Gegen den Trend

Es kam, wie es kommen musste: Das BIMAH hat sein Domizil in der Jonasstraße in Neukölln aufgegeben. Fünf Jahre war der ehemalige Ballsaal der Tanzschule des Tänzers und Komponisten Will Meisel im Haus mit der Nummer 22 die künstlerische Heimat von Intendant Dan Lahav gewesen, vor einigen Wochen ist er mit seinem Jüdischen Theater Berlin in den Admiralspalast in Mitte gezogen.

Die Begründung, die Lahav auf der BIMAH-Homepage für den Umzug nennt, ist bezeichnend für den Theatermann und die Krise seiner Bühne in Neukölln: „Die Hauptgründe sind Mietsteigerungen im Bezirk und Vermeidung der Zuschauer die U- und S-Bahnen nach Neukölln zu nutzen.

Ob auch das Jüdische Theater von einer Miet-erhöhung betroffen war, darüber schweigt Lahav sich lieber aus. Entscheidender wird aber ohnehin die magere Auslastung gewesen sein, und die hat sich das Theater selber zuzuschreiben. Zweifellos hat das BIMAH es geschafft, namhafte Schauspieler als Gaststars auf seiner Bühne zu präsentieren. Was es jedoch nie angestrebt hat, war eine Verwurzelung im Bezirk. Neukölln blieb nicht mehr als ein x-beliebiger Standort, das Jüdische Theater im Gegenzug ein Fremdkörper. Viele Neuköllner waren es höchstwahrscheinlich nicht, die überhaupt von der Existenz der Bühne in einem Hinterhof im Körnerkiez wussten, noch viel weniger zahlten 22 Euro Eintritt und besuchten es. Und die Auswärtigen, der der Intendant gerne als Publikum gehabt hätte, kamen auch nicht: jedenfalls nicht ins BIMAH. Derweil stellen andere Ver- anstaltungsorte in der Gegend – auch die ohne Besucherparkplatz – erfreut fest, dass der Anteil von Berlinern aus anderen Bezirken unter den Gästen stetig wachse.

=ensa=

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