Ein Kleinod im Neuköllner Trubel

Bei Berlin-Neulingen und Touristen sind sie meist ziemlich ausgeprägt: einerseits die  Neugier und andererseits die Hemmungen, ihr nachzugeben und beispielsweise fremder Leute Hinterhöfe zu betreten. Oft siegt die Zurückhaltung bei diesem inneren Disput.

Auch in Neukölln sieht man häufig Menschen zö- gernd vor offenen Torbögen und Haustüren ste- hen, die verhei- ßungsvolle Einblicke in das offenbaren, was für Berlin so typisch ist. Hinterhöfe, eingebettet zwischen Vorder- und Gartenhaus, rechtem und linkem Seitenflügel, mal schmuddelig, mal karg und zweckmäßig, mal grün und lauschig.

Ein beliebtes Einstiegsmodell für weitere Hinterhof-Expeditionen ist zweifellos die Ideal-Passage. Zwischen  Fulda- und Weichselstraße wurde 1908 von der Baugenossenschaft Ideal ein Ensemble mit für derzeitige Verhältnisse kom- fortabelsten Wohnungen und idyllischen Innenhöfen angelegt.

Auch heute noch, über 100 Jahre nach der Erbauung, hat das Kleinod nichts von sei- nem Reiz verloren. Obwohl der Weg durch die drei Höfe oft von Fußgängern als Abkürzung von der Fuldastraße zur Weichselstra- ße  genutzt wird, also qua- si teilöffentlich ist, sucht man selbst zaghaf- teste Anzeichen für eine Vermüllung ver- geblich. Sogar auf den Anblick von Hundehaufen muss man auf den rund 200 Metern Ideal-Passage verzichten. Alles scheint wie ein Stück heile/fremde Welt – mitten in Neukölln, bis man an der Fulda- oder Weichselstraße wieder mit allen anderen Facetten der Realität zu- sammentrifft, wo nicht mehr gilt, dass Fußgänger Vorrecht haben und von Autofahrern Schritttempo einzuhalten ist.

=ensa=


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