Getrennte Wege

Mit dem Wind ist das ja so ’ne Sache auf dem Tempelhofer Feld: Nirgendwo anders in Berlin hat er so viel Platz, sich ungehindert auszutoben und seine ganze Kraft zu ent- falten. Kaum etwas stellt sich ihm auf der etwa 400 Hektar großen Fläche in den Weg – wenn man mal von Spaziergängern, Rad- fahrern, Skatern und anderen Besuchern des Grüns zwischen Neukölln, Tempelhof und Kreuzberg absieht.

Besonders willkommen dürften dem Wind dabei alle Erwachsenen und Kinder sein, die ihm etwas zum Spielen mit aufs Tempelhofer Feld bringen: Drachen in allen möglichen Farben, Formen und Größen, die mal mehr und mal we- niger unter Kontrolle zu bringen sind. Denn wenn der Wind launische Böen übers Feld jagt, kommen vor allem Kitesurfer ins Schwitzen und Trudeln. Da kann’s dann schon leicht passie- ren, dass der Drachen und das Rollbrett getrennte Wege einschlagen und vor der Weiterfahrt erstmal die ein- zelnen Bestand- teile der Ausrüs- tung wieder ein- gesammelt und sortiert werden müssen. Meist bleibt es da nur bei wenigen Augenblicken der Trennung.

Auf alles andere als ein Miteinander verschiedener Interessen scheint es dagegen der Berliner Senat in Sachen Tempelhofer Feld abzusehen: Insbesondere auf der Neuköllner Seite entlang der Oderstraße sei die zu bebauende Fläche ausgeweitet worden, heißt es. Damit bekommen der Kommunikationswissenschaftler Dr. Lothar Köster und seine Initiative „100 Prozent Tempelhofer Feld“ eine steife Brise Rü- ckenwind: Sie planen ein Volksbegehren gegen die Bebauung des Geländes.

=ensa=

Eine Antwort

  1. Windgespräch frei nach Morgenstern:

    “Hast nie die Welt geseh’n? Hammerfest – Wien – Athen?”

    „Nö, bin ja vielleicht ’n bisken doof, nur so’n Lokalwind. Kennst Du Tempelhof?“

    “Nein, Kind. Servus! Muss davon! Köln – Paris – Lissabon.”

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