Nachtragend – im besten Sinne

„Zurückbleim!!!“ brüllen und ihre Züge über die unterirdischen Berliner Schienen steuern – weitere Kompetenzen trauen viele Hauptstädter und Touristen den U-Bahn-Chauffeuren der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) nicht zu.

Anders ging es auch Ulrike K. bisher nicht. Die Frankfurterin kommt etwa alle zwei Mo- nate vom Main an die Spree, um ihre Eltern zu besuchen, die in Neukölln wohnen. Er- fahrungen mit Berlins ÖPNV hat sie also reichlich, gestern kam eine neue dazu:

Sie sei auf dem Weg zum Ostbahnhof und sehr knapp dran gewesen, um ihren Zug noch zu erwischen. „Mit einer U-Bahn spä- ter“, schildert die 27-Jährige uns in einer E-Mail, „hätte ich von meinem ICE nur noch die Rücklichter gesehen.“ Immer wieder habe sie – während sie darauf wartete, dass der Fahrkartenautomat das Ticket ausspuckt – mit dem U-Bahn-Fahrer Blickkontakt aufgenommen. Dann ging es schnurstracks zum Entwerter und mit der nun gültigen Fahrkarte in den U-Bahn-Waggon: „Das Wechselgeld habe ich kurzerhand abge- schrieben.“ Der Preis, zwar mit 7,70 Euro Wechselgeld in der Hand, aber vor ver- schlossener U-Bahn-Tür zu stehen, wäre zu hoch gewesen, habe sie entschieden.

Doch dann gingen nicht die Waggontüren zu, sondern die der Fahrerkabine auf. „Wollten Sie das Geld verschenken?“, wurde Ulrike K. wenig später von einer berli- nernden Männerstimme gefragt. Völlig perplex sei sie gewesen, dass der U-Bahn-Fahrer es nicht beim Beobachten der Situation am Fahrkartenautomat belassen, sondern auch noch beispielhaft serviceorientiert darauf reagiert und ihr die 7,70 € nachgetragen hat. Das müsse man doch auch mal öffentlich machen, meint sie.

=ensa=

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