnachtsmänner kleben, sich aber plötzlich in quiekende Ferkel verwandeln.

Alles in allem bietet „Alice im Wunderland“ eine perfekte Gelegenheit, den Karstadt am Her- mannplatz mal so richtig kennen zu lernen oder vielleicht auch einen kritischen Blick auf das eigene Kaufverhalten zu werfen und sich dabei noch bombig zu amüsieren.

Die morgige Premiere des Stückes „Alice im Wunderland“ der MS Schritt- macher bei Karstadt am Hermannplatz ist  bereits ausverkauft. Am 29. und 31. März, 2. – 5. April und 7. April (jeweils 15 und 18 Uhr) und am 30. März (11 und 15 Uhr) gibt es weitere Aufführungen. Die Tickets kosten 16 € bzw. ermäßigt 11 € und können über Showtime Tickets, (Veranstaltungsort „Treffpunkt: U-Bahn-Zugang Karstadt Hermannplatz“ anklicken), per Mail an tickets[at]dock11-berlin.de oder telefonisch unter 030 – 68 74 000 oder 030 – 351 20 312 reserviert werden.

=Anna Sinnlos=

Das Ziel ist das Paradies

finale ecopolicyade 2012 neukölln, bvv-saal rathaus neuköllnViel Zeit zum Üben hatten Benedikt und Alexander nicht. „Wir haben erst vorletzten Montag von einer Lehrerin von dem Computerspiel und dem Wett- bewerb erfahren“, sagen sie. Das Spiel heißt Ecopolicy, fördert und fordert strategisches Denken nebst verantwortungsvollem Han- deln und wurde von Frederic  Vester konzipiert; der Wettbe- werb heißt Ecopolicyade, wurde vom Schweizer Unter- nehmen Malik Management ins Leben gerufen und ermittelt die besten Ecopolicy-Teams an Deutschlands Schulen.

Donnerstag ging es im BVV-Saal des Neuköllner Rat- hauses, der kurzerhand zur Spielhalle umgebaut wurde, um den Ecopolicyade-Bezirksentscheid. Außer Benedikt und Alexander, die das Team 1 der Evangelischen Schule Neukölln bildeten, nahmen sechs weitere Minigruppen von insgesamt drei Neuköllner Schulen daran teil. Auch die Lokalmatadore von der Albrecht-Dürer-Oberschule, die sich im Vorjahr erst auf Bundesebene geschlagen geben mussten, waren wieder dabei. Natürlich mit dem Ziel, diesmal den Durchmarsch bis zum Deutschland-Sieg zu schaffen. Dazu müssten sie aber zuerst finale ecopolicyade 2012 neukölln, bvv-saal rathaus neukölln, finalist evangelische schule neuköllnheute beim Ecopolicyade-Landeswettbewerb gewin- nen, für den sich Alexander und Benedikt (auf dem Foto rechts neben Stadträtin Franziska Giffey) ebenfalls qualifizierten – aus dem Stand belegten sie den 3. Platz der Neuköllner finale ecopolicyade 2012 neukölln, bvv-saal rathaus neuköllnTeams.

Es ist mehr als wahrscheinlich, dass die beiden Teenager in den letzten Tagen noch mehr Zeit am Computer verbracht haben. „Dabei ist das Ecopolicy eigentlich gar kein Spiel mit Suchtpotenzial„, finden beide. „Dazu sind die Grafiken zu einfach.“ Spannend sei es, obwohl Action keine Rolle spiele, und eine echte Herausforderung. Aufs Begreifen, dass alles mit allem zusammenhängt, komme es an. Und auf kluges Handeln. Bei Ecopolicy werden die Spieler zu Regierenden, die fiktive Entwicklungs-, Schwellen- und Industrieländer durch clevere Investitionen, die die Interaktion zwischen Wirtschaft, Sozialem und Ökologie berücksichtigen, bestenfalls bis zum Status des Paradieses aufsteigen lassen sollen. „Das zu schaffen“, weiß  Alexander, „ist aber wirklich nicht finale ecopolicyade 2012 neukölln, bvv-saal rathaus neuköllnleicht.“

Jugendliche zur Beschäftigung mit fiktiven Szenarien und strategischen Spielereien anzuregen ist allerdings nur Seite des Anliegens, das hinter Ecopolicy und der Ecopolicyade steckt. Die Fähigkeit herauszukitzeln, die beim Spiel gemachten Erfahrun- gen auf das eigene Lebensumfeld herunterbrechen zu können, ist die andere. Schon bei der kurzen Feedbackrunde der Neuköllner Finalisten wurden die Effekte deutlich.  „Was ist denn Neukölln“, fragte der Moderator, „wenn man es in Ecopolicy-Kategorien misst?“ Naja, antwortete einer der Schüler, zum Teil sei der Bezirk wie ein gut entwickeltes Industrieland, aber es gebe auch Dinge, die an ein Schwellenland anknüpfen können. „Was müsste man für die Entwicklung Neuköllns tun?“ Für eine bessere Lebensqualität sorgen, warf eine Schülerin in die Runde, die Straßen sauberer halten, eine andere. Der soziale Zusammenhalt müsse gestärkt und das Interesse der Bewohner für ihren Bezirk geweckt werden. Außerdem sollten, wandten sich die Ecopolicyadisten an Franziska Giffey, die Defizite in den Schulen beseitigt werden, um sie für die Zukunft zu rüsten. „Seht ihr denn eure Zukunft in Neukölln? Wollt ihr hier bleiben?“ Bei dieser Frage war es vorbei mit der Einigkeit unter den Schülerinnen und Schülern. Ihre Antworten reichten von „Auf gar keinen Fall!“ bis hin zu „Neukölln ist meine Heimat, deshalb würde ich gerne hier bleiben!“.

Beim von Malik Management, der Bürgerstiftung Neukölln und dem Neu- köllner Bezirksamt initiierten Workshop  „Jugend gestaltet Zukunft – Schü- ler machen Politikberatung“, der am 18. April in der Albrecht-Dürer-Schule stattfindet, werden die Gewinner der Ecopolicyade Neukölln Ideen für die Entwicklung Neuköllns erarbeiten und diese anschließend mit Politikern, Unternehmern und Stiftungsvertretern diskutieren.

=ensa=

Update (28.3.2012): Die Neukölln-Sieger von der Albrecht-Dürer-Oberschule haben auch den Berlin-Entscheid gewonnen und treten nun im Bundesfinale an.

Neue Heimat Böhmisch-Rixdorf

Heute, wirklich genau heute vor 275 Jahren, am 25. März 1737, erreichten die ersten böhmischen Zuwanderer Berlin. Sie wurden in der südlichen Friedrichsstadt und in Rixdorf untergebracht. Eingeladen waren sie vom preußischen König Friedrich Wilhelm I. höchstpersönlich.

Was war geschehen? Auf der einen Seite hatte sich in weiten Landstrichen Preußens die Bevölkerung vom Aderlass des 30-jährigen Krieges noch nicht erholt, als sie von der Pest weiterhin zahlenmäßig reduziert wurde. Auf der anderen Seite gab es nach der gewaltsamen Rekatholisierung in Böhmen in den nördlich angren- zenden Gebieten Hunderte von Glaubenflüchtlingen: Manch Böhme ward – das ist bekannt – dem Kelch zuliebe Exulant.

So war es weniger ein Akt der Huma- nität als vielmehr ein wirtschaftliches Kalkül, das den Soldatenkönig bewog, in Rixdorf neun Doppelhäuser für je zwei Familien und neun Scheunen mit Kammern für sogenannte Einlieger errichten zu lassen. Dazu erhielt jeder Ackerwirt zwei Pferde, zwei Kühe und das nötige Ackergerät.

Das Leben der Parallelgesellschaft in Böhmisch-Rixdorf begann, und die Ureinwohner in nunmehr Deutsch-Rixdorf waren über diese Entwicklung herzlich wenig begeistert. Die „Neuen“ – sie stammten übrigens fast alle aus Böhmisch-Rothwasser – wurden argwöhnisch beäugt, sprachen sie doch eine fremde Sprache (Tschechisch), brachten ihre Musik und Trachten mit und hatten auch sonst ganz andere Sitten und Gebräuche. Und sie dachten nicht im Traum daran, sich zu integrieren oder gar zu assimilieren.

Ihre Gottesdienste – es gab die der Evangelisch-reformierten Bethlehemsgemeinde, der Evangelisch-böhmisch-lutherischen Bethlehemsgemeinde und der Evangelischen (Herrnhuter) Brüdergemeine – wurden bis zum ersten Weltkrieg in ihrer Muttersprache gehalten. Jede der drei Gemeinden hatte ihre eigene böhmischer gottesacker, neuköllnKirche, bzw. ihren eigenen Betsaal. Sie hatten auch einen (dreigeteilten) eigenen Friedhof, den Böhmischen Gottesacker. Hier wurden die Grabsteine immerhin bis 1820 zweisprachig, danach erst in Deutsch beschriftet. Das Grundstück für den Friedhof wurde ihnen übrigens 1751 von den deutschstämmigen Rixdorfern zugewiesen, weil diese es für nicht „anständig“ hielten, dass auf dem ihrigen weiterhin die Fremden bestattet wurden.

Ein weiteres Sprachrelikt ist auf dem Straßenschild der Kirchgasse zu finden. Ein Zusatzhinweis soll belegen, dass diese Gasse bis 1909 Mala ulicka, also Enge Gasse hieß.

Wurde auch lange Zeit der Entscheid des Hohenzollern von den Deutsch-Rixdorfern missbilligt, so schmückt sich Neukölln inzwi- schen mit seinem Böhmischen Dorf, ge- rade weil sich hier viel von dem Besonderen der ehemaligen Exu- lanten erhalten hat und gepflegt wird. Auch das im September 2005 eröffnete Museum im Böhmischen Dorf ist aus dem Bezirk längst nicht mehr wegzudenken.

Anlässlich des heutigen Jubiläums findet um 11 Uhr in der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt ein Gottesdienst (u. a. mit Pfarrer Bernd Krebs von der Ev.-ref. Bethlehemsgemeinde) zum Gedenken an die böhmische Einwanderung statt. Teile davon werden in tschechischer Sprache gehalten.

=kiezkieker=

Meisterhaft sportlich

Es ist nicht nur der erste Buchstabe, den die Begriffe Gentrifizierung und Gala gemeinsam haben. In Neukölln verbindet sie außerdem, dass die Ereignisse stark von dem abweichen, was landläufig erwartet würde: Während sich der Verdrän-gungsprozess im Bezirk aktuell vor allem zwischen Armen und noch Ärmeren ab- spielt, bedeutet die Einladung zu einer Gala in Neukölln nicht zwingend, dass es vornehm wird und ein Dresscode einzuhalten ist.

Bestes Beispiel dafür war die gestrige Gala anlässlich der Ehrung von Neuköllns Meistersportlern 2011. Insgesamt 651 kamen vor den vollbesetzten Zuschauer- tribünen der Werner-Seelenbinder-Halle in der Genuss der Auszeichnung: 380 Jungen und Männer und 271 Mädchen und Frauen, die in 33 Sportarten für 21 Vereine im vergangenen Jahr Titel vom Berliner Meister bis hin zur Europa-meisterschaft errangen. Lilly Runge, eine Turnerin des TSC Berlin, war mit 6 Jahren sportlergala neuköllner meisterehrung 2011, bezirkssporthalle werner-seelenbinder-sportpark neukölln, joe cocker stars in concert estreldie Jüngste, der für den TSV Rudow startende Leichtathlet Helmut Fechner mit 78 Jahren der Älteste.

Nach dem musikalischen Opening der Veranstaltung durch Joe Cockers „Stars in Concert“-Double und der Begrüßung durch Sportstadträtin Franziska Giffey sowie Violetta Barkusky-Fuchs, die Vorsitzende des BVV-Sport-ausschusses, hieß es für die Athleten: Anstellen zum Abholen der lokalpolitischen Würdigung! Die war ebenso leger wie die Outfits der Zuschauer und fand nicht etwa auf der Bühne, sondern an zwei Tischen am Rand der Halle statt. In vier Durchgängen verteilten Neuköllner Bezirksverordnete aller Fraktionen (hier:  Elfriede Manteuffel  und  André  Schloßmacher, beide  CDU)  Ehrenukunden an

sportlergala neuköllner meisterehrung 2011, bezirkssporthalle werner-seelenbinder-sportpark neukölln sportlergala neuköllner meisterehrung 2011, bezirkssporthalle werner-seelenbinder-sportpark neukölln, elfriede manteuffel (cdu neukölln), andré schloßmacher (cdu neukölln) sportlergala neuköllner meisterehrung 2011, bezirkssporthalle werner-seelenbinder-sportpark neukölln, handballer tsv rudow 1888 e.v.

Ball- und Radsportler, Turner, Boxer, Judoka, Ruderer, Sportschützen, Rollkunstläufer und Leichtathleten. Am Nachbartisch wurde ihnen zusätzlich ein weißes oder rotes Polohemd mit dem Bezirkswappen auf der Brust überreicht. „Weiß ich nicht, ob ich das irgendwann mal anziehe“, meinte eine der Ausgezeichneten. Die Urkunde werde sie aber in ihrem Zimmer aufhängen, und das Beste an der Ehrung sei doch sowieso das Fest. Ein  Get-together  der  Neuköllner  Sportszene  mit  einem  attraktiven  sport-

sportlergala neuköllner meisterehrung 2011, bezirkssporthalle werner-seelenbinder-sportpark neukölln, cheerleader berlin thunderbirds sportlergala neuköllner meisterehrung 2011, bezirkssporthalle werner-seelenbinder-sportpark neukölln, reckturner berliner turnerschaft sportlergala neuköllner meisterehrung 2011, bezirkssporthalle werner-seelenbinder-sportpark neukölln, taekwondo tc sidesteps

lichen Rahmenprogramm von B wie Breakdance über akrobatisches Cheerleading mit den Berlin Thunderbirds, eine Reck-Show der Berliner Turnerschaft, Radball, Rhönrad- und Trampolinturnen bis hin zu einer spektakulären Taekwondo-sportlergala neuköllner meisterehrung 2011, bezirkssporthalle werner-seelenbinder-sportpark neukölln, taekwondo tc sidstepsDemonstration des TC Sidestep. Bei der wur- de es  ob der Schreie der kleinen und großen sportlergala neuköllner meisterehrung 2011, bezirkssporthalle werner-seelenbinder-sportpark neukölln, taekwondo tc sidestepsKampfkünstler nicht nur mächtig laut, son- dern es ging auch so manches Brett zu Bruch. „Das wäre kein Sport für mich. Da tut einem ja schon beim Zugucken alles weh“, fand nicht nur Franziska Giffey. Beeindruckend war es trotzdem, ebenso wie die Leistungsstärke der Neuköllner Sportler, die sonst meist im Schatten der Erfolgsschwimmer der SG Neukölln stehen.

=ensa=

Mehr Wege als Einweg: Stofftaschen vs. Plastiktüten

life e.v. mehr wege statt einweg, bolu markt neukölln, stofftaschen-aktion„Es ist schwierig“, sind sich die drei Umweltbotschafterinnen des Life e. V. einig. Den ganzen Vormittag standen sie vor dem Bolu Markt, um ihre blauen Stofftaschen gegen eine klei- ne Spende an die Frau oder den Mann zu bringen. Sonderlich groß war das Interesse an den vom Designer- Label aluc ausgetüftelten Beuteln aber nicht, die in Handarbeit aus recycelten aluc design, life e.v.-stofftaschen-aktion, bolu markt hermannstraße neuköllnStoffen entstanden, in sechs Sprachen daran erinnern, dass sie zum Einkaufen mitgenommen werden wollen und für das Motto „Mehr Wege als Einweg!“ stehen.

Seit Februar und noch bis Ende April läuft die Aktion, die für die Probleme bei der Nutzung von Plastiktüten sensibi- lisieren soll, in elf von Migranten geführten Geschäften in den Berliner Bezirken Wedding und Neukölln. Meist sind es türkische Supermärkte oder arabische Läden – solche, in denen die Kassiererinnen Plastiktüten gratis mit dem Wechselgeld überreichen. „Zwischen 2 und 7 Cent“, wissen die Umweltbotschafterinnen, „kostet das den Ladeninhaber pro Tüte.“ Da kämen pro Woche leicht 400 € zusammen, und die würde natürlich jeder gerne bolu markt hermannstraße neukölln, life e.v.-stofftaschen-aktioneinsparen. Entsprechend positiv hätten die Geschäftsleute auf das Angebot reagiert, Aktionstage in und vor ihren Läden durch- zuführen, die die Kundschaft zum Benutzen von Stofftaschen animieren sollen.

Die Erfahrungen mit dem Bolu Markt in der Neuköllner Hermannstraße zeigen jedoch, dass ein Umdenken nicht nur beim Verbraucher, sondern auch bei den Be- schäftigten einsetzen muss: „Wenn die noch während unserer Stofftaschen-Aktion weiter automatisch Plastiktüten rausgeben, ist es für uns doppelt schwierig. Aber das ist in großen Supermärkten normal.“ Wesentlich leichter sei es jedenfalls letzte Woche bei Pyza, einem kleinen polnischen Lebens- mittelgeschäft, gewe- sen. Manche dieser kleinen Läden würden inzwischen sogar von sich aus plastiktütenfreie Tage ausrufen: „Wobei wir nicht mal sagen wollen, dass die Tüten grundsätzlich schlecht sind. Auch die kann man ja mehrfach verwenden.“ Doch das würden eben leider nur wenige tun. Noch besser sei es aber zweifellos, wenn man einen „Mehr Wege als Einweg!“-Stoffbeutel mit zum Einkaufen nimmt, da der ob dazugehöriger Bonuskarte außer der Umwelt auch das eigene Portemonnaie schone.

Die nächsten Aktionen der Life e. V.-Umweltbotschafterinnen in Neukölln sind am 4. April im Gizem-Market in der Hermannstr. 222 und am 18. April im Elfi-Markt in der Karl-Marx-Straße 163.

=ensa=

Und das in Neukölln …

Wirklich kurz ist der Aufenthalt in einer Bibliothek nur für die, die lediglich Bücher abgeben wollen. Sonst dauert er länger. Wie lange, das hängt in erster Linie davon ab, wie konkret die Vorstellungen bezüglich der Leih-Lektüre sind. Je mehr Bücher hör(spiel)box, stadtbibliothek neukölln, lesen und schreiben e.v., krimoangelesen werden müssen, um eine Entschei- dung treffen zu können, desto mehr Zeit vergeht.

Nun könnte die Verweildauer der Nutzer in der Stadtbibliothek Neukölln weiteren Aufwind be- kommen: dank einer blauen Box, die das Ergeb- nis eines Projekts der Künstlerin krimo mit Teilnehmern der Alphabetisierungskurse beim Lesen und Schreiben (LuS) e. V. ist. In ihr steckt das Hörspiel „Und das in Neukölln – Die Ratte Rix, ihre Freunde und der Raub des roten BMWs“. Etwa ein Jahr hätten nach ersten technischen Experimenten die Arbeiten daran gedauert, rund 20 Leute seien beteiligt gewesen, erzählt krimo.

Aus 12 kurzen Episoden ist ein flotter Streifzug durch den Norden des Bezirks entstanden. Eine von den LuS-Lernern  erdachte und geschriebene Geschichte um die Ratte Rix, einen BMW-Fahrer, den Reporter Rudi Rastlos und andere Personen und Tiere zieht sich als roter Faden durch das Hörspiel. Unterbrochen wird die phantasievolle Fiktion von Interviews, die die ehemaligen funktionalen Analphabeten mit Angestellten verschiedener Neuköllner Institutionen über deren Arbeitsalltag führten: Dass Bezirksbürgermeister Buschkowsky zuweilen in der Rathaus-Kantine anzu- treffen ist, erfährt man da beispielsweise. Ebenso, dass es schon vorkam, dass Tauben durch offene Fenster in Rathausbüros flatterten, um dort ihre Runden über den Schreibtischen zu drehen.  Und der Kassiererin des Stadtbads Neukölln entlockten die Hörspielmacher den Namen eines prominenten Schauspielers, der häufig zu den Badegästen gehört.

Ergänzend zum Hörspiel finden sich in der Box von den LuS-Schülern gelesene eigene Stücke und Texte, die noch mehr Gründe dafür liefern, dass der Besuch der Bibliothek in den Neukölln Arcaden etwas länger als üblich dauern könnte. Knapp 50 Minuten  muss einkalkulieren, wer nur das Hörspiel hören will. Das komplette Audio-Programm bringt es auf rund zwei Stunden.

Die Hör(Spiel)Box steht noch bis zum 2. Mai in der Stadtbibliothek Neukölln. Danach macht sie Station vor dem Neukölln Info Center (NIC), bevor sie zum Kunst- und Kulturfestival 48 Stunden Neukölln im Info-Café des LuS e. V. aufgestellt wird.

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Anders als es scheint

Auch wenn Neuköllns Haupteinkaufsstraße stre- ckenweise anderes vermuten lässt: Es ist durchaus nicht so, dass per se kein Interesse am Anmieten von Gewerbe-Immo- bilien im Norden des Bezirks besteht. Oft ist in den Kiezen das genaue Gegenteil der Fall, was man wieder- um an unmissver- ständlichen Botschaften der aktuellen Mieter erkennen kann. „Ohne den Zettel kämen wir zu nichts, weil wir ständig Leute im Geschäft stehen hätten, die wissen wollen, ob der Laden zu haben ist“, sagt einer, der reichlich einschlägige Erfahrungen mit einem unverzettelten leeren Schaufenster gemacht hat.

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„Wer einen Pinsel in der Hand hat, haut nicht!“

ausstellung "paper unlimited", jugendkunstschulen berlin, galerie im körnerpark neuköllnausstellung "paper unlimited", jugendkunstschulen berlin, galerie im körnerpark neuköllnElf Jugendkunstschulen gibt es in Berlin, jeden- falls bis zum nächsten Mittwoch. Dann kommt die zwölfte hinzu: Am 28. März eröffnet im einstigen Fernmelde- amt in der Donaustraße Neuköllns Jugendkunstschule, die Young Arts NK. Doch was leisten die in Berlin größtenteils von den Bezirken finanzierten Jugendkunstschulen überhaupt? Wen erreichen sie und wen nicht?

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v. l.: Dr. Angelika Tischer (Sen.verw. BiJuWi), Harald Fricke (Musikschule Reinickendorf), Peter Kamp (BV der Jugendkunstschulen)

Was ihre Teilnehmer zu leisten imstande sind, zeigt noch bis übermorgen die Ausstellung „Paper Unlimited“ in der Galerie im Körner- park. Um obige Fragen ging es kürzlich bei einer von Shelly Kupferberg moderierten Podiumsdiskussion mit Experten aus dem Bereich der kulturellen Bildung Jugendlicher.

Ende der 1960er Jahre wurden die ersten Jugend- kunstschulen in Deutschland eröffnet, so Peter Kamp, inzwischen seien es bun- desweit etwa 400 Einrichtungen. Angesiedelt in der Schnittmenge von Jugend-, Kultur- und Bildungsarbeit bieten sie Kindern und Jugendlichen durch die Beschäftigung mit Kunst neue Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentwicklung. Zwar gebe es noch keine Untersuchungsmethode für die Effekte kultureller Bildung auf schulische Leistungen oder den Reifeprozess per se, bedauerte Angelika Tischer, aber eines lasse sich doch sagen: „Wer einen Pinsel in der Hand hat, haut nicht!“ Entsprechend wichtig sei es, die Investition in Bildung als Investition in die Zukunft zu begreifen und derartigen Präventiv-Maßnahmen den Vorzug gegenüber der Finanzierung von Reparaturzahlungen zu geben. Das untermauert auch die Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ in ihrem Schlussbericht: Kulturelle Bildung, stellt der fest, fördert Lebensqualität und befähigt zur besseren Bewältigung der Zukunft. Schule allein könne dies jedoch nicht leisten, weshalb der Bereich der außerschulischen kulturellen Bildung ausgebaut werden müsse.

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v. l.: Shelly Kupferberg, Werner Schaub (Berufsverband BBK), Wilfried Müller-Maurer (LAG Berliner Jugendkunstschulen)

Jugendkunstschulen leisten hier – da sind sich die Enquete-Kommission und die Exper- ten auf dem Podium einig – einen wichtigen Beitrag. Aber das Engagement von Künstlern, die von den Trägern der Schulen als Lehrkräfte eingesetzt werden, hat auch seine Tücken, wie der Maler Werner Schaub betonte. Einer- seits hätten Befragungen involvierter Künstler ergeben, dass das Gros die Unterstützung beim Betreten des Neulands – sprich: der Arbeit im pädagogischen Bereich – als recht dürftig empfindet: „Etwa 80 % der Künstler wünschen sich da mehr Förderung.“ Anderer- seits, berichtete Schaub, habe er häufig erlebt, dass die pädagogische Tätigkeit für Jugendkunstschulen für die Künstler zum Ausschluss von der Künstlersozialkasse führt, da diese nur durch künstlerische Arbeiten erzielte Einnahmen akzeptiere.  „Das ausstellung "paper unlimited", jugendkunstschulen berlin, galerie im körnerpark neuköllnist völlig absurd!“, kritisierte Schaub.

Ein weiteres Problem sprach hingegen ein Künstler aus dem Publikum an: „Jugend- kunstschulen stellen definitiv eine beträcht- liche Konkurrenz für Künstler dar, die jetzt Kunstunterricht auf dem freien Markt an- bieten.“ Er bekomme keine Fördermittel und könne es sich deshalb nicht leisten, Kurse zum Nulltarif abzuhalten, sondern müsse einen marktüblichen Monatsbeitrag verlangen. In der Konsequenz werde das dazu führen, dass Schüler von ihm zur Neuköllner Jugendkunstschule abwandern. „Machen wir uns doch nichts vor“, appellierte er an die Expertenrunde, „es ist die komplette Mittelschicht, die sich des Angebots bedient, und nicht die Sozial- ausstellung "paper unlimited", jugendkunstschulen berlin, galerie im körnerpark neuköllnschwachen!“

„Wir haben in der Tat in den Berliner Jugendkunst- schulen das Problem, dass wir oft nicht die Kinder erreichen, die wir erreichen wollen würden“, stimmte Angelika Tischer ihm zu. Insbesondere bildungs- ferne Eltern und solche aus der dritten Migranten- generation würde man kaum für die kulturelle Bildung ihres Nachwuchses interessieren und gewinnen können: „Ich hoffe aber, dass wir noch gute Ideen entwickeln, um das zu ändern.“ Auch für die vom Kulturnetzwerk Neukölln betriebene Young Arts NK wird die Einbindung schwer erreichbarer Gruppen mitentscheidend für den Erfolg sein.

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Glück in Neukölln

So heißt das Thema des dies- jährigen Fotowettbewerbs der Bürgerstiftung Neukölln, der zur Suche nach wonnigen Motiven im Bezirk auffordert.

Einsendeschluss für die im Bild festgehaltenen Glücksmomente ist der 17. Juni. Wer das Glück hat, zu den Siegern des Wett- bewerbs zu gehören und Geld- oder Sachpreise gewinnt, gibt die Jury am 6. Juli bekannt, wenn die Ausstellung „Glück in Neukölln“ im Neuköllner Leucht- turm  eröffnet wird.

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Einfach mal abhängen

Bei Sameheads in Neuköllns Richard-straße wird ein Exempel dieses Zustands äußerster Entspannung rund um die Uhr zur Schau gestellt.

Weniger leger ist der heutige Tag für Emine Demirbüken-Wegner, die zu den 1240 Mitgliedern der Bundesversamm- lung gehört, die ab 12 Uhr im Plenarsaal des Reichstags über die Neubesetzung des Bundespräsidentenamts entschei- den. Zu Neukölln hat die 50-jährige CDU- Politikerin, die seit 2006 dem Berliner Abgeordnetenhaus angehört und im Be- zirk Reinickendorf lebt, eine besondere Beziehung: Sie war 7 Jahre alt, als ihre Familie von der Türkei nach Neukölln übersiedelte. Damals, heißt es, war sie das erste und einzige türkische Kind in ihrer Grundschulklasse. Rund 20 Jahre später, 1988, erlebte Emine Demirbüken-Wegner wieder etwas bisher Dage- wesenes: Sie wurde als erste Frau mit türkischen Wurzeln Integrationsbeauftragte eines Berliner Bezirks – Neukölln war es nicht, sondern Schöneberg.

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Jetzt auch in Neukölln:

Die zweitbeliebteste Jahreszeit der Deutschen und mit ihr immer mehr Grün – nicht nur anlässlich des heutigen St. Patrick’s Days.

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Ungeziefer an einer Neuköllner Grundschule

los-projekt "7 insekten", kielhornschule neukölln, zuckmayer-schule neuköllnDie Kielhornschule in der Kopfstraße in Neukölln hat, wie man sieht, ein mas- sives Insektenproblem. Sieben dicke Käfer kleben an der dem Schulhof zugewandten Brandmauer. Bewegungs- los, schon seit Jahren.

Als Problem will man in der Kielhorn- schule die Existenz der Viecher aber nicht bezeichnen. Ein Problem sei eher der Baum, dessen dichtes Grün schon los-projekt "7 insekten", kielhornschule neuköllnbald wieder einen Blick auf die Krab- beltiere verhindern wird. Im Schuljahr 2003/04, als der In- sektenbefall von ei- nem Künstlerpaar und Schülern der Kielhorn- sowie der benachbarten Zuckmayer-Schule im Rahmen eines EU-geförderten Projekts zur Pau- senhofgestaltung arrangiert wurde, war der noch wesentlich mickriger. Und die metallenen, in der Morgensonne blitzenden Käfer waren nicht nur im Winter zu sehen.

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Zukurzgekommene und Leichtgewichte unter sich

hundegarten kleiner feigling, hasenheide neuköllnWo „Kleiner Feig- ling“ draufsteht, ist nicht unbedingt das drin, was man ge- meinhin erwarten würde. Das zeigt sich beispielswei- se in Neuköllns Hasenheide direkt neben dem Jahn- denkmal.

Dort gibt es einen eingezäunten Hun- deplatz, der „Klei- ner Feigling“ heißt und ein Mix aus Welpen-Kita und Spielplatz für er- wachsene Klein- rassige ist. Zugang zu  dem etwa 500 Quadratmeter gro- ßen Paradies be- kommen nämlich ob der Chancen- gleichheit beim To- ben und Kräfte- messen lediglich bellende Vierbei- ner, die ein Schullineal nur knapp überragen und leichter als 15 Kilogramm sind.

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Eine Studie, die etwas andere Verdrängung in Neukölln und das Zerren ums Tempelhofer Feld

topos-studie sozialstrukturentwicklung in nord-neukölln, senatsverwaltung für stadtentwicklung berlin

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„Sozialstrukturentwicklung in Nord-Neukölln“ heißt die 63-seitige Studie, die TOPOS Stadtforschung im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erstellte und Montagabend vor rund 100 Interessierten  in der Mensa des Campus Rütli präsentierte.

Deren wohl wichtigste Erkenntnis scheint, dass für die Situation im Norden des Bezirks der Begriff Gentrifizie- rung neu definiert werden muss. „Deutliche soziostruk- turelle Aufwertungstendenzen“, so die Studie, „sind nur im Gebiet Reuterplatz zu erkennen“. Dort gebe es den höchsten Anteil an Gentrifiern, jeder vierte Haushalt im Quartier falle in die Kategorie der Besserverdienenden. Für alle anderen Kieze gelte hingegen, dass in ihnen ein Zuzug vieler Pioniere, d. h. jungen Leuten mit hoher Bildung und eher niedrigem Einkommen, zu registrieren sei, sich aber keinesfalls ein Gentrifizierungsprozess abzeichne. Eine Verdrängung finde aber sehr wohl statt, schränkt Studienleiter  Sigmar Gude ein und weist damit auf die Neuköllner Eigenart des Gentrifizierungs-Begriffs hin: „Arme Mieter verdrängen noch ärmere Mieter.“

Schlussfolgerung kann also nur sein, dass auch für Geringverdiener finanzierbare Wohnungen gebraucht werden, um den Prozess zu stoppen. „Wohnungsbau auf dem Tempelhofer Feld“, schlug Ephraim Gothe, Staatssekretär für Bauen und Wohnen, als praktikable Maßnahme vor. Dort entstehende Neubauten, präzisierte er, seien aber selbstverständlich nicht für Einkommensschwache sondern für gehobenere Gehaltsklassen, um die Konkurrenzsituation auf dem Wohnungsmarkt zu entschärfen.

Mit der Zukunft des ehemaligen Tempelhofer Flughafens beschäftigte sich am Montagabend auch ein Anderer:  Dr. Lothar Köster, der Initiator der Bürgerinitiative „100 % Tempelhofer Feld“. Der Gesetzentwurf zum Volksbegehren/Volksentscheid zur vollständigen und dauerhaften Erhalt des jetzigen Zustands sei nun fertig, teilte er in einer Pressemeldung mit, wäh- rend Gothe auf dem Campus Rütli noch die TOPOS-Studie als Legitima- tion zur Bebauung der einzigartigen Fläche bemühte.

Im Wesentlichen, so die Bürgerini- tiative, schreibe dieses Gesetz den Verbleib des Tempelhofer Flugfeldes im Eigentum des Landes Berlin vor und verbiete die Veränderung durch Bebauung oder Umgestaltung. Das Tempelhofer Feld solle in seiner Gestalt langfristig erhalten und dauerhaft kostenlos zugänglich bleiben.

Der Gesetzentwurf werde „in den nächsten Tagen offiziell eingereicht“, kündigt Köster im Namen der Bürgerinitiative „100 % Tempelhofer Feld“ an. „Sobald die zuständige Senatsstelle für Stadtentwicklung und Umweldschutz ihre vom Gesetz vorge- schriebenen Kostenschätzungen erstellt haben, beginnen wir mit der Sammlung der Unterschriften.“ In der ersten Phase würden 20.000 gültige Unterschriften benötigt werden, um die Unterstützung der Bevölkerung Berlins für dieses Volksbegehren nachzuweisen. „Angesichts des breiten Zuspruchs und der klaren Alternativen wird diese erste Sammelphase keine erheblichen Probleme bereiten“, sind Lothar Köster und seine Mitstreiter überzeugt.

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Alles andere als ungefährlich

Die unmittelbare Nähe zu Zapfsäulen und Tankstellen ist per se kein Umstand, der eine Wohnlage attraktiver macht. In der Richardstraße in Neukölln sieht das gänzlich anders aus. Die Gegend ist beliebt. Dass von der Zapfsäule in einem historischen Gebäudeensemble  schon  lange  keine  Ge-

fahr mehr ausgeht, mag dazu beitragen. Ebenso der Sommerfeld Spirituosen-Laden direkt nebenan, der u. a. als Tankstelle für den Sprit der Neuköllner Traditionsfirma Grützmacher fungiert und so den Fortbestand von Hochprozentigem à la „Rixdorfer Galgen“ und anderen originell benannten Likören sichert. Deren nicht zu unterschätzende Risiken und Neben- wirkungen stehen auf einem anderen Blatt.

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Neuköllner Tor gerockt

Im Grunde ist das Neuköllner Tor so etwas wie ein Gegenmodell zum MarXity: Obwohl der Name des Einkaufszentrums groß über dem Portal steht, sprechen die einkaufszentrum neuköllner tor, neuköllnmeisten alteingesessenen Neuköllner weiterhin davon, dass sie „zum real“ gehen, wenn sie die vor 1 1/2 Jahren eröffnete Shopping Mall ansteu- ern. Das mag einerseits daran liegen, dass der Supermarkt lange vorher da war, andererseits aber auch an der flächenmäßigen Dominanz, die er nach wie vor am Standort inne hat. Der per Namenswettbewerb auserkorene Name MarXity steht dagegen nirgends. Trotzdem nennt kaum noch jemand die Ladenzeile „Wo mal Hertie war“-Haus. MarXity sagt allerdings auch niemand, denn das würde ohnehin nur für Verwirrung sorgen.

Um Stimmung ging es gestern beim verkaufsoffenen Sonntag in der 1. Etage vom Neuköllner Tor. Der real-Markt hatte Maggie Knorr eingeladen, die vor dem Sportshop des  Unternehmens aufgestellte  Bühne zu rocken – und das  tat sie auch, allein oder

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aber mit ihrer Tänzergruppe Thing-A-Me. Dem Publikum gefiel die Show der von Marktleiter Wolfgang Paulini als „Kultstar“ bezeichneten Sängerin, Dragqueen und „Berlin – Tag & Nacht“-Darstellerin. Auch denen, die sich ganz offen mit der Frage „Muss man die kennen?“ beschäftigten.

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